Zwei Monate lang stand der Betrieb des Ford-Autohaus Pichel in Chemnitz fast still. Ein gezielter Angriff auf die IT-Infrastruktur Ende 2025 hat das wirtschaftlich bereits angeschlagene Unternehmen endgültig in die Zahlungsunfähigkeit getrieben.
Das ist die traurige Realität von mittelständischen Betrieben in Deutschland: Ein einziger Cyberangriff kann genügen, um ein seit Jahrzehnten gewachsenes Unternehmen in die Knie zu zwingen. Das Ford-Autohaus Pichel GmbH aus Chemnitz hat in dieser Woche beim zuständigen Gericht einen Insolvenzantrag eingereicht, wie die Sächsische Zeitung berichtet. Als wesentlicher Auslöser gilt ein Cyberangriff vom Dezember 2025, der die gesamte elektronische Datenverarbeitung des Unternehmens für rund zwei Monate weitgehend lahmlegte. Das gab der eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter, Wirtschaftsjurist Frank-Rüdiger Scheffler, am Freitag in Chemnitz bekannt.
Doppelte Belastung: Branchenkrise trifft auf IT-Desaster
Scheffler beschrieb die Situation als das Zusammentreffen zweier unglücklicher Faktoren. Das Unternehmen habe bereits zuvor unter den allgemein schwierigen Bedingungen im Automobilhandel gelitten. Der Jahresabschluss 2024 weist einen Verlust von rund 530.000 Euro sowie Verbindlichkeiten von insgesamt 5,7 Millionen Euro aus. Der gezielte Angriff auf die IT-Systeme habe dann die ohnehin angespannte Lage endgültig eskalieren lassen. Für nahezu zwei Monate war ein regulärer Geschäftsbetrieb kaum möglich.
Welche Art von Schadsoftware oder welche Gruppe hinter der Attacke steckt, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Werkstatt geöffnet, Fahrzeugverkauf eingeschränkt
Scheffler betonte, der laufende Betrieb mit den 35 Beschäftigten werde uneingeschränkt fortgeführt. Kunden könnten Service und Werkstatt weiterhin wie gewohnt nutzen. Beim Fahrzeugkauf müssten hingegen derzeit noch bestimmte Rahmenbedingungen geklärt werden.
Das 2000 gegründete Familienunternehmen betreibt neben dem Chemnitzer Standort einen weiteren, größeren Betrieb im benachbarten Hartmannsdorf mit 75 Mitarbeitern. Dieser ist vom Insolvenzantrag bislang nicht betroffen.
Kein Einzelfall: Wehrle-Werk traf es schon früher
Der Fall Pichel steht nicht allein. Bereits im Sommer 2024 zeigte sich zum Beispiel ein nahezu identisches Muster beim Traditionsunternehmen Wehrle-Werk AG aus dem badischen Emmendingen. Der 1860 gegründete Anlagenbauer wurde am 11. Mai 2024 Opfer einer Cyberattacke, die sowohl die Produktion als auch die Kommunikationssysteme erheblich beeinträchtigte. In Kombination mit einer sich verschlechternden Auftragslage sah sich das Unternehmen wenige Monate später gezwungen, beim Amtsgericht Freiburg Insolvenz zu beantragen.
Das Muster wiederholt sich: Cyberangriffe sind existenzbedrohend. Erst recht, wenn ein Betrieb wirtschaftlich bereits unter Druck steht. Für den Mittelstand bleibt IT-Sicherheit damit nicht nur ein technisches, sondern ein betriebswirtschaftliches Kernthema.