KI-Systeme sollen künftig offiziell im Namen von Menschen und Unternehmen handeln dürfen, mit klar definierten Rechten und Verantwortlichkeiten.
Die estnische Regierung arbeitet an einem Konzept für digitale Identitäten von KI-Agenten mit eigener Identifikationsnummer. Ein entsprechender Vorschlag wurde vom neu gegründeten Beratungsgremium Eesti.ai vorgestellt und von Ministerpräsident Kristen Michal unterstützt. Ziel ist es, künstlichen Intelligenzen künftig zu ermöglichen, im Namen von Bürgern, Unternehmen oder Behörden digitale Aufgaben zu übernehmen, allerdings nur innerhalb klar festgelegter Befugnisse.
Nach den Plänen soll jeder KI-Agent eine digitale Identität erhalten. Damit ließen sich Rechte und Verantwortlichkeiten präzise zuweisen und nachverfolgen. Der Ansatz soll verhindern, dass Nutzer einer KI uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Konten, Daten oder Verwaltungsdienste gewähren müssen.
Begrenzte Vollmachten für KI
Nach Vorstellung der Regierung könnten KI-Agenten künftig etwa Steuererklärungen vorbereiten, Berichte erstellen oder mit digitalen Verwaltungssystemen kommunizieren. Welche Aktionen erlaubt sind, soll sich granular festlegen lassen. So könnte ein Agent beispielsweise lediglich Informationen einsehen, Dokumente vorbereiten oder Zahlungen bis zu einem bestimmten Höchstbetrag veranlassen.
„Es muss klar sein, wer handelt, in wessen Namen gehandelt wird, welche Rechte bestehen und wer letztlich die Verantwortung trägt“, erklärte Ministerpräsident Michal.
Estland sieht darin eine Weiterentwicklung seiner bestehenden digitalen Infrastruktur. Das Land gilt als Vorreiter bei digitalen Behördendiensten und setzt seit Jahren auf elektronische Identitäten, digitale Signaturen sowie die staatliche Datenaustauschplattform X Road.
Anspruch auf einen internationalen Standard
Die Regierung betrachtet das Vorhaben als Chance, einen neuen Standard für die digitale Verwaltung im Zeitalter künstlicher Intelligenz zu etablieren. Sollte das Projekt umgesetzt werden, könnte Estland nach eigenen Angaben zu den ersten Staaten gehören, die KI-Agenten eine offiziell anerkannte digitale Identität verleihen.
Offen bleibt allerdings, wie eine solche Identität technisch umgesetzt werden soll. Bislang wurden weder ein Zeitplan noch konkrete rechtliche Rahmenbedingungen vorgestellt. Insbesondere Fragen der Haftung und Sicherheit dürften bei der weiteren Ausarbeitung eine wichtige Rolle spielen.
KI-Kompetenzen für die Bevölkerung
Parallel dazu treibt die Regierung Programme zur Förderung von KI-Kompetenzen voran. Im Rahmen der Initiative „Die KI kompetenteste Nation“ fanden zwischen April und Juni bereits 35 Workshops in sechs estnischen Städten statt. Rund 1.200 Menschen nahmen daran teil.
Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Teilnehmer auf 10.000 steigen. Geplant sind zudem weitere Schulungsangebote sowie ein Netzwerk aus Trainern und Partnerorganisationen.
(red)