Kristalina Georgieva spricht von einem langsamen Tsunami. Rund 40 Prozent der Jobs weltweit werden laut IWF durch KI verändert oder fallen weg.
IWF-Chefin warnt vor KI-Folgen für Berufseinsteiger

Die Folgen von KI für den Arbeitsmarkt beginnen nach Einschätzung von Kristalina Georgieva, Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), gerade erst. Sie verglich die Entwicklung bei einer Veranstaltung im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok mit einem langsamen Tsunami. Am stärksten betroffen sein könnten junge Menschen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen.
„Normalerweise würden sie in diese routinemäßigen, sich wiederholenden Jobs einsteigen und dann aufsteigen. Aber wenn diese wegfallen, glaube ich nicht, dass ein junger Mensch als berufliche Zukunft Barista in einem Café sein will.”
Kristalina Georgieva, Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)
40 Prozent der Jobs betroffen
Der IWF schätzt, dass rund 40 Prozent der Arbeitsplätze weltweit durch KI ergänzt, abgewertet oder ganz ersetzt werden. Laut Georgieva verdienen Beschäftigte mit KI-Kenntnissen bereits mehr, ein breites Beschäftigungswachstum habe das aber nicht ausgelöst. Zugleich wachsen schlechter bezahlte Tätigkeiten etwa in der Gastronomie und beim Bau von Rechenzentren. Beschäftigte mit mittlerer Qualifikation, deren Tätigkeiten sich leicht automatisieren lassen, drohten zurückzufallen, vor allem in Industrieländern. KI verringere die Nachfrage nach Arbeitskräften derzeit nicht, sondern verschiebe sie, sagte Georgieva. Das könne sich künftig ändern.
Regierungen sollten laut Georgieva das Bildungssystem auf eine Arbeitswelt ausrichten, in der Beschäftigte nicht mehr ihr ganzes Berufsleben lang mit einmal erlernten Fähigkeiten auskommen. Größere Umbrüche am Arbeitsmarkt würden zudem Konsum und Steuereinnahmen senken.
Weniger Einstiegsjobs in Singapur
Singapurs Präsident Tharman Shanmugaratnam sagte bei derselben Veranstaltung, die Nachfrage nach Berufseinsteigern sinke bereits. In Singapur fanden laut The Straits Times 2025 74,4 Prozent der Hochschulabsolventen eine Vollzeitstelle, nach 79,4 Prozent im Jahr 2024. Regierungen sollten das Thema als langfristiges strukturelles Problem behandeln und nicht abwarten, bis daraus eine Krise wird.
Andere Einschätzungen
Andere Stimmen sehen die Entwicklung weniger dramatisch. OpenAI-CEO Sam Altman räumte im Mai ein, KI habe Einstiegsjobs im Büro bislang langsamer ersetzt als von ihm erwartet. Anthropic-CEO Dario Amodei hatte 2025 davor gewarnt, KI könne die Hälfte der Einstiegsjobs im Büro beseitigen. US-Präsident Donald Trump erwartet, dass KI mehr Arbeitsplätze schafft als vernichtet. Eine Studie des Forschungsnetzwerks CESifo hatte im September gezeigt, dass KI die Arbeitslosigkeit unter frischen Hochschulabsolventen in den USA bislang nicht messbar erhöht hat.
(red)




