Eine Studie im Auftrag des Branchenverbands CCIA schätzt die Kosten des geplanten Cloud and AI Development Act sechsmal höher als die EU-Kommission.
CADA: US-Tech-Verband beziffert Kosten auf 115 Milliarden

Der geplante Cloud and AI Development Act (CADA) der EU könnte innerhalb von zehn Jahren Kosten von 115 Milliarden Euro verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Brüsseler Denkfabrik ECIPE im Auftrag von CCIA Europe. Zu den Mitgliedern des Branchenverbands gehören unter anderem Amazon, Google und Meta. Die Kosten entstünden demnach, wenn Behörden und Unternehmen Workloads in andere Cloud-Umgebungen verlagern und Software umschreiben müssen. Die Summe ist mehr als sechsmal so hoch wie die obere Schätzung der EU-Kommission.
80 Milliarden aus einem Szenario
Rund 80 Milliarden Euro der Gesamtsumme entfallen auf ein Szenario, in dem die Souveränitätsvorgaben auf 25 Prozent der Cloud-Workloads in wichtigen Branchen der Privatwirtschaft ausgeweitet werden. Die Studie bezieht sich dabei auf Artikel 31 des Gesetzentwurfs. Er könnte es der Kommission laut CCIA ermöglichen, die Anforderungen auf wesentliche private Dienste auszudehnen. 69 Prozent der geschätzten Kosten entfallen auf das Umschreiben und die Neuarchitektur von Software.
Luxemburg am stärksten belastet
Am höchsten wären die Kosten laut Studie in Luxemburg mit 1.711 Euro pro Beschäftigtem über zehn Jahre. Es folgen Dänemark mit 905 Euro, Österreich mit 900 Euro, Finnland mit 864 Euro und Irland mit 856 Euro. In Irland haben mehrere US-Technologiekonzerne ihren Europasitz.
„Die Mitgliedstaaten können sich bei ihrer Entscheidung über die strengen Souveränitätsanforderungen des CADA für Cloud- und KI-Anbieter nicht auf die unvollständigen Schätzungen der Kommission verlassen.”
Mitchell Rutledge, Policy Manager bei CCIA Europe
Die offizielle Folgenabschätzung habe 70 Prozent der tatsächlichen Auswirkungen übersehen.
Forderung nach risikobasierten Vorgaben
CCIA fordert die EU-Staaten auf, den Gesetzentwurf zu überarbeiten. Souveränitätsvorgaben sollten auf sensible Workloads beschränkt werden. Anforderungen, die an die Herkunft eines Unternehmens oder die Staatsangehörigkeit des Personals anknüpfen, sollten durch risikobasierte technische Schutzmaßnahmen ersetzt werden.
Der Cloud and AI Development Act soll die Kapazität der Rechenzentren in der EU erhöhen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern verringern. Amazon, Google und Microsoft kontrollieren rund 70 Prozent des europäischen Cloud-Markts. Mehrere US-Anbieter bieten inzwischen eigene Angebote für europäische Datensouveränität an, mit denen Kunden mehr Kontrolle über ihre Daten erhalten sollen.
(red)




