Vom Hype zum Haftungsrisiko

Warum HR-KI ab August Chefsache sein muss

GenAI

Künstliche Intelligenz entwickelt sich im Personalwesen zunehmend vom Experimentierfeld zum festen Bestandteil betrieblicher Abläufe. Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck.

Mit dem bevorstehenden EU AI Act stehen Unternehmen vor der Herausforderung, den Einsatz von KI nicht nur effizient, sondern auch rechtskonform zu gestalten. Eine aktuelle Untersuchung des HR- und Payroll-Dienstleisters SD Worx zeigt, dass viele Unternehmen bereits investieren, zugleich steigt der Bedarf an klaren Regeln und neuen Kompetenzen.

Anzeige

Die Nutzung von KI-Lösungen im Personalbereich gewinnt spürbar an Dynamik. Laut der Erhebung investieren inzwischen 48 Prozent der deutschen HR-Verantwortlichen gezielt in entsprechende Technologien. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 38 Prozent.

Besonders aktiv zeigen sich europaweit mittelständische Unternehmen mit 250 bis 2.499 Beschäftigten. Mehr als die Hälfte dieser Organisationen setzt bereits finanzielle Mittel für KI-Projekte ein. Rund vier von zehn Unternehmen berichten zudem von messbaren Erfolgen ihrer bisherigen Investitionen.

Routineaufgaben werden automatisiert

Der Einsatz von KI konzentriert sich vor allem auf Bereiche, in denen Prozesse standardisiert und datengetrieben sind. Viele Unternehmen verfolgen dabei keinen vollständigen Automatisierungsansatz, sondern setzen auf eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Anzeige

Besonders verbreitet ist dieses Modell bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Dort kombinieren bereits 40 Prozent der Arbeitgeber menschliche Kontrolle mit KI-Unterstützung. Auch in der Personaleinsatzplanung sowie bei Reporting- und Analyseaufgaben kommen intelligente Systeme zunehmend zum Einsatz.

Anders sieht es bei sensiblen Themen aus. Bereiche wie das Wohlbefinden der Beschäftigten oder Fragen der psychischen Gesundheit sollen nach Ansicht vieler Unternehmen weiterhin in menschlicher Verantwortung bleiben. Mehr als die Hälfte der Befragten möchte hier bewusst auf den Einsatz von KI verzichten.

Arbeitswelt verändert sich durch neue Technologien

Mit der Einführung von KI werden nicht nur einzelne Prozesse angepasst, sondern häufig ganze Arbeitsabläufe neu gestaltet. Laut SD Worx haben bereits 45 Prozent der Unternehmen ihre Workflows verändert, um den Einsatz intelligenter Systeme besser zu integrieren.

Gleichzeitig berichten 47 Prozent der Arbeitgeber, dass bestimmte klassische Aufgaben oder Rollen durch KI an Bedeutung verlieren. Die Qualifizierung der Mitarbeitenden gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. Rund 44 Prozent der Unternehmen investieren gezielt in Weiterbildungsmaßnahmen, um ihre Teams auf den Umgang mit KI vorzubereiten.

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.

EU AI Act erhöht den Handlungsdruck

Neben den technologischen Entwicklungen rückt die Regulierung stärker in den Fokus. Der EU AI Act soll künftig strengere Anforderungen an Transparenz, Risikomanagement und Governance beim Einsatz von KI stellen – insbesondere bei Anwendungen mit erhöhtem Risiko.

Zwar wird derzeit über eine mögliche Verschiebung einzelner Fristen diskutiert, doch Experten raten Unternehmen dazu, sich frühzeitig auf die neuen Anforderungen vorzubereiten. Entscheidend wird sein, die Nutzung von KI nachvollziehbar zu dokumentieren und klare Verantwortlichkeiten festzulegen.

Nach Angaben von SD Worx verfügen aktuell bereits 47 Prozent der Arbeitgeber über Richtlinien für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI im Personalwesen. Dennoch sehen Fachleute weiteren Handlungsbedarf bei Governance-Strukturen und internen Kontrollmechanismen.

Europa zeigt unterschiedliche Reifegrade

Ein Blick auf die europäischen Länder verdeutlicht erhebliche Unterschiede bei der Einführung von KI im HR-Bereich. Besonders weit fortgeschritten sind derzeit Norwegen, Irland und Großbritannien. Diese Länder führen das europäische Ranking bei Investitionen, Weiterbildung und Prozessanpassungen an.

Deutschland bewegt sich im Mittelfeld. Während viele Unternehmen bereits konkrete Projekte umsetzen, besteht insbesondere bei der strategischen Integration und der Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen noch Entwicklungspotenzial.

Mit der wachsenden Verbreitung steigen jedoch auch die Anforderungen an Transparenz, Kontrolle und Qualifizierung. Wer die Potenziale von KI langfristig nutzen möchte, muss daher nicht nur in neue Technologien investieren, sondern auch in klare Regeln, Schulungen und eine verantwortungsvolle Governance. Damit wird der Einsatz von KI im Personalwesen immer stärker zu einer Aufgabe für die Unternehmensführung.

Pauline Dornig

Pauline

Dornig

Online-Redakteurin

IT Verlag GmbH

Anzeige

Artikel zu diesem Thema

Weitere Artikel

Newsletter
Newsletter Box

Mit Klick auf den Button "Jetzt Anmelden" stimme ich der Datenschutzerklärung zu.