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ePA

Das große Digitalisierungsprojekt des deutschen Gesundheitswesens, die elektronische Patientenakte (ePA), hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Zum 1. Juli müssen alle Arztpraxen an die digitale Telematik-Infrastruktur des Gesundheitswesens (TI) angeschlossen sein.

Nach Auskunft der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sind «nahezu alle Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten» an die TI angeschlossen, die einen sicheren und schnellen Datenaustausch im Gesundheitswesen ermöglicht.

Der Teufel bei der ePA-Einführung liegt allerdings im Detail. Um die digitale Akte nutzen zu können, brauchen die Praxen nämlich noch ein Update für ihren Konnektor. Das ist ein Stück Hardware, das sie mit der geschützten TI verbindet. «Am Markt gibt es drei Hersteller, einer davon bietet derzeit das notwendige, zertifizierte Update an», sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Bei den anderen beiden sei die Aktualisierung angekündigt. Hier sei es aber fraglich, ob es für die Praxen fristgerecht verfügbar sein werde.

So kann es noch einige Wochen dauern, bis tatsächlich alle Arztpraxen die elektronische Patientenakte befüllen können. Das können digitale Röntgenbilder oder andere Dokumente sein, Arztbriefe, Befunde oder Medikationspläne. Auch das geplante E-Rezept landet dann in der ePA-Cloud. Die rosafarbenen Rezepte, mit denen bislang Arzneimittel verschrieben werden, gehören nämlich bald der Vergangenheit an.

Dazu startet ebenfalls zum 1. Juli ein Pilotversuch in Berlin und Brandenburg: Rund 50 Arztpraxen und 120 Apotheken werden das neue digitale E-Rezept testen und bewerten. Das E-Rezept erleichtere in der Arztpraxis den Ablauf, sagt Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der mehrheitlich dem Bund gehörenden Gematik GmbH, die für den Aufbau eines sicheren Gesundheitsdatennetzes verantwortlich ist. «Wir wissen aus der Pilotphase, dass auch für die Arzthelferin das Management als E-Rezept eine Zeitersparnis bedeutet. Für den Patienten bedeutet es häufig, bestimmte Wege gar nicht gehen zu müssen.»

Der Charité-Chef betonte, die Situation bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens sei «kein Ruhmesblatt für unser Land». «Dabei helfen keine einseitigen Schuldzuweisungen», es habe am Datenschutz gelegen oder Blockaden unterschiedlicher Parteien gegeben. «Viele Faktoren haben in der Summe dazu geführt, dass wir da sind, wo wir heute sind.» Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens dringend notwendig sei. «Zum einen zwingt uns die demografische Entwicklung dazu: In den kommenden acht Jahren werden so viele Fachkräfte in der Medizin in den Ruhestand gehen, dass wir ohne eine konsequente Digitalisierung die Leistungen, die in Deutschland selbstverständlich sind, auf gar keinen Fall aufrechterhalten können. Wir können uns nicht mehr leisten, dauernd Doppeluntersuchungen zu machen.»

Kroemer verwies außerdem auf die «neue Konkurrenz, die über das Internet und Gesundheits-Gadgets virtuell mit am Tisch sitzt». «Eine Apple Watch zum Beispiel kann mit einer Art EKG feststellen, ob ein Patient Vorhofflimmern, eine häufige Herzrhythmusstörung, hat oder nicht. An so einer Diagnose hängen bislang drei Arbeitsplätze in einem Krankenhaus wie der Charité: ein Arzt, eine Pflegekraft und eine Verwaltungskraft.» Man werde Apple nicht unmittelbar Konkurrenz machen können. «Aber schon wenn wir mit solchen Anbietern im Sinne einer Systempartnerschaft zusammenarbeiten wollen würden, dann funktioniert das natürlich nur, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen können.» Das setze voraus, dass die Krankenhäuser weitestgehend digitalisiert sind, was oft noch nicht der Fall sei.

Der Ausgangspunkt an der Charité sei allerdings nicht schlecht, sagte Kroemer. «Wir sollten unsere digitalen Anstrengungen stark verbessern. Player wie Amazon und Apple verfügen ausschließlich über den digitalen Teil und haben die Hardware - im Sinne personell und apparativ ausgestatteter Krankenhäuser - nicht, über die wir wiederum verfügen.» Der Schlüssel für zukünftigen Erfolg werde darin liegen, beide Aspekte zu verknüpfen. «Das heißt, wir haben durchaus die Möglichkeit, langfristig wettbewerbsfähig zu sein.»

dpa


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