Öffnet in einem neuen Tab
Cyber-Resilienz im Gesundheitswesen

Wenn Cyberrisiken zum Patientenrisiko werden

Cyberangriffe verursachen im US-Gesundheitswesen immer höhere Kosten und beeinträchtigen zunehmend die medizinische Versorgung.

Wenn Cyberrisiken zum Patientenrisiko werden

Der aktuelle Bericht „Cyber Insecurity in Healthcare“ von Proofpoint und dem Ponemon Institute zeigt zudem, dass viele Einrichtungen KI-Anwendungen einsetzen, ohne über ausreichende Schutzmaßnahmen und verbindliche Richtlinien zu verfügen.

Angriffe werden teurer und stören den Klinikbetrieb

97 Prozent der befragten Gesundheitsorganisationen waren innerhalb von zwölf Monaten mindestens einmal von einem Cyberangriff betroffen. Die durchschnittliche Zahl der Angriffe pro Organisation stieg von 43 im Jahr 2025 auf 51 im Jahr 2026. Bei 74 Prozent der Befragten führten Cybervorfälle zu Beeinträchtigungen der Patientenversorgung.

Auch die finanziellen Folgen nehmen zu. Die durchschnittlichen Kosten des jeweils teuersten Angriffs erhöhten sich binnen eines Jahres von 3,9 auf 4,2 Millionen US-Dollar. Besonders stark schlagen Betriebsunterbrechungen mit durchschnittlich 1,39 Millionen US-Dollar zu Buche. Weitere 1,05 Millionen US-Dollar entfallen im Schnitt auf Ausfallzeiten und Produktivitätsverluste.

Für die Untersuchung befragten Proofpoint und das Ponemon Institute insgesamt 705 IT- und Sicherheitsexperten aus US-amerikanischen Gesundheitsorganisationen.

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KI verbreitet sich schneller als die Sicherheitsvorkehrungen

45 Prozent der befragten Einrichtungen nutzen KI bereits für die Cybersicherheit oder sowohl für Sicherheitsaufgaben als auch in der Patientenversorgung. Weitere 30 Prozent planen eine Einführung.

Die organisatorischen und technischen Schutzmaßnahmen halten mit dieser Entwicklung häufig nicht Schritt. Bei 60 Prozent der Organisationen fehlen Kontrollen für sensible Daten, die in KI-Systemen verarbeitet werden. Nur 42 Prozent setzen Sicherheitsmaßnahmen ein, die speziell auf KI-Systeme, KI-Agenten und generative KI zugeschnitten sind. Lediglich 32 Prozent haben einen vollständigen Überblick darüber, welche nicht genehmigten KI-Werkzeuge ihre Beschäftigten verwenden.

Zu den wichtigsten KI-bezogenen Sicherheitsbedenken zählen Risiken durch Anbieter und Dienstleister in der Lieferkette, die 40 Prozent der Befragten nennen. 36 Prozent sorgen sich um Datenabflüsse über Eingaben an KI-Systeme. 34 Prozent sehen KI-gestütztes Phishing und Social Engineering als wesentliches Risiko.

Besonders problematisch ist der unkontrollierte Zugriff automatisierter Agenten auf sensible Informationen. Laut Studie sehen 24 Prozent der Organisationen unzureichend abgesicherte KI-Agenten als eine der Hauptursachen für Datenverluste.

Wenn IT-Ausfälle die Behandlung verzögern

Die Folgen von Cyberangriffen reichen über technische Störungen hinaus. Bei den untersuchten Angriffskategorien, darunter Ransomware, kompromittierte Cloud-Konten, Angriffe auf die Lieferkette und Business Email Compromise, berichteten durchschnittlich 53 Prozent der betroffenen Organisationen von Einschränkungen bei der Patientenversorgung.

52 Prozent meldeten längere Krankenhausaufenthalte. Ebenso viele berichteten von Verzögerungen bei Untersuchungen oder medizinischen Eingriffen.

Besonders gravierend waren Angriffe auf die Lieferkette: 90 Prozent der davon betroffenen Einrichtungen verzeichneten Auswirkungen auf die Versorgung. Ransomware-Angriffe gingen besonders häufig mit längeren Aufenthalten einher. Bei Business Email Compromise, also Angriffen über kompromittierte oder gefälschte geschäftliche E-Mail-Kommunikation, standen dagegen Verzögerungen bei Untersuchungen und Eingriffen im Vordergrund.

Ryan Kalember, Chief Strategy Officer bei Proofpoint, fasst die Entwicklung so zusammen: „Wenn ein Cyberangriff einen Eingriff verzögert, einen Krankenhausaufenthalt verlängert oder Patienten in eine andere Einrichtung zwingt, wird das Cyberrisiko zum Patientenrisiko.“

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Datenverluste und Cloud-Konten als weitere Schwachstellen

Auch der Verlust sensibler Gesundheitsdaten kann die medizinische Versorgung beeinträchtigen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren registrierten die befragten Organisationen durchschnittlich 21 Vorfälle mit Datenverlust oder Datenabfluss, bei denen vertrauliche Gesundheitsinformationen betroffen waren.

54 Prozent der Einrichtungen, die solche Vorfälle meldeten, berichteten zugleich von Auswirkungen auf die Patientenversorgung. Innerhalb dieser Gruppe gaben 56 Prozent erhöhte Sterblichkeitsraten an. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Sicherheitsvorfällen und möglichen klinischen Folgen, belegen jedoch nicht automatisch, dass jeder dieser Vorfälle unmittelbar für eine erhöhte Sterblichkeit verantwortlich war.

Als häufigste Ursache für Datenverluste nannten die Befragten weiterhin fahrlässiges Verhalten von Beschäftigten. Daneben gewinnen technische Risiken durch neue KI-Anwendungen an Bedeutung.

Parallel dazu verlagern immer mehr Einrichtungen klinische Anwendungen in die Cloud. 35 Prozent haben diesen Schritt bereits vollzogen, gegenüber 30 Prozent im Vorjahr. Weitere 44 Prozent planen eine entsprechende Migration innerhalb der nächsten zwei Jahre. Kompromittierte Cloud-Konten führten bei 65 Prozent der betroffenen Organisationen zu Störungen in der Patientenversorgung.

Weniger Lösegeldzahlungen, aber mehr Versorgungsprobleme

Bei Ransomware zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Der Anteil der betroffenen Organisationen, die Lösegeld zahlten, sank von 33 Prozent im Jahr 2025 auf 31 Prozent im Jahr 2026. Auch die durchschnittliche höchste Lösegeldzahlung ging von 1,2 auf 1,1 Millionen US-Dollar zurück.

Die betrieblichen Folgen verschärften sich dagegen. 72 Prozent der von Ransomware betroffenen Einrichtungen meldeten Beeinträchtigungen der Patientenversorgung. Im Vorjahr waren es noch 67 Prozent. Unter den Organisationen mit Versorgungsstörungen berichteten 70 Prozent von längeren Krankenhausaufenthalten.

Sicherheitskonzepte müssen KI und Versorgung berücksichtigen

Die Ergebnisse von Proofpoint und dem Ponemon Institute verdeutlichen, dass Gesundheitseinrichtungen Cybersecurity nicht allein als IT-Aufgabe betrachten können. Sicherheitsvorfälle können unmittelbar in klinische Abläufe eingreifen und dadurch die Behandlung von Patienten beeinträchtigen.

Neben dem Schutz von Konten und sensiblen Daten werden deshalb klare Regeln für KI-Anwendungen, kontrollierte Zugriffsrechte und eine bessere Überwachung automatisierter Systeme wichtiger. Entscheidend ist, Sicherheitsmaßnahmen so auszurichten, dass sie sowohl die digitale Infrastruktur als auch die Kontinuität der medizinischen Versorgung schützen.

(red/Proofpoint)

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