Digital X

Funktechnik: Telekom zeigt erstmals Drohnen-Detektion live

Telekom
Bildquelle: Alexander Fedosov / Shutterstock.com

Die Deutsche Telekom zeigt erstmals öffentlich ein System, mit dem sich Drohnen und ihre Piloten über Funksignale erkennen lassen.

Der Konzern demonstriert die Technologie auf der Digital X in Köln und will damit insbesondere Flughäfen, Städte, Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastruktur beim Schutz vor unerlaubten Drohnenflügen unterstützen.

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Funksignale machen Drohnen sichtbar

Ein wesentlicher Bestandteil des Systems sind passive Radiofrequenz-Sensoren. Sie erfassen Funksignale, die bei der Steuerung einer Drohne zwischen Fluggerät und Fernbedienung ausgetauscht werden.

Sobald eine Fernsteuerung aktiviert wird, können die Sensoren das entsprechende Signal erfassen. Neben der Position des Fluggeräts lässt sich dadurch auch der Standort des Piloten bestimmen. Je nach System und verfügbaren Informationen können außerdem Angaben zum Drohnenmodell und zur verwendeten Funksteuerung gewonnen werden.

Die Telekom arbeitet dafür mit den Sensorherstellern Vorpal aus Israel und Senhive aus Belgien zusammen. Welche Sensorik eingesetzt wird, hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet und dem erforderlichen Schutzniveau ab.

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Mehrere Sensoren können kombiniert werden

Die Funkerkennung bildet dabei nur einen Teil des Gesamtsystems. Je nach Szenario kann die Telekom weitere Technologien integrieren, darunter Kameras, Audiosensoren, Remote-ID-Systeme und Drohnenradare.

Die Kombination verschiedener Sensoren soll eine umfassendere Lageerfassung ermöglichen. Insbesondere in komplexen Umgebungen können unterschiedliche Verfahren ihre jeweiligen Stärken ausspielen.

Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die Nutzung von Mobilfunknetzen zur Drohnenerkennung. Die Telekom arbeitet dazu unter anderem mit der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr und im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesforschungsministeriums zusammen.

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Einsatz bei Sportveranstaltungen und kritischer Infrastruktur

Erfahrungen mit der Technologie hat die Telekom bereits bei verschiedenen Veranstaltungen gesammelt. Während der Fußball-Europameisterschaft 2024 sowie bei weiteren Sportevents und Konzerten wurden Drohnenflüge überwacht.

Darüber hinaus richtet sich das System an Flughäfen, Kommunen, Industrieunternehmen und Einrichtungen des Verteidigungssektors. Konkrete Angaben zu Kunden oder einzelnen Aufträgen macht die Telekom aus Sicherheitsgründen nicht.

Nach Angaben des Konzerns spielt die Drohnendetektion auch beim Schutz kritischer Infrastruktur eine zunehmende Rolle. Dazu zählen beispielsweise Energie- und Wasserversorgung, Krankenhäuser, Telekommunikationsanlagen, Verkehrseinrichtungen und Industrieanlagen.

Passive Sensoren eignen sich für den Einsatz in Städten

Ein Vorteil der eingesetzten RF-Sensoren liegt darin, dass sie selbst keine aktiven Suchsignale aussenden. Dadurch können sie beispielsweise an bestehenden Funkmasten angebracht werden, ohne den regulären Mobilfunkbetrieb durch zusätzliche aktive Signale zu beeinträchtigen.

Hoch positionierte Sensoren auf Funkmasten oder Gebäuden können insbesondere in dicht bebauten Gebieten einen großen Erfassungsbereich ermöglichen. Die Telekom setzt dabei auf ein mandantenfähiges System. So können beispielsweise mehrere Betreiber kritischer Infrastruktur innerhalb eines Stadtgebiets dieselbe Sensorinfrastruktur nutzen, während jeder Nutzer einen getrennten Zugang zu seinen Daten erhält.

Sensordaten sollen schnell bei den Einsatzkräften ankommen

Für eine wirksame Reaktion reicht es nicht aus, eine Drohne lediglich zu erkennen. Die gewonnenen Informationen müssen möglichst schnell an die zuständigen Stellen weitergeleitet und in bestehende Lagebilder integriert werden.

Die Telekom bindet die Sensoren deshalb über unterschiedliche Netze an, darunter LAN, Richtfunk und Mobilfunk. Für besonders zeitkritische Anwendungen kann im Mobilfunk Network Slicing eingesetzt werden. Dabei wird ein Teil der verfügbaren Netzkapazität für bestimmte Datenströme reserviert.

Ein vergleichbarer Ansatz kommt bereits bei der Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zum Einsatz. Dadurch sollen auch bei hoher Netzauslastung oder in Krisensituationen missionskritische Sensordaten zuverlässig übertragen werden.

Integration in bestehende Leitstellen

Die Sensordaten müssen zudem nicht in einem isolierten System verarbeitet werden. Die RF-Sensoren lassen sich über standardisierte Schnittstellen in bestehende Command-and-Control-Systeme integrieren.

Dadurch können Informationen aus unterschiedlichen Quellen in einer gemeinsamen Lageübersicht zusammengeführt werden. Sicherheitskräfte erhalten so schneller einen Überblick darüber, wo sich eine Drohne befindet, welcher Pilot sie möglicherweise steuert und welche weiteren Informationen die verfügbaren Sensoren liefern.

Die Technik dient dabei zunächst der Erkennung und Ortung. Für die eigentliche Abwehr setzt die Telekom auf externe Partner und unterschiedliche Technologien.

Zusammenarbeit mit Rheinmetall

Für Maßnahmen gegen bereits erkannte Drohnen arbeitet die Telekom unter anderem mit Rheinmetall zusammen. Beide Unternehmen wollen ihre Kompetenzen beim Schutz kritischer Infrastruktur bündeln.

Der Ansatz soll über die reine Drohnenabwehr hinausgehen und verschiedene physische und digitale Bedrohungen berücksichtigen. Dazu gehören sowohl Cybersicherheit als auch der Schutz von Grundstücken und Anlagen, etwa durch Perimeter-Sicherheit.

Darüber hinaus kooperiert die Telekom abhängig vom jeweiligen Szenario mit weiteren Unternehmen und Organisationen. Genannt werden unter anderem Quantum Systems, HENSOLDT, Proximus und die Deutsche Flugsicherung.

Regulierung erhöht den Druck auf Betreiber

Die wachsende Bedeutung des Drohnenschutzes steht auch im Zusammenhang mit neuen Anforderungen an Betreiber kritischer Infrastruktur. Nationale und europäische Regelungen verlangen zunehmend eine systematische Bewertung möglicher Bedrohungen und geeignete Schutzmaßnahmen.

Das KRITIS-Dachgesetz sieht beispielsweise eine umfassende Betrachtung relevanter Risiken vor. Wird festgestellt, dass Drohnen eine Gefährdung für die Widerstandsfähigkeit einer Anlage darstellen, müssen Betreiber entsprechende Schutzmaßnahmen berücksichtigen.

Telekom-Vorstandsmitglied Ferri Abolhassan sieht deshalb einen zunehmenden Handlungsbedarf. „Die Bedrohung durch Drohnen ist leider real. Deswegen müssen wir jetzt reagieren und Bürgerinnen und Bürger sowie kritische Infrastruktur schützen“, erklärte er.

Vom einzelnen Sensor zum Gesamtsystem

Die Präsentation in Köln verdeutlicht, dass moderne Drohnenabwehr zunehmend aus mehreren miteinander verbundenen Komponenten besteht. Funkerkennung, Radar, Kameras, sichere Datenübertragung und zentrale Lageführung können zu einem gemeinsamen System zusammengeführt werden.

Für die Telekom ist dabei insbesondere die Vernetzung ein zentraler Bestandteil. Perspektivisch könnten auch Mobilfunknetze selbst stärker zur Erkennung von Drohnen beitragen. Damit entwickelt sich der Schutz vor unautorisierten Fluggeräten von einer einzelnen Detektionstechnologie hin zu einer umfassenderen Sicherheitsarchitektur für öffentliche Einrichtungen und kritische Infrastrukturen.

(red/Telekom)

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