Mitarbeiter schätzen die Flexibilität, mit verschiedenen Geräten über den Browser auf alles zuzugreifen – von kollaborativen Meeting-Tools bis hin zu Cloud-Dateien.
Doch genau diese dominante Rolle macht den Browser auch für Cyberkriminelle interessant. Das schiere Volumen browserbasierter Arbeit bietet eine besonders große Angriffsfläche und Unternehmen spüren die Folgen.
Die kürzlich von Parallels veröffentlichte Omdia-Umfrage unter IT- und Cybersicherheitsfachleuten zum Thema Browser-Security ergab, dass 68 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg browserbezogener Sicherheitsvorfälle verzeichnet haben. Sie erkennen die wachsende Bedrohung: 62 Prozent der Befragten stufen Browser-Sicherheit inzwischen als eine der fünf wichtigsten Security-Prioritäten ein. Die Sorge spiegelt sich auch in höheren Investitionen in Browser-Sicherheitslösungen wider (85 Prozent). Unternehmen investieren daher vermehrt in Remote Browser Isolation, sichere Erweiterungen und Enterprise-Browser.
KI vervielfacht die Spielarten von Browserangriffen
Die Abwehr von Web- oder Browserbedrohungen muss mehrgleisig erfolgen, denn Angreifer nutzen heutzutage eine Vielzahl von Eintrittspunkten. Die fünf häufigsten Methoden, die Unternehmen beobachten, sind Datenverlust oder -abfluss, bösartige oder verwundbare Browser-Erweiterungen und Plug-ins sowie bösartige Skripte.
KI fungiert dabei jedoch als multiplizierender Faktor und verstärkt die Sorgen von IT- und Security-Teams zusätzlich, die sich gegen ein stetig wachsendes Volumen neuer Bedrohungen schützen müssen. Zu den Hauptverursachern von Cybervorfällen zählen gezieltes Phishing, Social Engineering, Datenabfluss über nicht genehmigte KI-Anwendungen oder Browser sowie Deepfakes oder KI-generierte bösartige Inhalte.
Eine weitere KI-Sicherheitsbedrohung liegt in der überwältigenden Popularität öffentlicher GenAI-Plattformen begründet. Die Herausforderung besteht darin, Mitarbeiter für den sicheren Einsatz dieser Plattformen zu schulen. Omdia-Research fand heraus, dass Unternehmen sichere Browsing-Lösungen zunehmend dafür einsetzen, den Zugriff auf GenAI-Anwendungen abzusichern oder einzuschränken. Weitere gängige Methoden sind ein Secure Web Gateway (SWG), eine SaaS-Sicherheitslösung oder dedizierte GenAI-Security-Tools. Diese Herausforderung wird häufig mit „Shadow AI“ in Verbindung gebracht, also der unkontrollierten Nutzung öffentlicher GenAI-Plattformen durch Mitarbeiter. Viele CISOs sehen darin ein wesentliches Sicherheitsrisiko, da Beschäftigte dadurch mitunter Daten offenlegen und Richtlinien umgehen. Zudem kann es zu Schwierigkeiten hinsichtlich der Compliance kommen.
Cyberangreifer mit Browser-Isolation ausbremsen
Unter den verfügbaren Browser-Security-Lösungen gewinnt Browser-Isolation Anhänger, da viele Unternehmen Endpunkte von browserbasierten Risiken entkoppeln wollen. Die zunehmende Nutzung öffentlicher GenAI-Anwendungen, Zugriffe von nicht verwalteten oder privaten Geräten sowie menschliche Fehler vergrößern die Angriffsfläche und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Bedrohungen über Browseraktivitäten eindringen. Durch den Trend zu Remote Work hat sich das Expositionsrisiko erhöht: Immer mehr Remote-Beschäftigte nutzen private und ungesicherte Geräte für Browseraktivitäten und erhöhen damit das Risiko durch Schatten-IT und -KI.
Browser-Isolation schreitet immer weiter voran. Denn Organisationen suchen nach Möglichkeiten, Bedrohungen für eine wachsende Angriffsfläche einzudämmen, indem sie webbasierte Anwendungen in isolierten Browser-Sitzungen ausführen lassen. Dadurch lassen sich webbasierte Bedrohungen begrenzen und eine logische Trennung mit einem „Air-Gap“-Ansatz zwischen Browsing-Session und Unternehmensnetzwerk schaffen. So können Beschäftigte im hybriden Arbeitseinsatz ihren bevorzugten Webbrowser nutzen, um sicher auf Webanwendungen zuzugreifen, einschließlich Software-as-a-Service (SaaS) und anderer Cloud-Anwendungen. Zugleich werden IT-Teams in die Lage versetzt, Richtlinien über eine webbasierte Konsole zu verwalten und somit sicherzustellen, dass die Aktivitäten den Sicherheits- und Zugriffsvorgaben entsprechen.
Unternehmen, die eine günstigere Alternative zum Virtual Private Network (VPN) suchen, können auf Browser-Isolation setzen. Die Lösung unterstützt dabei, die laufenden Infrastrukturkosten stabil zu halten. In diesen Modellen hosten IT-Verantwortliche Browser-Container in Sandboxes On-Premises oder in einer Private Cloud. Ihr Ziel ist es, den Zugriff auf SaaS, interne Webanwendungen und privat betriebene Services abzusichern, ohne das Unternehmensnetzwerk zu exponieren. Durch die zentrale Steuerung und Automatisierung von Compliance-Reporting sowie Logs sparen IT-Teams eine Menge Zeit und sorgen zugleich dafür, dass regulatorische Standards eingehalten werden.
Der Mensch bleibt ein entscheidender Faktor
Sichere Browsing-Lösungen sind sehr wirksam, um Angriffsflächen zu verkleinern und Risiken zu senken. Für eine effektive Risikoprävention bleibt es dennoch eine kluge Strategie, die Rolle des Einzelnen für die Sicherheit zu berücksichtigen. KI-gestütztes, zielgerichtetes Phishing, Social Engineering und nicht genehmigte KI-Anwendungen funktionieren auch deshalb so gut, weil menschliches Handeln weiterhin ein häufiger Einstiegspunkt ist. Die Kommunikation mit Mitarbeitern im Homeoffice und an verschiedenen Standorten ist eine Herausforderung. Doch wer das Bewusstsein für Bedrohungen wie Phishing konsequent schärft und das mit Browser-Isolation und anderen Sicherheitslösungen kombiniert, verschafft sich einen echten Vorteil.
KI schafft neue Bedrohungsszenarien in der Zukunft
Die Daten zeigen: Unternehmen wollen KI gezielt für positive Zwecke einsetzen – etwa für die Erkennung und Abwehr von Bedrohungen. Gleichzeitig wissen sie, dass auch Hacker KI nutzen, um Cyberangriffe auf ein neues Niveau zu heben.
In der Praxis gibt es durchaus praktikable Maßnahmen gegen Taktiken wie Phishing und Social Engineering sowie das Ausnutzen von Schwachstellen ungesicherter Anwendungen. IT- und Security-Teams können durchaus gegensteuern: Sie haben die Möglichkeit, den Zugriff auf öffentliche KI-Plattformen zu kontrollieren, autorisierte Websites festzulegen und nicht genehmigte Anwendungen zu sperren. Zudem ist die Bereitschaft, in sichere Browser-Lösungen – einschließlich Browser-Isolation – zu investieren, vielerorts bereits gegeben.
Die Möglichkeiten von KI mögen Bedrohungsszenarien der Zukunft noch dramatischer erscheinen lassen. Doch auch hierfür gibt es Lösungen: Sicher sind in Zukunft vor allem die Organisationen, die sich mit einem vollständigen Arsenal an Browser- und Applikations-Schutztechnologien darauf vorbereiten, die bevorstehende Flut an KI-Angriffen abzuwehren.
Autorin: Elena Koryakina, Chief Product und Technology Officer bei Parallels