Die EU-Kommission und das Konsortium SpaceRISE haben eine Umsetzungsvereinbarung für das europäische Satellitenprogramm IRIS² unterzeichnet.
Am 7. August unterzeichneten die EU-Kommission und das aus den Satellitenbetreibern SES, Eutelsat und Hispasat bestehende Konsortium SpaceRISE die Vereinbarung, mit der IRIS² von der Planungs- in die Umsetzungsphase übergeht. Ursprünglich war die Konstellation im Konzessionsvertrag von Dezember 2024 mit 290 Satelliten vorgesehen. Nun kommt eine eigene Schicht aus 66 zusätzlichen Satelliten im niedrigen Erdorbit hinzu, die gezielt Fähigkeiten für Verteidigung, Sicherheit und Notfalldienste stärken soll. Die künftige Gesamtkonstellation umfasst damit 348 Satelliten, davon 330 im niedrigen und 18 im mittleren Erdorbit, ergänzt um optionale Elemente für spezifische Einsätze.
Nach Angaben der EU-Kommission soll die Erweiterung die sichere staatliche Kommunikationskapazität innerhalb der EU um mehr als 60 Prozent und weltweit um 54 Prozent steigern. EU-Kommissar für Verteidigungsindustrie und Weltraum, Andrius Kubilius, erklärte dazu:
„Wir machen heute einen entscheidenden Schritt für die Sicherheit und digitale Souveränität Europas. Diese verstärkte, schneller marktreife Konstellation gibt unseren Mitgliedstaaten, Rettungsdiensten und Bürgern die widerstandsfähige, autonome Konnektivität, die sie jetzt und in künftigen Krisen benötigen.“
Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigungsindustrie und Weltraum
IRIS² soll europäische Nutzer unter anderem unabhängiger von nicht-europäischen Anbietern wie SpaceX Starlink oder Amazons Satellitennetz Leo machen und auch abgelegene Regionen sowie Krisenszenarien mit sicherer Konnektivität versorgen.
Start der Satelliten um ein Jahr vorgezogen
Die Verhandlungen zwischen EU-Kommission und SpaceRISE, intern als „Rendezvous 1″ bezeichnet, hatten bereits im Januar 2026 begonnen und legten neben dem technischen Aufbau auch Systemkapazität, Zeitplan, Zielpreise sowie die Investitionen der beteiligten privaten Betreiber fest. Ursprünglich war der Start der Satelliten für 2030 vorgesehen, nun soll er bereits 2029 erfolgen. Nach Angaben des Finanznachrichtendienstes Bloomberg ist damit auch das Budget des Programms gestiegen, von zuvor 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf inzwischen 15,6 Milliarden Euro.
Unter Führung der EU-Kommission und mit technischer Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation ESA übernimmt SpaceRISE künftig Satellitenbau, die Beschaffung von Trägerraketen sowie den Aufbau der zugehörigen sicheren Bodeninfrastruktur. Am Konsortium beteiligt sind neben den drei genannten Satellitenbetreibern auch Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Orange, Thales Alenia Space, OHB sowie Airbus Defence & Space.
(red)