Der Dresdner Smart Systems Hub hat gemeinsam mit der GETT Gerätetechnik GmbH aus Treuen ein praxisnahes Konzept für den digitalen Produktpass entwickelt und dabei erstmals bei Industriedisplays des Unternehmens eingesetzt.
Eine Datenschicht für den gesamten Produktlebenszyklus
Der digitale Produktpass, kurz DPP, wird von der EU schrittweise für immer mehr Produktgruppen verpflichtend eingeführt, um deren Umweltbelastung besser abschätzbar zu machen und die Kreislaufwirtschaft zu fördern
Im digitalen Produktpass werden produktbezogene Daten zu Nachhaltigkeit, Compliance und Lebenszyklus an einem zentralen Ort gesammelt, um Herkunft, Materialzusammensetzung und Verwendungsweise eines Produkts transparent nachvollziehbar zu machen. Als digitale Datenschicht legt sich der DPP dabei über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts und lässt sich je nach Ausgestaltung per QR-Code, NFC oder RFID abrufen, wobei Verbraucher, Hersteller und Servicepartner je nach Aufgabenbereich unterschiedliche Zugriffsrechte erhalten. Neben Herkunfts- und Materialdaten für die CO2-Bilanz eines Produkts umfasst der Produktpass auch Angaben zu Reparatur und Wartung sowie zur späteren Wiederverwertung und dem Recycling einzelner Komponenten am Ende der Nutzungsdauer.
Der mit GETT umgesetzte Produktpass für Industriepanels wurde zudem in das mobile Popup-Testbed des Smart Systems Hub integriert und ist seither als physischer Demonstrator erlebbar, mit Premiere auf der Hannover Messe 2026 im April. Die Partner legten bei der Umsetzung besonderen Wert auf Sicherheit und Compliance sowie die technische Anbindung an BaSyx-AAS sowie den Manufacturing-X-Datenraum. Als Ergebnis des gemeinsamen Pilotsprints kann GETT sowohl den konkreten Erstellungsaufwand als auch den Mehrwert eines eigenen Produktpasses unmittelbar einschätzen und Rückmeldungen von Anwendern und Partnerunternehmen einholen, um das Konzept künftig gezielt weiterzuentwickeln und auf weitere eigene Produkte auszuweiten.
Batteriepass ab Februar 2027 als erste verbindliche Frist
Rechtsgrundlage für den digitalen Produktpass ist auf europäischer Ebene vor allem die im März 2024 verabschiedete Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, kurz ESPR, ergänzt um produktgruppenspezifische Einzelregelungen wie den Cyber Resilience Act für vernetzte Produkte, Sicherheitsupdates und Softwarekomponenten. Die erste konkret feststehende Frist betrifft dabei Batterien:
Ab dem 18. Februar 2027 wird ein Batteriepass für Elektrofahrzeugbatterien, Batterien für leichte Transportmittel sowie Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 Kilowattstunden verbindlich, geregelt bereits über die separate EU-Batterieverordnung aus dem Jahr 2023. Der im April 2025 verabschiedete ESPR-Arbeitsplan benennt zudem Eisen und Stahl als erste im Rahmen der ESPR priorisierte Produktgruppe, mit einem für 2026 erwarteten delegierten Rechtsakt, gefolgt von Textilien, Reifen und Aluminium im Jahr 2027 sowie Möbeln im Jahr 2028. Für Spielzeug gilt bereits seit dem 1. Januar 2026 eine eigene, separate DPP-Pflicht.
Vorteile für Hersteller, Betreiber und Servicepersonal
Nach Einschätzung von Smart Systems Hub profitieren dabei mehrere Beteiligte gleichzeitig von einem funktionierenden Produktpass: Komponentenhersteller können regulatorische Anforderungen strukturiert erfüllen und benötigte Nachweise schneller bereitstellen, während Maschinenhersteller den Produktpass ihrer Maschinen direkt vor Ort zugänglich machen und in Drittsysteme für Monitoring oder Wartung integrieren können. Betreiber erhalten sämtliche relevanten Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg an einem Ort und gewinnen dadurch sowohl im laufenden Betrieb als auch bei der eigenen Nachweisführung mehr Sicherheit.
Servicemitarbeitende können zudem direkt vom Hersteller bereitgestellte Reparatur- und Wartungsinformationen abrufen und benötigte Ersatzteile leichter identifizieren, was die tatsächliche Nutzungsdauer eines Produkts insgesamt verlängern kann. Am Ende des Produktlebenszyklus liefert der Pass schließlich Informationen zur Materialzusammensetzung sowie Hinweise zur sicheren Demontage, was Sortierung und Verwertung ausgedienter Produkte erleichtert.
Auch wenn Hersteller außerhalb bereits regulierter Produktgruppen wie Batterien und Spielzeug derzeit noch nicht unmittelbar von einer DPP-Pflicht betroffen sind, empfiehlt Smart Systems Hub, bereits jetzt mit dem Aufbau der notwendigen Dateninfrastruktur zu beginnen, um Daten strukturiert, organisiert und sicher bereitstellen zu können, sobald die jeweiligen delegierten Rechtsakte der EU für die eigene Produktgruppe konkret in Kraft treten.
(red/Smart Systems Hub)