Nach einem iPhone-Diebstahl rufen KI-Agenten wie „Alice vom Apple Support“ Opfer an, um Entsperrcodes für den Wiederverkauf zu erbeuten.
Die Sicherheitsforscher der SOCRadar Threat Research Unit (STRU) haben ein hochentwickeltes Phishing-as-a-Service-System (PhaaS) namens AnonyMousKIT aufgedeckt. Das Tool richtet sich gezielt an Opfer von iPhone-Diebstählen, deren Geräte durch die iCloud-Aktivierungssperre geschützt sind. Um diese Sperre zu umgehen und die Smartphones auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen zu können, starten Kriminelle automatisierte Phishing-Kampagnen über fünf Kanäle gleichzeitig: E-Mail, SMS, WhatsApp, Bandansagen und interaktive KI-Sprach-Agenten.
Anrufe von „Alice vom Apple Support“ für 10 Cent
Besonders brisant ist der Einsatz kommerzieller KI-Sprachmodelle. Eine KI-Persönlichkeit namens „Alice vom Apple Support“ ruft Opfer direkt an und täuscht vor, ihr gestohlenes iPhone sei in einem Apple Store aufgetaucht. Unter dem Vorwand der Identitätsprüfung verlangt der Bot die Herausgabe des vier- oder sechsstelligen Passcodes sowie von Zwei-Faktor-Codes. Eine Fehlkonfiguration im Backend von AnonyMousKIT legte offen, wie kosteneffizient die Kriminellen vorgehen: Ein automatisierter KI-Anruf schlägt mit gerade einmal 10 US-Cent zu Buche.
Einordnung & Warnung der Sicherheitsforscher
AnonyMousKIT ist wie ein reguläres Software-Abonnement aufgebaut, bei dem Kriminelle Guthaben erwerben, um Zielprofile mit Echtdaten (wie Modell, Rufnummer und Standorten aus „Wo ist?“) zu attackieren. Die Sicherheitsforscher stellen klar:
„Kein legitimer Support-Mitarbeiter wird Sie jemals am Telefon nach dem Passcode Ihres Geräts oder einem Zwei-Faktor-Authentifizierungscode fragen.“
Sicherheitsforscher von SOCRadar Threat Research Unit
iPhone-Besitzer sollten bei unerwarteten Benachrichtigungen oder Anrufen zu verloren gegangenen Geräten extrem skeptisch bleiben und niemals PINs oder Entsperrcodes weitergeben.