Mehr als 20 Ziele weltweit

Anthropic stoppt russische Cyberspionage mit Claude

Claude
Bildquelle: Samuel Boivin/Shutterstock.com

Die russische Gruppe Midnight Blizzard nutzte Claude, um Schadsoftware automatisiert vor Sicherheitsprodukten zu verstecken.

Anthropic hat nach eigenen Angaben eine Cyberspionage-Operation gestoppt, deren Vorgehensweise und Zielauswahl der russischen, staatsnah eingeschätzten Gruppe Midnight Blizzard zugeordnet wird. Das Unternehmen beschreibt den Fall in einem in dieser Woche veröffentlichten Threat-Intelligence-Bericht, der Aktivitäten zwischen Dezember 2025 und August 2026 abdeckt.

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Automatisierte Anpassung von Schadsoftware

Laut Anthropic nutzte Midnight Blizzard Claude, um zu überwachen, wie gut die eigene Schadsoftware von Sicherheitsprodukten erkannt wurde. Wurde ein Tool markiert, passten KI-Agenten es automatisch an, bauten es neu zusammen und setzten es erneut ein. Ein Kreislauf, der sich so lange wiederholte, bis die Schadsoftware wieder unentdeckt blieb. Anthropic zufolge verschiebt dies die Kosten dieses sogenannten Detection-Evasion-Zyklus zulasten der Verteidiger: Neue Erkennungssignaturen zwangen Angreifer bislang zu einem langsameren, manuellen Prozess der Neuprogrammierung. Mit KI-Unterstützung könnten leistungsfähige Angreifer diesen Kreislauf nun schneller schließen, als Verteidiger reagieren könnten.

Mehr als 20 Ziele weltweit

Laut Bericht griff die russische Gruppe mehr als 20 Organisationen an, darunter ukrainische und europäische Regierungsministerien, Verteidigungs- und Nachrichtendienststellen, Botschaften und Thinktanks; weitere Ziele lagen im Nahen Osten und in Asien. Anthropic zufolge erbeutete die Gruppe zudem Postfächer zweier Hersteller von Drohnenkomponenten sowie ein vollständiges, firmeneigenes Software-Entwicklungskit für ein Drohnen-Bildverarbeitungssystem; die Angreifer verbrachten anschließend mehrere Tage damit, dessen Architektur, Stückliste und Lieferantenabhängigkeiten zu analysieren.

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WLAN-Umleitung in Hotels und übernommene WhatsApp-Konten

Die Gruppe kompromittierte laut Anthropic zudem mindestens drei Dienstleister, die WLAN-Netzwerke für Hotelgäste betreiben, und leitete mit gestohlenen Admin-Zugangsdaten den Gästeverkehr per DNS-Hijacking um – eine Methode, die Microsoft im Juli unter dem Namen CaptiveCrunch bereits gesondert dokumentiert und ebenfalls Midnight Blizzard zugeordnet hatte.

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Zusätzlich übernahm die Gruppe nach Angaben von Anthropic WhatsApp-Konten von Betroffenen, indem sie diese über sogenannte Headless-Browser als Begleitgeräte verknüpfte und Lesebestätigungen unterdrückte, um Unterhaltungen unbemerkt zu exportieren; mindestens zwei ehemalige hochrangige ukrainische Amtsträger seien auf diese Weise ins Visier geraten. Anthropic erklärte, die Aktivität gestoppt, daraus gewonnene Erkenntnisse zur Stärkung eigener Schutzmechanismen genutzt und Informationen mit Behörden sowie Industriepartnern geteilt zu haben.

Eigene KI-Infrastruktur zunehmend selbst Ziel

Der Bericht beschreibt zudem einen wachsenden Trend: KI-Zugangsdaten und -Infrastruktur werden zunehmend selbst zum Angriffsziel. Eine als GTG-50021 bezeichnete Gruppe betrieb laut Anthropic einen betrügerischen Claude-Wiederverkaufsdienst, der zahlende Kunden unbemerkt an ein anderes Modell weiterleitete, während eine mitgelieferte Client-Anwendung deren Anthropic-Kontodaten zum Weiterverkauf sammelte.

In einem weiteren, direkteren Fall setzte die finanziell motivierte, russischsprachige Gruppe GTG-50021, die zuvor bereits Hotelbuchungs- und Fintech-Plattformen angegriffen hatte, laut Bericht Prompt Injection gegen die automatisierte Evaluierungsumgebung eines KI-Anbieters ein und erlangte so Produktions-API-Schlüssel mehrerer Anbieter. Mit den gestohlenen Schlüsseln setzte die Gruppe ihre Angriffe fort und startete zudem über mehrere Tage eine Kampagne gegen rund 30 KI-Unternehmen; erklärtes Ziel sei über mehr als ein Dutzend Wege der Zugriff auf ein noch unveröffentlichtes Claude-Modell gewesen – laut Anthropic ohne Erfolg.

(red)

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