Anthropic und OpenAI bauen sich parallel eigene Vertriebs- und Beratungsstrukturen, um ihre Sprachmodelle direkt in Unternehmensprozesse zu integrieren.
Der Markt für die Einführung generativer KI in Unternehmen wird gerade neu verteilt. Anthropic hat am Montag gemeinsam mit Blackstone, Hellman & Friedman und Goldman Sachs eine eigenständige Firma für KI-Dienstleistungen gegründet. Nur wenige Stunden zuvor wurde bekannt, dass OpenAI an einem ähnlich gelagerten Vehikel mit dem Namen The Development Company arbeitet.
Die beiden Vorhaben unterscheiden sich vor allem in der Dimension:
- Anthropic-Joint-Venture: rund 1,5 Milliarden US-Dollar Gesamtvolumen
- Beiträge der Hauptgesellschafter: je etwa 300 Millionen US-Dollar von Anthropic, Blackstone und Hellman & Friedman
- Weitere Anthropic-Investoren: Apollo Global Management, General Atlantic, GIC, Leonard Green, Sequoia Capital
- OpenAI-Vehikel „The Development Company“: 4 Milliarden US-Dollar von 19 Investoren bei 10 Milliarden US-Dollar Bewertung
- OpenAI-Investoren: unter anderem TPG, Brookfield Asset Management, Advent, Bain Capital
Direkter Draht in Portfoliounternehmen
Auffällig ist, woher das Kapital stammt. Statt klassischer Tech-Investoren stehen alternative Vermögensverwalter im Mittelpunkt, die hunderte Beteiligungen in unterschiedlichen Branchen halten. Diese Portfoliounternehmen werden zur ersten Kundengruppe. Anthropic begründet den Schritt mit der Marktdynamik. „Die Nachfrage von Unternehmen nach Claude übersteigt deutlich, was über ein einzelnes Liefermodell abgedeckt werden kann“, sagt Finanzchef Krishna Rao. Die neue Firma bringe zusätzliche Betriebskapazität ins Ökosystem.
Zielgruppe sind ausdrücklich nicht die Großkonzerne, die Anthropic bereits über Beratungspartner bedient, sondern der Mittelstand. Im Blogbeitrag nennt das Unternehmen Beispiele wie Regionalbanken, mittelständische Hersteller und regionale Gesundheitssysteme, denen es an internen Ressourcen für eigene KI-Implementierungen mangle.
Forward-Deployed Engineers als Geschäftsmodell
Methodisch lehnt sich der Ansatz an das Forward-Deployed-Engineer-Modell an, das Palantir seit Jahren verfolgt. Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten direkt beim Kunden, statt fertige Software zu verkaufen. Anthropic illustriert das am Beispiel eines Verbunds aus Arztpraxen. Mediziner verbrächten täglich Stunden mit Dokumentation, Abrechnungscodes und Vorabgenehmigungen. Ein Projekt könne damit beginnen, dass das Engineering-Team sich mit Klinikpersonal und IT-Mitarbeitern zusammensetzt, um Werkzeuge zu bauen, die in bestehende Arbeitsabläufe passen.
Eine Besonderheit nennt Anthropic explizit als Vorteil. Da sich Claudes Fähigkeiten teilweise im Wochenrhythmus ändern, soll das neue Unternehmen direkt mit den Forschungs- und Produktteams von Anthropic verzahnt werden. Damit positioniert sich das Joint Venture in einem Markt, den Beratungshäuser wie Accenture, Deloitte oder PwC bisher dominieren. Anthropic stellt seine neue Tochter offiziell nicht als Konkurrenz dar, sondern als Ergänzung des bestehenden Claude Partner Network, dem die Firma ebenfalls beitreten wird.