BMW lässt seine Fahrzeugsoftware seit über zwei Jahren von einer KI-Plattform namens CodeRabbit gegenprüfen. Nun baut das Tool seine Fähigkeiten aus: Statt nur Code zu reviewen, soll es künftig auch selbstständig Änderungen priorisieren, überwachen und mit Coding-Agenten korrigieren lassen.
Mehr als 1.000 Software-Entwickler der BMW Group nutzen weltweit die Plattform CodeRabbit, um Code-Änderungen vor deren Freigabe automatisiert prüfen zu lassen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von BMW und CodeRabbit vom 12. August 2026 hervor. Die Kooperation der beiden Unternehmen besteht demnach bereits seit mehr als zwei Jahren. Zeitgleich beteiligt sich die BMW-Investmentsparte BMW i Ventures an einer Series-C-Finanzierungsrunde von CodeRabbit über 143 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen mit 1,5 Milliarden US-Dollar bewertet.
Was CodeRabbit macht
CodeRabbit bietet eine KI-gestützte Plattform zur Prüfung von Code-Änderungen, bevor diese freigegeben und veröffentlicht werden. Die Software soll dabei Qualitäts-, Sicherheits- und Zuverlässigkeitsprobleme erkennen, und zwar unabhängig davon, ob der Code von einem menschlichen Entwickler oder einem KI-Modell stammt. Dabei bezieht das Tool laut Hersteller den Kontext des bestehenden Software-Repositories, zugehöriger Tickets, der Projekthistorie, unternehmensspezifischer Standards sowie isolierter Testergebnisse mit ein.
Der Hintergrund: Da immer mehr Code von KI-Systemen generiert wird, benötigen Entwicklungsteams laut CodeRabbit skalierbare Wege, um diese Änderungen zu bewerten und zu verwalten. Die eigentliche Freigabeentscheidung soll dabei stets bei einem menschlichen Reviewer verbleiben.
Wie BMW das Tool einsetzt
Laut BMW beschleunigt der Einsatz der KI die Softwareentwicklung für Fahrzeuge spürbar. „Durch die Reduzierung des Zeit- und Arbeitsaufwands für Code-Reviews gewinnen unsere Teams zudem mehr Zeit für die Entwicklung neuer und innovativer Softwarefunktionen für unsere Kunden“, wird Georg Baetz, Head of Electrical and Electronic Integration and Validation Driving Experience bei der BMW Group, in der Mitteilung zitiert.
Expansion nach Europa und Asien
CodeRabbit wächst parallel zur Finanzierungsrunde auch geografisch. Das Unternehmen hat kürzlich ein Büro im Londoner Stadtteil Moorgate eröffnet und beschäftigt mittlerweile 50 Vollzeitmitarbeiter in Großbritannien und der EU, darunter sechs in Deutschland. Zu den Kunden im DACH-Raum zählen neben BMW auch Trivago. Weitere Märkte in Europa sowie in Japan und anderen Teilen Asiens sollen folgen.
Nach eigenen Angaben ist der Umsatz von CodeRabbit binnen eines Jahres um mehr als das Fünffache gewachsen. Das Unternehmen führt inzwischen wöchentlich mehr als zwei Millionen Code-Reviews durch und zählt über 17.000 Kunden und Open-Source-Projekte.
Vom Code-Review zum „Agentic Change Management“
Mit dem frischen Kapital will CodeRabbit sein Angebot über die reine Codeprüfung hinaus erweitern. Unter dem Namen Agentic Change Management entwickelt das Unternehmen ein System, das Softwareänderungen von menschlichen Entwicklern und KI-Agenten gleichermaßen einordnen, priorisieren und überwachen soll, auch nachdem der Code bereits ausgeliefert wurde.
Werden dabei potenzielle Probleme erkannt, sollen Coding-Agenten diese eigenständig beheben und einen erneuten Review anstoßen können. Die endgültige Entscheidung soll aber weiterhin bei einem menschlichen Reviewer liegen.
„Code-Änderungen entstehen heute in der gesamten Softwareorganisation, von Entwicklern, nichttechnischem Personal, Coding-Agenten, Issue-Trackern, Support-Systemen und Produktionswarnungen“, sagte Harjot Gill, Mitgründer und CEO von CodeRabbit. Man habe KI-Code-Reviews eingeführt, um Teams eine unabhängige Prüfinstanz zu geben; Agentic Change Management solle diese Ebene nun erweitern.
Insbesondere für große, regulierte Softwareorganisationen könne eine solche unabhängige Prüfschicht sinnvoll sein, da sie unternehmenseigene Standards mit Governance-, Sicherheits-, Compliance- und Audit-Anforderungen verbinde, die für eine zuverlässige Softwareauslieferung im großen Maßstab nötig seien.
(red)