Stabilität vor Autonomie

Chinas Renn-Roboter soll jetzt richtig arbeiten

Roboter

Der humanoide Roboter TianGong Ultra lief schneller als Usain Bolt. Nun soll aus der Rekordzeit alltagstaugliche Zuverlässigkeit werden.

Bei den World Humanoid Robot Games sorgte der humanoide Roboter TianGong Ultra für Aufsehen: Er lief die 100 Meter in 8,64 Sekunden und war damit fast eine Sekunde schneller als der Weltrekord des früheren Sprinters Usain Bolt. Entwickelt wurde der Roboter am Beijing Humanoid Robot Innovation Centre, bekannt als X-Humanoid, unter der Leitung des 34-jährigen Ingenieurs Jack Guo, der dort auch das kleinere Modell Omni betreut, das bei 400-Meter-Rennen eingesetzt wird. Wie Reuters berichtet, verfolgt Guo bereits kurz nach dem Rekordlauf ein neues Ziel: die Geschwindigkeit des Roboters in zuverlässige Bewegungsabläufe für den Arbeitsalltag zu übersetzen.

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8.64 Seconds! Robot shatters 100m record again

Von der Rennstrecke zur Fabrikhalle

X-Humanoid mit Sitz im Pekinger Technologiebezirk Yizhuang wurde im November 2023 gegründet und wird von staatlichen sowie privaten Investoren getragen, darunter der Robotikhersteller UBTech sowie die Technologiekonzerne Xiaomi und Baidu. Das Unternehmen entwickelt Hardware, Bewegungssteuerungssoftware und KI-Systeme für die Branche und vermarktet zugleich eigene Roboter, ohne bislang Verkaufs- oder Einsatzzahlen zu veröffentlichen. Zu den Kunden zählen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die industrielle Anwendungen erproben. Im Motorenwerk von Foton Cummins in Peking wurde laut Reuters bereits das Modell Tianyi 2.0 getestet, das Kisten mit einem Gewicht von 8 bis 12 Kilogramm in Regale einräumte – nach Angaben des Werks ein frühes Erprobungsstadium.

Stabilität vor Autonomie

Guo vergleicht den heutigen Stand humanoider Roboter mit den Anfängen des Automobils: Zunächst müsse die Steuerung beherrschbar gemacht werden, bevor zuverlässige Körper mit leistungsfähigerer KI für komplexere, eigenständige Aufgaben kombiniert werden könnten. Die unmittelbare Herausforderung sieht er darin, Roboterkörper und Bewegungssteuerung für den Alltagseinsatz stabil zu machen; die KI für komplexere autonome Aufgaben werde hingegen mehr Zeit benötigen. Das kleinere Modell Omni habe in einem internen Test in diesem Jahr bereits vom ersten bis zum 17. Stock der Firmenzentrale steigen können.

Guo rechnet damit, dass kleinere humanoide Roboter zunächst in Dienstleistungen und der Leichtindustrie eingesetzt werden könnten, während Ultra langfristig für Arbeiten im Freien wie Inspektionen oder Rettungseinsätze infrage komme. Eine zentrale technische Hürde bleibe das Bremsen: Ultra wiegt 75 Kilogramm und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 17 Metern pro Sekunde. Bei den Spielen liefen die Roboter im Ziel gegen eine Absperrung, da die Auslaufzone zu kurz für ein kontrolliertes Abbremsen war.

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Wochenlange Vorbereitung mit Rückschlägen

Für den Wettkampf reiste Ultra mit drei zuvor in Simulationen trainierten Laufprogrammen an. In den Vorläufen und im Finale kamen jeweils unterschiedliche Programme zum Einsatz, mit Zeiten von 9,39 Sekunden im Vorlauf, 8,86 Sekunden im Halbfinale und schließlich 8,64 Sekunden im Finale. Zwischen den Rennen arbeiteten die Ingenieure laut Reuters teils die ganze Nacht durch, um schnellere Programme zu testen und Steuerung sowie Navigation anzupassen. Bei den Tests am Limit stürzten Roboter wiederholt oder verloren das Gleichgewicht, sodass Ersatzmaschinen einspringen mussten, während beschädigte Modelle repariert wurden. In früheren Entwicklungsphasen seien die Ausfälle noch deutlich gravierender gewesen, sagte Guo: „Beine sind gebrochen, Hüften sind gebrochen.“ Er schilderte zudem seine Erleichterung nach dem geglückten Finallauf:

„Als es glatt losging und die 50-Meter-Marke geschafft war, konnte ich mich endlich entspannen.“

Jack Guo, Ingenieur

(red)

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