Praxis-Tipps

NIS2 in Deutschland: Was Sie 2026 unbedingt wissen müssen

NIS2

Deutschland bereitet sich auf die Umsetzung der EU-Richtlinie NIS2 ab 2026 vor. Mit ihr rücken Cybersicherheit und digitale Resilienz direkt in den Kern der Corporate Governance.

Der erweiterte Anwendungsbereich der NIS2-Richtlinie führt dazu, dass künftig deutlich mehr Organisationen – darunter auch mittelständische Unternehmen – erhöhten Anforderungen an Verantwortlichkeit und Transparenz unterliegen. Für Vorstände und Geschäftsleitungen bringt diese Ausweitung neue Berichtspflichten sowie eine erweiterte persönliche Haftung mit sich. Peter Herr, Senior Director DACH bei Diligent, erläutert, welche Prioritäten Unternehmen jetzt setzen sollten und wie ihre Governance-Strukturen entsprechend ausgerichtet werden können. 

Anzeige

Wer ist betroffen? NIS2 geht über klassische Sektoren hinaus

NIS2 erweitert den Kreis der künftig regulierten Organisationen ab 2026 erheblich. Über klassische Sektoren wie Energie, Verkehr, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen hinaus erfasst die Richtlinie nun auch Dienstleister sowie Akteure entlang der Lieferkette. 

Für Unternehmen erfordert diese Ausweitung einen ganzheitlichen Ansatz im Risikomanagement. Während Organisationen bislang vor allem auf technische Sicherheitsmaßnahmen setzen konnten, verlangt NIS2 nun zusätzlich den Aufbau organisatorischer Prozesse, klar definierter Berichtsstrukturen sowie eine unmittelbare Einbindung des Managements. In der Praxis bedeutet dies, Wertschöpfungsketten zu analysieren, Cyberrisiken systematisch zu identifizieren und bestehende Governance-Prozesse zu überprüfen. Ohne diesen strukturierten Ansatz wird es Unternehmen schwerfallen, ihre regulatorischen Verpflichtungen zu erfüllen. 

Haftung von Führungskräften unter NIS2

Eine zentrale Veränderung durch NIS2 ist die Einführung der persönlichen Haftung für Führungskräfte. Vorstandsmitglieder und C-Level-Executives sind nun individuell dafür verantwortlich, dass die Anforderungen an Cybersicherheit und digitale Resilienz erfüllt werden. Das Versäumnis, angemessene Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen oder Verzögerungen bei der Meldung von Sicherheitsvorfällen können direkte rechtliche und reputationsbezogene Konsequenzen nach sich ziehen. 

Anzeige

Sicherheits- und Resilienzthemen sind damit keine reine IT-Aufgabe mehr. Entscheidungen über Investitionen in IT-Sicherheit, Risikoüberwachung oder Mitarbeiterschulungen müssen auf Vorstandsebene getroffen und nachvollziehbar dokumentiert werden. Unternehmen sollten Verantwortlichkeiten klar definieren und sicherstellen, dass Sicherheitsinformationen regelmäßig an die Geschäftsleitung fließen. 

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Konforme Governance-Strukturen aufstellen – aber wie?

NIS2 verlangt eine enge Abstimmung zwischen Vorstand, Prüfungsausschüssen und Sicherheitsbeauftragten, um Cyberrisiken proaktiv zu identifizieren und zu steuern. 

Wichtige Maßnahmen hierbei sind: 

  • Regelmäßige Risiko- und Compliance-Überprüfung auf Vorstandsebene
  • Einbindung von IT- und Sicherheitsabteilungen in strategische Entscheidungen
  • Klare Berichts- und Eskalationswege, die Sicherheitsinformationen direkt an die Führungsebene liefern

In der Praxis bieten integrierte Governance-, Risiko- und Compliance-Strukturen den Unternehmen die notwendige Grundlage, um diese Anforderungen zu erfüllen. GRC-Programme schaffen Transparenz bezüglich der Sicherheitsverpflichtungen, ermöglichen prüfungsbereite Berichterstattungen und klären Verantwortlichkeiten innerhalb der Organisation. Richtig umgesetzt befähigen diese Strukturen Vorstände und Prüfungsausschüsse, effektiv zu handeln, ohne die operativen Prozesse zu verlangsamen. 

Frühe Compliance verschafft Wettbewerbsvorteile

Frühzeitige Umsetzung bedeutet nicht nur Compliance, sondern legt die Basis für Vertrauen bei Kunden, Partnern und Behörden. Organisationen, die Risiken systematisch identifizieren und steuern, sind weniger anfällig für Sicherheitsvorfälle und können im Falle eines Angriffes schneller reagieren. 

Proaktive Governance stärkt sowohl die Reputation als auch den Wettbewerbsvorteil – ein entscheidender Faktor in zunehmend digitalen Märkten, in denen Sicherheitsvorfälle Millionen kosten und den Marktwert dauerhaft schädigen können. Unternehmen, die ihre Strukturen und Prozesse bereits heute auf NIS2 ausrichten, erfüllen nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern sichern langfristig auch ihre Geschäftskontinuität und Marktposition. 

Schritte zur Umsetzung: Compliance gestalten

Unternehmen müssen jetzt einen strategischen und systematischen Ansatz zur NIS2-Compliance verfolgen, beginnend mit diesen fünf Schritten: 

  1. Risikomanagement: Relevante Bedrohungen für Geschäftsprozesse und Lieferketten identifizieren und bewerten.
  2. Governance-Check: Bestehende Management- und Kontrollstrukturen prüfen, Verantwortlichkeiten der Führungskräfte klären und and die Anforderungen der persönlichen Haftung anpassen. 
  3. Richtlinienaktualisierung: IT-Sicherheits-, Vorfallmanagement- und Melde-Richtlinie überarbeiten, um den NIS2-Standards zu entsprechen.
  4. Berichtsprozesse für den Vorstand: Strukturierte Kanäle einrichten, damit Vorstand und Prüfungsausschuss zeitnah Sicherheitsinformationen erhalten.
  5. Kontinuierliches Monitoring: GRC-Tools implementieren, um fortlaufend Compliance, Berichterstattung und Risikomanagement sicherzustellen – Prozesse bleiben somit transparent und prüfungsbereit. 

Organisationen, die jetzt handeln, legen das Fundament für digitale Resilienz, stärken das Vertrauen der Stakeholder und sichern sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Wettbewerbern, die erst 2026 mit der Umsetzung beginnen. 

Peter

Herr

Regional Sales Director Germany

Diligent

Anzeige

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.