Generative KI wird in deutschen Unternehmen breit genutzt, doch strukturelle Schwächen bremsen den Weg zur messbaren Wirkung. Das zeigt die Deutsche Social Collaboration Studie 2026.
Campana & Schott und die TU Darmstadt haben mehr als 200 Führungskräfte zu GenAI am digitalen Arbeitsplatz befragt. Das Ergebnis fällt zweigeteilt aus: Die Verbreitung der Technologie schreitet voran, die organisatorische Reife hält damit nicht Schritt. So haben 58,8 Prozent der befragten Unternehmen bereits in GenAI investiert, ein Anstieg von rund 20 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Doch 80,5 Prozent befinden sich nach eigener Einschätzung noch zwischen ersten Proof of Concepts und einer nur teilweisen Produktivnutzung. Eine unternehmensweite Integration in Kernprozesse haben die wenigsten erreicht.
Governance und Strategie fehlen
Besonders auffällig ist die Lücke zwischen technologischem Fortschritt und strategischer Einbettung. Unternehmen führten GenAI ein, „bevor klar ist, wie Ziele, Governance, Verantwortlichkeiten und Betriebsmodelle zusammenwirken sollen“, schreiben die Autoren. Die Folge sei eine „Umsetzungs- und Strukturlücke“, die Skalierung bremse, nicht die Technologie selbst.
Die Bereitschaft zur Nutzung ist laut Studie hoch. Doch ohne gezielte Qualifizierung entstehe laut den Autoren „ein Spannungsfeld zwischen individueller Experimentierfreude und organisationaler Überforderung“. Offene Fragen rund um Qualität, Transparenz und Verantwortung blieben in vielen Unternehmen unbeantwortet.
Einzelne Anwendungsfälle laufen gut. Der Schritt in die Breite gelingt jedoch kaum. Die Autoren fordern Ansätze, die erfolgreiche Lösungen „in standardisierte, wiederverwendbare und governance-feste Bausteine“ überführen. Als mögliches Modell nennen sie das Konzept einer sogenannten Agent Factory, ein organisatorisches und technisches Rahmenwerk, mit dem Unternehmen KI-Agenten nicht einzeln und manuell entwickeln, sondern systematisch und wiederholbar produzieren.
Erste Belege für einen positiven ROI existieren, ein systematisches KPI-System fehlt aber in den meisten Unternehmen. Wer Nutzen und Risiken nicht transparent mache, bleibe laut Studie „anfällig für Fehlwahrnehmungen, sowohl zu euphorisch als auch zu skeptisch.“
Das Gesamturteil der Autoren fällt klar aus: „Die Entwicklung verläuft insgesamt positiv, doch die strukturelle Professionalisierung hält nicht Schritt.“
Die vollständige Deutsche Social Collaboration Studie 2026 steht auf der Website von Campana & Schott zum Download bereit.
(red)