Öffnet in einem neuen Tab
Nach nur fünf Jahren

Chatbot-Plattform Character.AI meldet Insolvenz an

Hohe Kosten und Klagen: Die Chatbot-Plattform Character.AI meldet Insolvenz an. Teile der Technik gehen für 20 Mio. Dollar an Disney.

Chatbot-Plattform Character.AI meldet Insolvenz an
Bildquelle: Robert Way/Shutterstock.com

Die Chatbot-Plattform Character.AI hat Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Nach zahlreichen Klagen und anhaltenden Problemen bei der Skalierung verkauft das Unternehmen Teile seiner Technologie an Disney.

Nur fünf Jahre nach der Gründung hat das Startup Character.AI, dessen Plattform Nutzern das Erstellen und Interagieren mit individuellen KI-Charakteren ermöglicht, in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. In den Gerichtsunterlagen beziffert das Unternehmen sowohl seine Vermögenswerte als auch seine Verbindlichkeiten auf jeweils zwischen 50 und 100 Millionen US-Dollar.

„Im vergangenen Jahr hat Character.ai erhebliche Schritte unternommen, um das Geschäft angesichts starken juristischen, regulatorischen und operativen Gegenwinds zu stabilisieren. Nach einer umfassenden Prüfung der Alternativen hat das Board entschieden, dass dieser gerichtlich überwachte Verkaufsprozess die beste Möglichkeit bietet, den maximalen Wert für alle Stakeholder zu sichern.“
Colin Adams, CEO von Character.AI

Teilverkauf an Disney für 20 Millionen Dollar

Das Startup hat sich bereits darauf geeinigt, bestimmte Vermögenswerte für 20 Millionen US-Dollar an Disney zu verkaufen. Zudem erhält der Unterhaltungskonzern eine unbefristete, nicht-exklusive Lizenz für die Technologie. Ehemalige Character.AI-Mitarbeiter, die zusammen mit dem früheren CEO Karandeep Singh Anand bereits im Vormonat zu Disney wechselten, sollen bei der Übergabe unterstützen.

Der Plattformbetrieb soll während des Verkaufsprozesses vorerst weiterlaufen. Ein Angebot für das verbleibende Gesamtunternehmen oder die Plattform selbst liegt bisher jedoch nicht vor. Findet sich bis zum Abschluss des Verfahrens Ende November oder Anfang Dezember kein Käufer, droht Character.AI die endgültige Einstellung des Dienstes.

Anzeige

Vom Milliarden-Hype in die Krise

Gegründet Ende 2021 von den ehemaligen Google-Entwicklern Noam Shazeer und Daniel De Freitas, stieg Character.AI rasant auf. Bereits im September 2022 erreichte das Unternehmen nach einer 150-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde Unicorn-Status. Im August 2024 schloss Google dann einen 2,7-Milliarden-Dollar-Lizenzdeal ab, woraufhin Shazeer und De Freitas zum Suchmaschinenriesen zurückkehrten. Character.AI stellte daraufhin das Training eigener Basismodelle ein und konzentrierte sich ganz auf das Nutzerwachstum, das im Herbst 2024 rund 20 Millionen monatlich aktive Nutzer erreichte.

Schwere Rückschläge folgten durch Klagen und behördliche Prüfungen, nachdem die Mutter eines 14-Jährigen aus Florida dem Chatbot eine Mitschuld am Suizid ihres Sohnes vorwarf. Das Unternehmen sperrte daraufhin Minderjährige aus und verschärfte die Sicherheitsregeln. Trotz neuer Formate wie KI-Videogenerierung und interaktiven Storys gelang es dem Startup nicht, ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen.

Der Fall verdeutlicht das zentrale Dilemma verbraucherorientierter KI-Angebote: Hohe Nutzungszeiten treiben die immensen Rechenkosten weiter in die Höhe, während sich die Monetarisierung im Massenmarkt oft als kaum tragfähig erweist. Insgesamt hatte das Unternehmen über 193 Millionen Dollar an Risikokapital eingesammelt.

(red)

Anzeige
Anzeige