Laut einer SquareTrade-Studie werden deutsche Verbraucher häufiger Opfer von Online-Betrug als in jedem anderen untersuchten europäischen Land.
Eine europaweite Verbraucherstudie von SquareTrade Europe, einem Unternehmen der Allstate-Gruppe, zeigt, dass Deutschland unter den untersuchten großen europäischen Märkten, darunter Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich, am stärksten von Online-Betrug betroffen ist. Auffällig ist dabei, dass nicht ältere, sondern jüngere, digital vernetzte Verbraucher am häufigsten zum Ziel werden.
65 Prozent werden zu Opfern
46 Prozent der deutschen Verbraucher wurden bereits Ziel eines Online-Betrugsversuchs, wovon 65 Prozent tatsächlich zu Opfern wurden, die höchste Quote aller untersuchten Länder. Der durchschnittliche finanzielle Schaden lag bei 657 Euro pro Vorfall.
Meldung bei Behörden bringt wenig
Für viele Betroffene bringt eine Meldung des Vorfalls kaum etwas: Nur bei 27 Prozent der deutschen Betroffenen wurde der Fall vollständig gelöst, die niedrigste Klärungsquote aller untersuchten europäischen Märkte. 32 Prozent erhielten kein Geld zurück, bei 28 Prozent wurde die Beschwerde zwar zur Kenntnis genommen, blieb aber ohne weitere Maßnahmen.
Das Smartphone als Generalschlüssel
Digitaler Betrug beginnt der Studie zufolge häufig mit einem gestohlenen Telefon. Fast die Hälfte, 45 Prozent, der Deutschen, deren Online-Konten gehackt wurden, gibt an, dass alles begann, als ihr Smartphone in die falschen Hände geriet. 41 Prozent der Deutschen glauben zudem, dass KI Betrugsversuche schwerer erkennbar macht, 26 Prozent trauen sich kaum zu, einen echten Videoanruf von einem Deepfake zu unterscheiden. 12 Prozent haben bereits KI-generierte Anrufe erhalten, in denen eine bekannte Person imitiert wurde, und jeder Zehnte gibt an, dass das eigene Gesicht, die eigene Stimme oder Identität ohne Zustimmung von KI genutzt wurde, um andere zu betrügen.
Betrug über soziale Medien und Messaging
Über ein Drittel, 35 Prozent, aller Betrugsversuche in Deutschland geht auf soziale Medien und Messaging-Dienste zurück, mehr als doppelt so viel wie auf E-Mail mit 15 Prozent. Auf Marktplätze wie Depop, Vinted und eBay entfallen weitere 12 Prozent. 22 Prozent der deutschen Betrugsopfer bezahlten für Waren oder Dienstleistungen, die nie ankamen, 20 Prozent wurden dazu verleitet, Geld direkt an Betrüger zu überweisen, und 18 Prozent gaben persönliche Daten preis, die später für weiteren Betrug genutzt wurden.
Wenn junge Erwachsene zu Geldkurieren werden
Betrüger rekrutieren zunehmend junge Erwachsene, um gestohlenes Geld weiterzuleiten. Fast die Hälfte, 46 Prozent, der Deutschen zwischen 18 und 24 Jahren wurde bereits gebeten, das eigene Bankkonto gegen eine Zahlung oder einen Anteil an der Summe für solche Transaktionen zur Verfügung zu stellen, eine als Money Muling bezeichnete Praxis, die zu Strafverfolgung und einem Eintrag ins Führungszeugnis führen kann. 8,5 Prozent gaben an, dem zugestimmt zu haben, die höchste Quote in Europa, weitere 16 Prozent zogen es ernsthaft in Erwägung. Alex Wood, rehabilitierter Straftäter und heutiger Anti-Betrugs-Berater sowie Kampagnenpartner von SquareTrade, erklärt dazu:
„Betrugsmaschen sind heute ausgefeilter und schwerer zu erkennen als je zuvor. Ein Betrüger kann in wenigen Minuten einen gefälschten Shop einrichten, über Nacht die Website einer Bank klonen oder mit KI überzeugende Phishing-Nachrichten erstellen. Die Maschen, die deutsche Verbraucher am meisten kosten, funktionieren, weil sie echt wirken. Die Menschen handeln nicht leichtfertig – sie kaufen ein, bezahlen und reagieren auf Nachrichten genau so, wie sie es normalerweise tun. Kriminelle haben gelernt, alltägliches digitales Verhalten als Waffe zu nutzen.“
Alex Wood, rehabilitierter Straftäter und heutiger Anti-Betrugs-Berater sowie Kampagnenpartner von SquareTrade
Emotionale Folgen für Betroffene
Über die finanziellen Verluste hinaus geben deutsche Opfer fast ebenso häufig sich selbst die Schuld, 34 Prozent, wie der Person, die sie betrogen hat, 39 Prozent. 26 Prozent fühlen sich dumm oder naiv, 21 Prozent schämen sich dafür. 28 Prozent berichten zudem, dass allein der Zeitaufwand für die Lösung des Problems den Schaden weiter vergrößert habe. 66 Prozent der deutschen Verbraucher sind daran interessiert, ein Produkt für digitalen Schutz zu erwerben.
(red/SquareTrade)