Wer bei seiner Unternehmensgründung auf Skepsis stößt, arbeitet härter und ist am Ende oft erfolgreicher als jene, denen von Anfang an Erfolg vorausgesagt wird. Das zeigt eine neue Studie der North Carolina State University.
Kritik kann wehtun, aber sie kann auch anspornen. Genau das belegt eine Untersuchung von Forscher Tim Michaelis und seinem Team: Jungunternehmer, deren Geschäftsideen vom Umfeld skeptisch oder gar ablehnend beurteilt werden, zeigen deutlich mehr Engagement und Ausdauer als solche, die von Beginn an Rückenwind erhalten. Der Grund dafür ist ein psychologischer Mechanismus, den die Forscher als „Underdog-Effekt” bezeichnen: der tiefe Wunsch, alle Zweifler eines Besseren zu belehren.
„Wenn man gesagt bekommt, dass die eigene Unternehmensgründung, die eigene Idee, für die man sich engagiert, scheitern wird, kann das fast wie ein persönlicher Angriff wirken”, erklärt Michaelis. Und persönliche Angriffe, so scheint es, motivieren.
Drei Studien, ein klares Ergebnis
Um den Effekt zu belegen, führte das Team drei aufeinanderfolgende Studien durch. In der ersten befragten die Forscher 423 Unternehmer, von denen 320 irgendwann eine Scheiternsprognose erhalten hatten. Das Ergebnis war eindeutig: Wem der Misserfolg prophezeit worden war, der hatte sich merklich stärker für sein Vorhaben eingesetzt.
Die zweite Studie mit 579 Teilnehmern untersuchte gezielt die Motivation, die durch Skepsis oder Zustimmung ausgelöst wird. Auch hier zeigte sich dasselbe Muster. „Die Erinnerung an einen Moment, zu dem ihnen jemand gesagt hatte, sie würden scheitern, führte zu einer erhöhten Motivation, ihr Geschäftsvorhaben weiterzuverfolgen”, so Michaelis.
Die dritte Studie legte schließlich den Grundstein für eine Längsschnittbetrachtung: 417 Unternehmer wurden über drei Monate hinweg monatlich befragt. So konnten die Forscher eine Ausgangsbasis schaffen und messen, wie stark der Underdog-Effekt das Verhalten der Gründer im Zeitverlauf beeinflusst. Das Fazit: „Dieser Effekt führt dazu, dass Menschen härter arbeiten, sich auf ihr Vorhaben konzentrieren und sich wirklich für den Erfolg ihres Unternehmens engagieren.”
Zwischen heilsamem Zweifel und nützlicher Kritik
Die Erkenntnisse werfen allerdings auch praktische Fragen auf, die Michaelis in künftigen Studien beantworten will: Wie viel Unterstützung braucht ein Gründer und wie viel Gegenwind? Und wie lässt sich ein Unternehmer darin schulen, zwischen pauschalen Zweifeln, die als Motivationsschub taugen, und konstruktiver Kritik zu unterscheiden, die echte Schwachstellen im Geschäftsmodell aufzeigt?
Denn der Unterschied ist entscheidend: Wer jeden Einwand reflexartig als Angriff wertet und zur Motivation umdeute, läuft Gefahr, berechtigte Hinweise zu ignorieren. Die Kunst liegt offenbar darin, Skepsis als Treibstoff zu nutzen, ohne dabei den Kompass zu verlieren.
(lb/Pressetext)