Von Ada Lovelace bis heute

Wie Frauen die Tech‑Welt prägen und trotzdem finanziell schlechter darstellen

Programmiererin, Tech-Branche, Frauen

Frauen haben die digitale Welt von Beginn an mitgestaltet, viele als Freelancerinnen. Doch auch im modernen Freelancing zeigt sich: Gleichstellung ist noch nicht erreicht.

Neue Daten des Freelancer‑Kompass 2026 zeigen, wie groß die Einkommenslücke wirklich ist und warum weibliche Expertise für die Zukunft der Tech‑Branche unverzichtbar bleibt.

Anzeige

Frauen haben die technologische Entwicklung von Anfang an geprägt. Ada Lovelace schrieb im 19. Jahrhundert den ersten Algorithmus, Hedy Lamarr erfand das Prinzip, auf dem heute WLAN und Bluetooth beruhen, und Grace Hopper machte Programmiersprachen verständlich und nutzbar. Sie alle arbeiteten unabhängig, projektorientiert und oft außerhalb klassischer Institutionen. Ihre Arbeitsweise erinnert an das, was heute das Wesen des Freelancings ausmacht.

Diese Frauen waren ihrer Zeit voraus. Sie verbanden technisches Verständnis mit Kreativität und Mut, neue Wege zu gehen. Genau diese Eigenschaften zeichnen auch viele Freelancerinnen heute aus: Frauen, die digitale Produkte entwickeln, Unternehmen beraten oder KI‑Modelle trainieren. Doch während sich die Arbeitsformen verändert haben, sind einige strukturelle Ungleichheiten geblieben.

Freelancerinnen verdienen vier Euro weniger pro Stunde

Der aktuelle Freelancer‑Kompass 2026 zeigt, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen auch in der Selbstständigkeit bestehen. Der durchschnittliche Stundensatz von Freelancerinnen liegt bei 100 Euro, während Männer 104 Euro abrechnen. Diese Einkommensunterschiede wirken zudem bis weit in die Zukunft. Wer weniger verdient, kann auch weniger zurücklegen und das hat Folgen für die finanzielle Sicherheit im Alter. Selbstständige Männer legen im Durchschnitt 1.272 Euro pro Monat für die Altersvorsorge zurück, Frauen nur 613 Euro. Entsprechend sorgen sich 61 Prozent der Freelancerinnen um ihre finanzielle Zukunft, bei den Männern sind es 55 Prozent. Eine Benachteiligung, die bis ins hohe Alter reicht. Denn nach wie vor sind Frauen- Freelancerinnen nicht ausgenommen- stärker von Altersarmut gefährdet.

Anzeige

Selbstbestimmung stößt an strukturelle Grenzen

Freelancing bietet eigentlich ideale Voraussetzungen für faire Bedingungen. Frauen können ihre Projekte frei wählen, ihre Arbeitszeit flexibel gestalten und ihre Expertise gezielt einsetzen. Doch strukturelle Unterschiede bleiben bestehen. Viele berichten aber, dass sie sich stärker positionieren müssen, um dieselben Honorare zu erzielen wie ihre männlichen Kollegen. Sichtbarkeit, Netzwerke und Verhandlungssicherheit spielen daher eine entscheidende Rolle. So beschäftigen laut einer aktuellen Umfrage des Bitkom beispielsweise nur neun Prozent der Unternehmen Frauen in Führungsrollen wie CIO oder CTO. 

Generell ist der Anteil weiblicher Beschäftigten in der IT‑ und Engineering‑Branche gering. Nach Daten des Freelancer‑Kompass 2026 sind nur sechs Prozent der IT‑Freelancer weiblich, obwohl der Frauenanteil in Informatikstudiengängen laut Statistischem Bundesamt bei über zwanzig Prozent liegt. Der Weg von der Ausbildung in die Selbstständigkeit ist für viele Frauen noch immer mit Hürden verbunden – von fehlenden Vorbildern bis zu ungleichen Chancen in der Projektvergabe.

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

Warum Vielfalt Innovation fördert

Gleichzeitig beweisen viele Freelancerinnen, dass es anders geht. Sie bringen Perspektiven ein, die für Innovation unverzichtbar sind. Sie arbeiten interdisziplinär, denken vernetzt und verbinden technisches Wissen mit gesellschaftlichem Verständnis. Diese Vielfalt ist ein Wettbewerbsvorteil, den Unternehmen stärker nutzen sollten. Wer Projekte divers besetzt, profitiert von neuen Ideen und besseren Lösungen.

Die Geschichte der IT zeigt, dass Fortschritt immer dann entsteht, wenn Menschen über Grenzen hinweg denken. Ada Lovelace, Hedy Lamarr und Grace Hopper haben das vorgemacht. Heute führen viele Freelancerinnen diese Tradition fort – mit Expertise, Mut und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Doch echte Fairness entsteht erst, wenn gleiche Arbeit auch gleich bezahlt wird. Die Einkommenslücke zeigt, dass die Branche noch immer Potenzial verschenkt. Wenn Frauen im Freelancing strukturell benachteiligt werden, verliert die Wirtschaft nicht nur wertvolle Fachkräfte, sondern auch Innovation und Produktivität. Vielfalt ist kein Zusatzprojekt, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die auf diverse Teams setzen, profitieren von unterschiedlichen Perspektiven und entwickeln bessere Lösungen. Damit Freelancerinnen ihr Potenzial voll entfalten können, braucht es faire Rahmenbedingungen, gleiche Bezahlung und mehr Sichtbarkeit. 

Thomas

Maas

CEO

freelancermap

Bevor Thomas Maas 2011 als Projektleiter bei freelancermap einstieg, war er bei Immowelt unter anderem im Produktmanagement tätig. Sein beruflicher Werdegang begann mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Dort stellte er fest, dass er nicht nur Spaß am Verkaufen hatte, sondern vor allem daran mit Menschen zu reden
Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.