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Open Source

Open Source befindet sich im Umbruch. Im Laufe des Jahres 2018 machten selbst die größten Internetplattformen und Unternehmen bedeutende Fortschritte in Richtung offener Anwendungen und Systeme. Unternehmen wie Facebook, JP Morgan und Walmart gehörten zu jenen, die nicht nur Open-Source-Software einsetzten, sondern auch ihren eigenen Code der breiten Öffentlichkeit zugänglich machten. 

Zudem standen einige Unternehmensübernahmen im Mittelpunkt des Geschehens: Microsoft schloss beispielsweise die Übernahme von GitHub ab, während IBM mit Red Hat eine der größten Akquisitionen in der Geschichte der Business-Technologie durchgeführt hat.

Integration in profitable Geschäftsanwendungen

Da Open Source immer mehr Teil profitabler Geschäftsanwendungen wird, geht der Trend dahin, diese möglichst zügig und effektiv zu monetarisieren. So arbeiten einige Open-Source-Anbieter daran, proprietären Code um die Open-Source-Anwendung schaffen, damit sie auf diese Weise die Geschäftsanwendung besser kontrollieren und etwa kostenpflichtige Beratungsleistungen hierzu anbieten können. Dies war beispielsweise bei Amazon der Fall. Das Unternehmen hat offene Software von Redis Labs genutzt, um eine eigene Anwendung zu schaffen – ohne diese jedoch der Open-Source-Community zurückzugeben. Redis Labs hat mittlerweile reagiert und eine neue Software-Lizenz veröffentlicht, in der die Nutzungsbedingungen neu definiert sind.

Im Lichte dieser Entwicklung stellt sich die Frage, inwiefern Open Source wirklich „offen“ bleiben sollte. Zwar zeigen Verbände wie die Continuous Delivery Foundation (CDF) deutlich, dass sich viele für offene Software und die Freiheit der Entwickler einsetzen, jedoch bleibt die Frage, ob offene Software, die von Unternehmen vereinnahmt wird, noch als Open-Source-Software bezeichnet werden darf. Fraglich bleibt ebenfalls, ob Unternehmen überhaupt Einschränkungen vornehmen dürfen und wer die Entscheidungsbefugnis über den Code innehält.

Bürokratiebehaftet: Die Privatisierung von Open Source

Da immer mehr Unternehmen die Möglichkeit haben, Open Source durch den Verkauf von Add-On-Support und Unternehmensdienstleistungen zu monetarisieren, streben namhafte Technologieunternehmen danach, Teil dieser Szene zu werden: Microsoft hat GitHub 2018 für 7,5 Milliarden Dollar erworben, Salesforce kaufte Mulesoft für 6,5 Milliarden Dollar und beim größten Deal in diesem Umfeld hat IBM Red Hat für 34 Milliarden Dollar übernommen.

Obwohl die Unterstützung und das Interesse dieser Technologie-Giganten als willkommenes Zeugnis für die Vorteile von Open Source dienen, zeigt es auch einen breiteren, kulturellen Wandel innerhalb der Open-Source-Gemeinschaft. Die Übernahmen und Monetarisierungen von immer mehr Open-Source-Software verändert die grundlegenden Werte und Plattformen, auf denen diese Software basiert. Anstatt sich für die Freiheit eines jeden Entwicklers einzusetzen, Quellcode zu modifizieren, zu erweitern und zu verbessern, nutzen diese Akquisitionen Open-Source-Projekte aus – ohne den Entwicklern zusätzliche Möglichkeiten und Freiheiten zu gewähren. Letztlich schaffen sie Silos und verursachen Risse innerhalb der Open-Source-Community.

Spaltungen und neue Zukunft der Branche

Ebenso verhält es sich im Konflikt zwischen Amazon und Elasticsearch. Als Ergebnis der Integration des Codes und der Suchfunktionalität von Elasticsearch in die Amazon Web Services begann Elasticsearch zu reglementieren, wie der Code geteilt wurde – insbesondere, indem die gesamte Produktsuite nicht ohne Bezahlung genutzt werden kann und Code nicht offen zur Verfügung stehen darf. Diese Art von Marktveränderungen mehren sich und verändern die Prinzipien von Open Source. Wenn jedoch immer mehr Open-Source-Anbieter ihren Code „bürokratisieren“ und dessen Verwendung einschränken, führt dies zu größeren Spaltungen innerhalb der Community und verändert die Zukunft der Branche dauerhaft.

Open Source offenhalten: Vorteile überwiegen

Open Source offen zu halten, bietet mehr Vor- als Nachteile. Entwickler mit unterschiedlichen Hintergründen können Code überprüfen und ändern, wodurch er ständig verbessert wird. Auf diese Weise kann die gesamte Branche von Innovationen, mehr Sicherheit und gesundem Wettbewerb profitieren. Außerdem bietet Open-Source-Software-Entwicklern mehr Flexibilität und fördert ihre Offenheit, sich in jeder beliebigen Programmiersprache weiterzuentwickeln. Dadurch werden nicht-proprietäre Programmiersprachen immer beliebter und gefragter, was wiederum für einen Zuwachs an Flexibilität in Arbeit und Karriere der Entwickler sorgt.

Aus diesem Grund werden Open-Source-Plattformen auch für Risikokapitalfinanzierungen interessant – selbst wenn es keine unmittelbaren Aussichten auf monetäre Erträge gibt. Dieser Mentalitätswandel der Investoren zeigt den Anbietern, dass Open Source nicht als monetarisiertes Geschäftsmodell, sondern als Entwicklungsmodell definiert wird, das aus der Gemeinschaft seiner Nutzer wächst.

CDF zur Entwicklung von Open-Source-Projekten

Initiativen wie die Continuous Delivery Foundation widmen sich ebenfalls der Entwicklung von Open-Source-Projekten. Sie stellen sicher, dass Open Source frei nutzbar und für alle zugänglich bleibt. Außerdem ermöglicht die CDF Innovationen in einem Ausmaß, das von den Tech-Größen nicht erreicht werden kann, da diese von exklusiver, proprietärer Software abgeschottet werden. Jenkins zum Beispiel hätte seinen unglaublichen Erfolg nie ohne die Unterstützung der Open-Source-Community erlebt: Durch das Offenhalten der Software war die Community in der Lage, mehr als 1.500 Plugins für Jenkins zu erstellen – die wiederum für die erhebliche Akzeptanz bei der Einführung sorgten.

Dabei herrschen zwei klare Prinzipien vor: Einerseits gibt es Anbieter, die, im Interesse des Wettbewerbs, Vorschriften und Beschränkungen für die Verwendung ihres Codes erlassen. Und andererseits gibt es jene, die dem Kern von Open Source treu bleiben und ihre Software weiterhin frei zur Verfügung stellen.

Zukunftsmodelle Open Core und SaaS

Das klassische Open-Source-Geschäftsmodell ist jedoch offiziell passé – obwohl es eindeutig wirtschaftlich tragfähig ist. Die Zukunftsmodelle heißen Open Core und SaaS. Stark in beide Ansätze zu investieren und dadurch einen großen Beitrag zum breiten Open-Source-Ökosystem zu leisten, ist der moderne Weg, den es nun einzuschlagen gilt. Denn der kollaborative Ansatz zur Entwicklung von Open-Source-Code hat sich als eine erfolgreiche Strategie für stete technologische Innovationen bewiesen.


 

James Strachan, Chief Architect
James Strachan
Chief Architect, CloudBees

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