Digitale Zwillinge gelten als Schlüsseltechnologie für die Industrie von morgen. Doch vielen Unternehmen fehlen die nötigen Daten und eine leistungsfähige IT-Infrastruktur. Eine aktuelle Umfrage zeigt deutliche Lücken und wachsenden Handlungsdruck.
Hohe Erwartungen an digitale Zwillinge
Digitale Zwillinge sind für die Mehrheit der Industrieunternehmen ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit. 62 Prozent messen der Technologie eine große Bedeutung bei. Die Idee dahinter ist einfach und zugleich wirkungsvoll: Virtuelle Abbilder von Maschinen, Anlagen oder ganzen Fabriken ermöglichen Simulation, Überwachung und Optimierung in Echtzeit.
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Unternehmen können Prozesse präziser steuern, Wartungen frühzeitig planen und Produktionsausfälle vermeiden. Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsmodelle und Chancen für mehr Nachhaltigkeit.
Fehlende Daten als größtes Hindernis
Trotz der hohen Relevanz hapert es in der Praxis. 57 Prozent der Industrieunternehmen sehen fehlende Daten als zentrales Problem. Ohne ausreichend Echtzeitdaten können digitale Zwillinge ihr Potenzial nicht entfalten. Auch die IT-Infrastruktur wird zum Bremsklotz. 48 Prozent geben an, dass unzureichende technische Voraussetzungen den Einsatz digitaler Zwillinge erschweren oder sogar verhindern. Damit zeigt sich klar: Die Grundlage für die Technologie ist vielerorts noch nicht gelegt.
Mehrheit sieht sich als Nachzügler
Die Selbsteinschätzung der Unternehmen fällt entsprechend zurückhaltend aus. Nur 23 Prozent sehen sich in einer führenden Rolle. Demgegenüber stehen 60 Prozent, die sich als Nachzügler einordnen. Weitere 14 Prozent glauben sogar, den Anschluss bereits verpasst zu haben. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität verdeutlicht den Nachholbedarf in der deutschen Industrie.
Konkrete Vorteile klar erkannt
Dabei sind die Vorteile digitaler Zwillinge unbestritten. 79 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere vorausschauende Wartung und weniger ungeplante Stillstände. 58 Prozent sehen effizientere Produktionsprozesse und ebenso viele neue Geschäftsmodelle. Auch beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich großes Potenzial. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, dass sich Emissionen durch den Einsatz digitaler Zwillinge reduzieren lassen.
Mehr Offenheit und Förderung gefordert
Neben technischen Investitionen braucht es aus Sicht der Branche vor allem eines: mehr Daten und einen offeneren Umgang damit. Der Austausch von Informationen zwischen Unternehmen könnte die Entwicklung deutlich beschleunigen. Zugleich wird die Politik in die Pflicht genommen. Gefordert werden gezielte Förderprogramme, insbesondere für den Mittelstand, um den Einsatz von KI und digitalen Zwillingen voranzutreiben.
Fazit
Digitale Zwillinge sind kein Zukunftsthema mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Doch ohne Daten und moderne IT-Infrastruktur bleibt ihr Einsatz begrenzt. Die Industrie hat das erkannt, jetzt müssen die Rahmenbedingungen folgen.
Hinweis zur Methodik:
Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 6 2026 bis KW 11 2026 statt. Die Fragestellungen lauteten: „Inwieweit treffen die folgenden Aussagen Ihrer Meinung nach zu?“; „Wo steht Ihr Unternehmen generell beim Thema Digitale Zwillinge in der Produktion?“ und „Welche Bedeutung haben Digitale Zwillinge Ihrer Meinung nach für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen in der Zukunft?“.
(vp/Bitkom)