Deutsche Nutzer installieren Software-Updates vergleichsweise konsequent, gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber häufigen Änderungen.
Eine UserTesting-Umfrage unter 1.003 Personen zeigt, dass vor allem veränderte Bedienoberflächen, verlorene Funktionen und neue KI-Features für Vorbehalte sorgen.
Updates gehören für viele zum Alltag
44 Prozent der Befragten hatten innerhalb der vergangenen sieben Tage ein manuelles Update auf einem Smart-Gerät durchgeführt. Weitere 31 Prozent hatten dies innerhalb der letzten vier Wochen getan. Damit aktualisieren deutsche Nutzer ihre Software häufiger als die in der Untersuchung betrachteten Vergleichsgruppen.
Zum Vergleich: In Großbritannien hatten 48 Prozent der Befragten ihre Smartphone-Software innerhalb des vergangenen Monats aktualisiert. In Australien lag der Anteil bei 49 Prozent, in den USA bei 45 Prozent.
Die hohe Bereitschaft zur Aktualisierung bedeutet allerdings nicht, dass Nutzer mit der Entwicklung rund um Software-Updates zufrieden sind.
Häufige Aktualisierungen stoßen auf Widerstand
Für die Hälfte der deutschen Befragten erscheinen neue Software-Versionen zu häufig. 43 Prozent empfinden bereits mehr als ein Update pro Monat als zu viel.
Hinzu kommen praktische Gründe, weshalb Aktualisierungen aufgeschoben werden. Die Hälfte der Befragten gab an, verfügbare Updates schlicht zu vergessen. 16 Prozent haben nach eigenen Angaben keine Zeit für die Installation. Knapp ein Viertel befürchtet außerdem, dass eine neue Version schlechter funktionieren könnte als die bisherige.
Zu den konkreten Sorgen gehören unter anderem veränderte Einstellungen und neue Funktionen, die Nutzer nicht ausdrücklich gewünscht haben. Dabei spielen auch KI-Funktionen eine Rolle.
Neue Versionen können die gewohnte Bedienung verändern
Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt in den Folgen von Updates für die tägliche Nutzung. Mehr als die Hälfte der Befragten hat bereits erlebt, dass nach einer Aktualisierung bekannte Funktionen nicht mehr verfügbar waren.
Auch kleinere Änderungen können die Orientierung erschweren. Werden Schaltflächen verschoben, Funktionen umbenannt oder Abläufe verändert, reagieren 48 Prozent mit Verwirrung. 28 Prozent empfinden solche Veränderungen als ärgerlich, weitere 20 Prozent berichten von Stress.
Die Eingewöhnung kann entsprechend Zeit benötigen. 39 Prozent der Befragten benötigen nach einem größeren Update mehrere Tage, um sich wieder sicher mit ihrem Gerät zu fühlen. Bei knapp zehn Prozent dauert die Anpassung sogar mehrere Wochen.
Astrid Pocklington, Senior Regional Marketing Manager bei UserTesting, sieht hier vor allem Defizite bei der Einbindung der Nutzer: „56% der Deutschen haben nach einem Update schon Funktionen vermisst, die sie vorher kannten und mochten. Das ist frustrierend für die Nutzer. Tatsächlich wurzeln solche Probleme oft in mangelnder Kommunikation und mangelnden Nutzereinblicken auf Herstellerseite.“
Misstrauen gegenüber der Produktentwicklung
Die Skepsis reicht teilweise über die konkrete Bedienung hinaus. 39 Prozent der Befragten vermuten, dass Entwickler Anwendungen und Software bewusst verschlechtern, um Nutzer zu kostenpflichtigen Funktionen oder Upgrades zu bewegen. Weitere 26 Prozent halten dieses Vorgehen zumindest für möglich.
Auch die grundsätzliche Entwicklung digitaler Produkte wird kritisch betrachtet. 27 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass Smart-Geräte in den vergangenen zehn Jahren schwieriger zu bedienen geworden sind. 45 Prozent wünschen sich die einfachere Bedienung früherer Technologien zurück.
Hinzu kommt die Wahrnehmung, dass sich Software zunehmend an jüngere Zielgruppen richtet. 46 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Technologieunternehmen ihre Produkte vor allem für jüngere Nutzer entwickeln.
Nicht alle Zielgruppen fühlen sich berücksichtigt
Aus Sicht von UserTesting zeigt sich damit ein Spannungsfeld: Nutzer installieren Updates zwar regelmäßig, müssen sich anschließend aber häufig an veränderte Funktionen und Bedienkonzepte gewöhnen.
„Viele Nutzer haben das Gefühl, durch Updates von der Produktentwicklung abgehängt zu werden“, sagt Pocklington. Aus ihrer Sicht könnten Hersteller durch gezielte Nutzerforschung bereits vor der Veröffentlichung erkennen, welche Veränderungen für unterschiedliche Zielgruppen problematisch sein könnten.
Ein weiterer Punkt betrifft die Nutzungsbedingungen. 37 Prozent der Befragten überfliegen diese lediglich, bevor sie zustimmen. 32 Prozent lesen sie überhaupt nicht. Weitere sieben Prozent versuchen zunächst, die Zustimmung abzulehnen, scheitern damit nach eigenen Angaben jedoch meist.
Die Ergebnisse zeichnen damit ein ambivalentes Bild: Software-Updates werden von vielen deutschen Nutzern regelmäßig installiert, gleichzeitig besteht ein deutlicher Wunsch nach Stabilität und vertrauter Bedienung. Für Hersteller bedeutet das, dass technische Weiterentwicklung und eine möglichst verständliche Nutzerführung miteinander in Einklang gebracht werden müssen.
(red/UserTesting)