Der Java-Experte Simon Ritter warnt vor dem zeitgleichen Support-Ende aller LTS-Java-Versionen zwischen 2029 und 2032. Unternehmen droht ein Engpass.
Der Java-Spezialist Simon Ritter, der 1996 bei Sun Microsystems einstieg und heute als stellvertretender Technologiechef beim IT-Unternehmen Azul tätig ist, hat in einem Fachbeitrag für das Magazin InfoWorld vor einer gravierenden zeitlichen Überschneidung bei der Software-Wartung gewarnt. Nach seinen Analysen werden in einem engen Zeitfenster alle aktuell unterstützten Versionen mit langfristigem Support (Long-Term Support, LTS) das Ende ihres Lebenszyklus erreichen. Konkret läuft der Support für Java 17 im Jahr 2029 aus, gefolgt von Java 8 im Jahr 2030, Java 21 im Jahr 2031 und Java 11 im Jahr 2032.
„Zwischen 2029 und 2032 wird jede derzeit unterstützte Long-Term-Support-Version (LTS) von Java innerhalb eines einzigen dreijährigen Zeitfensters das Ende des Supports erreichen.“
Simon Ritter, Java-Spezialist
Während dieser Zyklus auf dem Papier überschaubar wirke, führe er in der Praxis zu einer massiven Fristen-Kollision, auf die sich die meisten Unternehmen bisher nicht eingestellt haben.
Zusammenbruch der traditionellen schrittweisen Modernisierung von Java
Viele Unternehmen modernisieren ihre Software-Infrastruktur inkrementell, indem sie Anwendungen nacheinander von einer älteren Version auf die nächsthöhere Version migrieren. Dieses traditionelle Vorgehen – beispielsweise der schrittweise Wechsel von Java 8 auf Java 11, danach auf Java 17 und schließlich auf Java 21 – wird durch das zeitgleiche Auslaufen der Support-Zusagen unbrauchbar. Sobald alle wesentlichen Java-Versionen im selben komprimierten Zeitraum auslaufen, kollabiert die sequentielle Planung.
Unternehmen, die mit der Modernisierung warten, bis die Fristen unumgänglich werden, geraten in einen reaktiven Modus. Sie sind dann gezwungen, unter erheblichem Zeitdruck überstürzte Entscheidungen zu treffen. Um die regulatorische Compliance im Bereich der IT-Sicherheit und die kontinuierliche Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten, müssen Betreiber großer Java-Infrastrukturen mehrere Anwendungen über verschiedene Versionen hinweg gleichzeitig aktualisieren.
Fehlende Ressourcen für parallele Migrationsprojekte
Diese notwendige zeitgleiche Umstellung verschiebt die Herausforderung von der rein technischen Komplexität hin zu einer organisatorischen Kapazitätsfrage. Da die Modernisierungen nicht mehr nacheinander stattfinden können, benötigen die IT-Abteilungen erhebliche zusätzliche Kapazitäten. Simon Ritter legte dar, wo der entscheidende Engpass in den Betrieben liegt: „Eine parallele Modernisierung erfordert parallele Kapazitäten – etwas, das die meisten Unternehmen nicht eingeplant haben. Dies erklärt, warum traditionelle Ansätze Schwierigkeiten haben, zu skalieren.“ Jedes Jahr, das ohne eine strategische Anpassung der Migrationspläne verstreicht, erhöht die Menge des Quellcodes, der schlussendlich unter Zeitdruck überprüft, gesichert und modernisiert werden muss.
(red)