Anzeige

Darknet

Auf den ersten Blick wirkt die Suchmaske ziemlich unspektakulär: Die Suchergebnisse lassen sich nach Sprache, Stichwörtern oder Region filtern. Doch der «Dark Web Monitor» zeigt eben auch Seiten an, die gerade gar nicht online sind und markiert, welche Seiten wahrscheinlich illegal sind.

«Ein sehr signifikanter Anteil aller Darknet-Seiten ist darin erfasst», erzählt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZBC), während er durch die Suchergebnisse scrollt.

Für die Ermittler ist das eine kleine Sensation. Denn im sogenannten Darknet werden Waren und Leistungen wie Drogen, Waffen und Bilder von Kindermissbrauch anonym angeboten - und sogar Mordaufträge. Aber einen richtigen Überblick hatte bisher keiner. Eine vergleichbare Suchmaschine wie Google gibt es für das Darknet nicht, weil viele Nutzer gar nicht gefunden werden möchten. «Seiten im Darknet tauchen auf und verschwinden wieder. Oder sie erscheinen plötzlich unter ganz anderen Domainnamen», erklärt der Oberstaatsanwalt.

Cyberkriminelle sind den Ermittlern eigentlich immer einen Schritt voraus - allein weil die Staatsanwaltschaft erst eingreifen kann, wenn es zumindest einen Anfangsverdacht für konkrete Taten gibt. Doch dann müssen sie die Kriminellen toppen. «Das ist das Ziel. Deshalb haben wir überprüft: Wo ist unsere Lücke?», sagt Goger. «Wir konnten bislang nicht vernünftig recherchieren, was im Darknet passiert.» Mit dem «Dark Web Monitor» als eine Art Suchmaschine und Archiv für das Darknet soll sich das nun ändern.

Ein schwieriges Unterfangen - nicht nur aus technischer Sicht. «Cyberkriminalität ist ein sprudelndes Becken», räumt Goger ein. «Betrüger schauen immer, wie sie sich am besten verkaufen können.» Dementsprechend passen sie ihre Strategie an, wie die Corona-Krise geradezu exemplarisch zeigt. «Wenn sie einen Fake-Shop im April, Mai eröffnet haben, haben sie keine Kaffeemaschinen angeboten, sondern Desinfektionsmittel oder Masken.»

Die Liste der Corona-Betrugsmaschen ist lang: Erpresser drohen in E-Mails, die Familie mit dem Coronavirus zu infizieren. Betrüger versuchen, über Links zu angeblichen Impfstoffen Schadsoftware zu verbreiten oder sensible Daten mit Fake-Seiten für Soforthilfen zu ergaunern. «Unsere Staatsanwälte haben bislang mindestens 1145 Verfahren wegen Corona-Betrugs eingeleitet», teilte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) auf Nachfrage mit. Nicht alle Verbrechen sind im Netz passiert - aber wohl der Großteil.

«Die Täter bekommen natürlich mit, dass es immer mehr Ermittlungserfolge gibt», meint Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern. «Sie sehen beispielsweise, dass wir Ermittler mit Bitcoins umgehen können. Jetzt nutzen sie deshalb verstärkt alternative Kryptowährungen wie zum Beispiel Monero.»

Mit solchen Kryptowährungen bezahlen Cyberkriminelle auch Leute, die die Arbeit im Darknet für sie übernehmen. «Diese "Crime as a Service" genannte Entwicklung führt dazu, dass die Auftraggeber von schweren Cyberdelikten noch schwerer gefunden werden können», berichtet Cornelius Granig, der als IT-Experte Unternehmen im Bereich Cyberkriminalität berät.

Durch internationale Arbeitsteilung, modernste Technologien und ständig wechselnden Seiten fühlen sich Cyberkriminelle im Darknet offenbar nach wie vor geschützt - trotz aller Ermittlungserfolge und «virtuellen Streifenfahrten» der Polizei. «Eine "Ausweichstrategie" der Straftäter ist hier nicht zu erkennen», räumt ein Sprecher des Landeskriminalamts ein.

Also kein Darknet 2.0? «Das Darknet 2.0 ist vielleicht eher wieder der Rückgriff auf die physische Welt», beobachtet Felix Freiling vom Graduiertenkolleg «Cyberkriminalität und Forensische Informatik» der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Cyberkriminelle würden wieder anfangen, sich persönlich zu treffen, um geheime Informationen und Zugangsdaten für das Darknet auszutauschen. «Das ist ein bisschen paradox», meint Freiling. Aber so kann zumindest keine Suchmaschine die Daten erfassen.

dpa


Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!

 

Artikel zu diesem Thema

DarkWeb
Aug 14, 2020

Sicherheits-Dashboard mit Darkweb-Überwachung

Der cloud-basierte Passwortmanager LastPass verfügt über ein neues Sicherheits-Dashboard,…
Dark Web
Aug 03, 2020

Tor, Darknet und die Anonymität

Die Berichterstattung zum Tor-Netzwerk konzentriert sich in Mainstream-Medien im…
Cybercrime
Jul 24, 2020

Cyberkriminalität - Auf welche Bereiche Sie achten sollten

Quasi über Nacht wurde in vielen Unternehmen wegen des Coronavirus auf Home-Office und…

Weitere Artikel

Google Smartphone

Google startet mit seinen Pixel-Smartphones in die 5G-Ära

Für die Pixel-Smartphones von Google hat das 5G-Zeitalter begonnen. Der Internetkonzern kündigte am Mittwoch (Ortszeit) in einem Online-Event aus Mountain View den Sprung in die fünfte Mobilfunkgeneration für das neue Pixel 5 sowie eine Neuauflage des Pixel…
Google

Google bezahlt 20 deutsche Verlage für Inhalte

Google startet zusammen mit 20 Medienhäusern aus Deutschland ein Nachrichtenangebot mit Inhalten, für die der US-Konzern erstmals in seiner Geschichte Lizenzgebühren bezahlt. Für Angebote in dem «Google News Showcase» werde man in den ersten drei Jahren…
KI - Social-Media

KI-Warnung macht Social-Web-User höflicher

Künstliche Intelligenz (KI) kann Social-Media-User davon abhalten, verletzende Kommentare zu schreiben. Etwa ein Drittel der Anwender hört auf das System, wenn es sie vor der Schärfe ihrer Nachrichten warnt. Das ergibt eine Studie der Online-Plattform…
Digitale Welt

Deutschland verliert Boden bei digitaler Wettbewerbsfähigkeit

Deutschland verliert bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit laut einer neuen Studie an Boden. Die Bundesrepublik fiel in einer renommierten Rangliste auf den 18. Platz unter 63 Ländern zurück. 2016 lag sie noch auf Platz 15, wie die private…
Handschlag

Zusammenschluss von valantic und ADSCAPE

Das Digitalisierungsunternehmen valantic stärkt durch den Zusammenschluss mit der Siegener ADSCAPE GmbH seine Expertise beim Thema Product Information Management (PIM). PIM gewinnt vor dem Hintergrund der von valantic besetzten Felder wie Digital Commerce,…
Cybercrime

Cyberkriminelle haben sich der Corona-Krise schnell angepasst

Ob Daten-Klau, betrügerische Fake-Webseiten oder Schadsoftware: Cyberkriminelle haben während der Corona-Pandemie schnell Wege gefunden, die Krise für ihre Zwecke zu nutzen.

Anzeige

Newsletter Anmeldung

Smarte News aus der IT-Welt

Sie möchten wöchentlich über die aktuellen Fachartikel auf it-daily.net informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt den Newsletter!

Newsletter eBook

Exklusiv für Sie

Als Newsletter-Abonnent erhalten Sie das Booklet „Social Engineering: High Noon“ mit zahlreichen Illustrationen exklusiv und kostenlos als PDF!