Alibabas Open-Source-Modell Qwen verzeichnet über 3 Milliarden Downloads. Chinesische KI-Modelle hängen Meta und Google ab.
Das Open-Source-Modell Qwen des chinesischen Anbieters Alibaba hat nach Analysen der Entwicklerplattform Hugging Face die Marke von drei Milliarden Downloads innerhalb von sechs Monaten überschritten. Damit setzt sich das System an die Spitze der weltweiten Open-Source-Anwendungen und verweist US-Wettbewerber wie Google (418 Millionen Downloads) und Meta (227 Millionen Downloads) deutlich auf die Plätze.
Alibaba hat über die Qwen-Familie inzwischen mehr als 460 Einzelmodelle veröffentlicht, auf deren Basis weltweit über 300.000 abgeleitete Anwendungen entstanden sind. Hugging Face beschreibt Qwen als „eine der größten Grundlagen des offenen KI-Ökosystems. Qwen ist fester Bestandteil des Standard-Workflows von Entwicklern geworden.“
Auch bei den Modellgrößen übertreffen chinesische Open-Weight-Systeme die US-Konkurrenz: Während Spitzenmodelle aus China im Jahr 2026 Parametergrößen zwischen 754 Milliarden und 2,78 Billionen erreichten, lagen US-amerikanische Open-Source-Modelle in den meisten Monaten unterhalb der Schwelle von 130 Milliarden Parametern.
Führungsrolle beim globalen Token-Verbrauch und Ökosystem
Neben Alibaba drängen weitere chinesische Entwickler mit Hochleistungsmodellen auf den Markt. Moonshot AI stellte mit Kimi K3 ein quelloffenes Modell mit 2,8 Billionen Parametern vor, während Zhipu AI das Sicherheitsmodell GLM-5.3 und DeepSeek das Agenten-Framework Harness veröffentlichten.
Die Verbreitung schlägt sich auch im laufenden Betrieb nieder. Laut Auswertungen des Dienstes OpenRouter entfielen in der ersten Augustwoche 2026 rund 34,25 Billionen der weltweit verbrauchten 69 Billionen KI-Tokens auf chinesische Modelle. Damit behauptet China seit 15 Wochen in Folge den ersten Platz beim weltweiten Token-Verbrauch. Insbesondere in Schwellenländern kommen die vielsprachigen Modelle – Qwen unterstützt 119 Sprachen und Dialekte – in Bereichen wie Bildung, Landwirtschaft und Medizin zum Einsatz.
US-Unternehmen warnen vor Beschränkungen
Die stetig wachsende Dominanz chinesischer Open-Source-Architekturen führt zu Debatten in den USA. Führende US-Tech-Konzerne wie Nvidia, Microsoft, Meta, IBM und Cisco forderten die US-Politik in einer gemeinsamen Erklärung auf, offene Modell-Ökosysteme zu unterstützen und Überregulierungen zu vermeiden.
Zusätzlich wandte sich die Little Tech Association, ein Zusammenschluss von rund 200 Start-ups aus dem Silicon Valley, in einem offenen Brief an die US-Regierung, um sich gegen Einschränkungen bei der Nutzung chinesischer Open-Source-Modelle auszusprechen. Ein Verbot würde laut den Jungunternehmen die eigene Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
(red)