Eine BBC-Recherche zeigt: Bei OpenAI, Anthropic, Meta und Google steigt die Arbeitszeit, obwohl KI eigentlich kürzere Wochen verspricht.
Ein bereits 2021 zitierter Google-Manager hatte vorhergesagt, KI werde bis 2025 eine Vier-Tage-Woche ermöglichen, OpenAI hatte in diesem Jahr sogar formell dazu aufgerufen, eine Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt zu testen, mit der Begründung, KI werde menschliche Arbeit bald so stark beschleunigen, dass sich dies anbiete. Nach Recherchen der BBC arbeiten Beschäftigte bei OpenAI und Anthropic während sogenannter Sprints, teils über mehrere Wochen hinweg, jedoch mit mehr als 90 Stunden pro Woche.
Eine ehemalige technische Fachkraft bei OpenAI, die das Unternehmen im vergangenen Jahr verlassen hatte, erklärte gegenüber der BBC, während der eigenen Beschäftigungszeit habe es dort nie einen tatsächlichen Test der öffentlich empfohlenen Vier-Tage-Woche gegeben. Stattdessen habe der Arbeitsalltag aus häufigen Krisensitzungen, Wochenendarbeit und als „extrem kompromisslos“ beschriebenen Leistungsbeurteilungen bestanden, in deren Folge Kollegen mitunter kurzfristig entlassen worden seien. Die Person selbst habe zuvor mindestens 70 Stunden pro Woche gearbeitet.
Bei Meta berichteten aktuelle und ehemalige Beschäftigte, in diesem Jahr ohne eigene Wahlmöglichkeit auf als dringend eingestufte KI-Teams versetzt worden zu sein, intern als „Drafting“ bezeichnet. Die Arbeitszeiten auf solchen Teams reichten häufig bis in die Nacht und an Wochenenden, begleitet vom Gefühl, auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit ständig abrufbereit sein zu müssen. OpenAI und Anthropic reagierten nach Angaben der BBC nicht auf entsprechende Anfragen des Senders, Meta äußerte sich ebenfalls nicht zu den geschilderten Arbeitsbedingungen.
Studie findet strukturelle Ursache für steigende statt sinkende Arbeitszeit
Eine über acht Monate laufende Untersuchung der University of California in Berkeley begleitete mehrere hundert Beschäftigte eines US-Technologieunternehmens beim Einsatz von KI-Werkzeugen im Arbeitsalltag. Das Ergebnis: Die Beschäftigten arbeiteten in der Folge schneller, übernahmen einen breiteren Aufgabenbereich und dehnten ihre Arbeitszeit auf mehr Stunden am Tag aus, teilweise auch deshalb, weil die von der KI erzeugten Ergebnisse fortlaufend kontrolliert werden mussten. Neil Thompson, Innovationsforscher am MIT, ordnete das Phänomen ein:
„Man geht davon aus, dass 20 Prozent weniger Arbeit eine Vier-Tage-Woche bedeutet. Aber es entsteht neue Arbeit.“
Neil Thompson, Innovationsforscher am MIT
Die BBC verweist zudem darauf, dass es in den USA keine gesetzliche Obergrenze für die wöchentliche Arbeitszeit von Personen ab 16 Jahren gibt, während in Großbritannien und der EU eine Arbeitszeitgrenze von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche einschließlich Überstunden gilt.
(red)