Wenn KI-Agenten eigenständig Transaktionen ausführen, stößt das ITAM an seine Grenzen. Flexera beleuchtet zentrale Hürden von Lizenzierung bis FinOps.
Ein Paradigmenwechsel im Schatten von Agentic AI
KI-Agenten greifen zunehmend eigenständig auf Unternehmensanwendungen zu, rufen vertrauliche Daten ab und lösen anbieterübergreifende Workflows aus. Laut einer KPMG-Studie nutzen bereits 53 Prozent der US-Großunternehmen solche Systeme. Während der Einsatz rasant steigt und Gesetzgeber wie der EU AI Act neue Rahmenbedingungen schaffen, hinkt die operative Governance in vielen Betrieben hinterher. Da bestehende Kontrollmodelle historisch auf menschliche Nutzer und einzelne Geräte ausgelegt sind, erfordert die vom NIST definierte Autonomie der Agenten ein Umdenken im IT-Asset-Management (ITAM). Die fundamentale Frage verschiebt sich von der gerätebezogenen Lizenzierung hin zu den Berechtigungen, Budgets und Prozessketten autonom agierender Software.
Lizenz-Chaos und unberechenbare Ausführungskosten
Eine der drängendsten Hürden betrifft das Lizenzmanagement. Da ein KI-Agent im Auftrag mehrerer Mitarbeiter auf CRM-, ERP- oder Collaboration-Tools zugreifen kann, greifen klassische Nutzer- oder Gerätelizenzen nicht mehr greifbar. Die Ansätze der Softwareanbieter variieren stark: Microsoft setzt bei Copilot Studio auf Credit-Abrechnungen unter Berücksichtigung von Multiplexing-Regeln, während Salesforce bei Agentforce Lizenzmodelle mit Abrechnungen nach Aktionen oder Konversationen kombiniert. ITAM-Teams müssen daher die gesamte Zugriffskette nachvollziehen können, um Compliance-Risiken zu vermeiden.
Gleichzeitig verwandelt die dynamische Natur von Agentenläufen das Kostenmanagement in eine Herausforderung. Da ein einziger Impuls eine Kaskade aus API-Aufrufen, Modellabfragen und Datenbankzugriffen auslösen kann, entstehen kaum vorhersehbare Kostenketten. Herkömmliche Budgetwarnungen reichen hier oft nicht aus. Neben FinOps-Methoden benötigen Unternehmen technische Leitplanken wie Nutzungsquoten, strikte Schwellenwerte und ein intelligentes Modell-Routing, ohne dabei die Agilität der Agenten komplett abzuwürgen.
Schatten-KI und das Aufbrechen organisatorischer Silos
Auch bei der Inventarisierung stößt die IT auf neue Probleme. Im Gegensatz zu passiver Schatten-IT agiert „Schatten-KI“ aktiv im Hintergrund, verbindet Werkzeuge und führt Transaktionen aus. Eine einmalige Erfassung reicht nicht mehr aus, da Agenten oft tief in bestehenden Plattformen eingebettet sind. Um die nötige Transparenz herzustellen, muss das ITAM Silos zu IAM- und Security-Teams aufbrechen, bei denen die entsprechenden Zugriffsdaten meist isoliert liegen.
Durch die anbieterübergreifende Arbeitsweise der Agenten gerät zudem die Auditfähigkeit ins Wanken. Wenn ein Vertriebsagent Daten aus dem ERP zieht, im CRM ein Angebot erstellt und dieses in einer Messenger-Gruppe teilt, berührt er mehrere Verträge und Lizenzlogiken gleichzeitig. Da einheitliche Standards für solche autonomen Workflows noch fehlen, müssen Unternehmen kritische Agenten-Prozesse risikobasiert dokumentieren, um bei Audits nachweisfähig zu bleiben. Diese Komplexität zwingt auch die Organisation zum Handeln: Fachbereiche wie ITAM, FinOps, Security und Legal verschmelzen zunehmend. Laut dem Flexera State of ITAM Report unterstützen bereits 51 Prozent der ITAM-Teams die Transparenz von KI-Ausgaben, während 92 Prozent ihre FinOps-Kompetenzen gezielt ausbauen.
„Unternehmen stecken inzwischen tief im KI-Stack und kämpfen mit explodierenden Kosten, Tool- und Modell-Wildwuchs, fehlender Zurechenbarkeit und wachsenden Abhängigkeiten. Die Frage, die sich momentan jeder CIO stellt: Wo entsteht überhaupt messbarer Wert? Und wie lange ist die aktuelle KI-Umgebung wirtschaftlich, betrieblich und sicherheitstechnisch noch tragbar? Agentic AI zwingt uns, diese Frage jetzt zu beantworten. Wer nicht konsolidiert und für Transparenz in der eigenen KI-Landschaft sorgt, verliert langfristig die Kontrolle über sein IT-Management, sein Unternehmen und seine Wettbewerbsfähigkeit.“
— Conal Gallagher, CIO von Flexera
(red/Flexera)