Ein neuer Bericht zeigt: Cyberkriminelle nutzen zunehmend IT-Dienstleister als Einfallstor, um Unternehmen und Industrie anzugreifen.
Angriffe auf die digitale Lieferkette haben sich zu einer der größten Gefahren für die Cybersicherheit entwickelt. Laut dem „Threat Status Report 2025/2026“ des IT-Sicherheitsdienstleisters aDvens nehmen Kriminelle verstärkt Softwarehersteller und externe IT-Partner ins Visier. Das Ziel: Über einen einzelnen kompromittierten Anbieter Zugriff auf zahlreiche Kundennetze oder ganze Branchen zu erlangen.
Die Angreifer nutzen dafür unbehobene Sicherheitslücken, manipulierte Komponenten oder unzureichend geschützte Fernwartungszugänge. Einmal im System, platzieren sie häufig bösartige Skripte (Webshells), um dauerhafte Hintertüren einzurichten. Das Risiko betrifft dabei längst nicht mehr nur die klassische Büro-IT, sondern greift zunehmend auf industrielle Produktionsumgebungen (OT) über. Andreas Süß, CEO DACH bei der aDvens GmbH, betont die Dringlichkeit der Lage:
„Cyberkriminelle machen sich immer häufiger die digitale Lieferkette zunutze, um Unternehmen zu kompromittieren. Deshalb sollten sich Unternehmen unbedingt darüber im Klaren sein, welche Partner auf ihre Systeme zugreifen, welche Berechtigungen sie besitzen und wie diese Zugriffe überwacht werden.“
Andreas Süß, CEO DACH bei der aDvens GmbH
Empfohlene Schutzmaßnahmen für Unternehmen
Um die Abhängigkeiten in der digitalen Lieferkette abzusichern, empfehlen Sicherheitsexperten ein mehrstufiges Schutzkonzept:
- Schnelles Patch-Management: Kritische Sicherheitslücken in öffentlich erreichbaren Systemen sollten idealerweise innerhalb von 72 Stunden geschlossen werden.
- Inventarisierung aller Dienstleister: Führen eines vollständigen Verzeichnisses sämtlicher Softwareanbieter, Cloud-Dienste und Fernwartungszugänge.
- Prinzip der minimalen Rechte: Dienstleistern nach dem Least-Privilege-Prinzip nur absolut notwendige Systemrechte einräumen und ungenutzte Konten konsequent löschen.
- Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA): Sämtliche Zugänge externer Partner verpflichtend mit einem zweiten Faktor absichern.
- Einsatz von Web Application Firewalls: WAFs sowie automatisierte Scans nutzen, um das Einschleusen von Webshells und verdächtigen Dateien zu verhindern.
- Netzwerksegmentierung: Klare Trennung von Produktions-, Verwaltungs-, Cloud- und OT-Netzen, um eine Querausbreitung im Schadensfall zu stoppen.
- Protokollierung und Tests: Aktivitäten privilegierter Konten kontinuierlich überwachen und regelmäßige Angriffssimulationen durchführen.
(aDvens/red)