Unklarer Android-Baustein

Euro-Office bekommt Desktop-App gegen Microsoft 365

Euro-Office Bildquelle: Nextcloud

Die europäische Office-Alternative Euro-Office erscheint als Desktop-App, steht aber wegen russischer Code-Wurzeln in der Kritik.

Die im Juni 2026 gestartete europäische Bürosoftware Euro-Office war bislang nur als Browser-Editor verfügbar, eingebunden in Produkte teilnehmender europäischer Unternehmen wie IONOS, Nextcloud und Eurostack. Im Rahmen des Sommer-Updates „Nextcloud Hub 26″ erscheint die Software nun als eigenständige Desktop-Anwendung, die laut Ankündigung in den kommenden Wochen zum Download bereitstehen soll. Nextcloud erklärte, die Desktop-Version schließe eine der letzten verbliebenen Lücken gegenüber Microsoft Office, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer dafür die Kontrolle über ihre Daten an einen nicht-europäischen Anbieter abgeben müssten.

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Die neue Version soll zudem spürbar schneller laufen und über verbesserte Filter sowie Dokument-Vorschaubilder das Auffinden von Dateien erleichtern.

Nextcloud-Gründer sieht Alternative zu Microsoft

Nextcloud-Gründer und -CEO Frank Karlitschek erklärte:

„Mit der Euro-Office-Desktop-App geben wir Menschen und Organisationen eine echte, souveräne Alternative zu Microsoft Office – nicht nur im Browser, sondern genau dort, wo viele von ihnen noch immer jeden Tag arbeiten: auf dem eigenen Computer.“

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Frank Karlitschek, Nextcloud-Gründer und -CEO

Der Start der Desktop-Version fällt in eine Zeit, in der zunehmend mehr europäische Behörden und Regierungen Microsoft-Software durch lokale, quelloffene Alternativen ersetzen – Teil eines breiteren europäischen Vorstoßes für digitale Souveränität, getrieben von Datenschutzbedenken sowie der Sorge, angesichts angespannter Beziehungen zur US-Regierung unter Donald Trump den Zugang zu kritischer Technologie zu verlieren.

Ursprung im russisch verknüpften OnlyOffice-Code

Trotz dieses Anspruchs auf europäische Unabhängigkeit steht Euro-Office selbst seit Längerem in der Kritik. Die Software basiert auf dem Code von OnlyOffice, einer quelloffenen Bürosoftware der in Lettland registrierten Firma Ascensio System SIA, deren Wurzeln nach Recherchen von Cybernews jedoch in Russland liegen. OnlyOffice wirft Euro-Office seinerseits vor, gegen Lizenzbedingungen und internationales Recht verstoßen zu haben; die Entwickler von Euro-Office erklärten hingegen, die Verbindungen von OnlyOffice nach Russland seien mit ein Grund gewesen, warum eine offene Zusammenarbeit nicht möglich gewesen sei.

Eine Cybernews-Analyse vom Juni 2026 hatte zuvor gezeigt, dass Euro-Office den ursprünglichen OnlyOffice-Code zwar offen als Grundlage benennt, aber auch nach der offiziellen Trennung im März 2026 weiterhin Änderungen von OnlyOffice-Entwicklern übernommen habe. Laut der Analyse stammten rund 98,6 Prozent der sogenannten Dokument-Engine und 99,2 Prozent der Live-Kollaborationskomponente ursprünglich von Entwicklern, die nach den Zeitstempeln ihrer Codeänderungen in russischen Zeitzonen arbeiteten, während europäische Beiträge nur etwa 0,5 Prozent ausmachten. Zeitzonendaten belegten dabei zwar keine Staatsangehörigkeit oder physischen Standort, seien aber ein technischer Hinweis darauf, wo die Arbeit wahrscheinlich stattfand, so die Cybernews-Forscher.

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Unklarer Android-Baustein aus fremder Cloud

Als besonders kritisch bewertet das Cybernews-Forschungsteam laut der aktuellen Meldung, dass der Code weiterhin ein Android-Softwarepaket aus einer nicht näher bekannten Cloud-Quelle einbindet, was Fragen zu Inhalt, Eigentümerschaft und möglicher nachträglicher Veränderung dieses Bausteins aufwirft. Nextcloud-Mitgründer Jos Poortvliet erklärte gegenüber Cybernews, übersetzt aus dem Englischen, die ursprüngliche OnlyOffice-Codebasis sei tatsächlich fast vollständig hinter verschlossenen Türen in Russland entwickelt worden; das Unternehmen selbst habe seither versucht, dies zu verschleiern und sich von Russland zu distanzieren.

Genau das sei ein wesentlicher Grund für die Abspaltung gewesen; seither überprüfe und bereinige man den Code fortlaufend, auch um Sicherheitsprobleme zu erkennen. OnlyOffice-Vertriebsleiterin Galina Goduhina wies die Vorwürfe gegenüber Cybernews zurück und erklärte, das Produkt werde von der in Lettland registrierten und EU-rechtskonformen Firma Ascensio System entwickelt und vertrieben; das Team sei international zusammengesetzt, und eine Bewertung von Software anhand der Nationalität einzelner Entwickler statt anhand von Qualität, Sicherheit und Compliance sei problematisch.

Teil eines breiteren Trends

Das wachsende Interesse an Alternativen zu Microsoft-Software beschränkt sich laut Cybernews nicht auf Behörden: Auch die aktuelle Version von LibreOffice, einer freien Bürosoftware der Open Document Foundation, wurde in der ersten Woche nach Veröffentlichung mehr als eine Million Mal heruntergeladen.

(red)

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