58 Prozent der Deutschen nutzen KI, doch die Abhängigkeit von US-Anbietern sorgt für Kritik. 72 Prozent fordern mehr digitale Souveränität.
KI hat sich in Deutschland als fester Bestandteil des Alltags etabliert. Laut einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom nutzen inzwischen 58 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahren KI-Anwendungen. 34 Prozent setzen die Technologie mindestens einmal pro Woche ein, während 15 Prozent täglich auf KI-Unterstützung zurückgreifen. Besonders intensiv ist die Nutzung bei den 16- bis 29-Jährigen, von denen fast jeder Dritte (29 Prozent) jeden Tag KI verwendet.
27 Prozent der Deutschen sehen KI als Gefahr
Drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) gehen davon aus, dass KI die Gesellschaft innerhalb der nächsten fünf Jahre spürbar verändern wird. Aktuell sehen 42 Prozent diese Veränderung bereits als vollzogen an. Das entspricht einem Anstieg um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die allgemeine Wahrnehmung der Technologie ist mehrheitlich positiv: 69 Prozent stufen KI eher als Chance ein, während 27 Prozent sie vorrangig als Gefahr betrachten. Dabei zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den Generationen:
- 16- bis 29-Jährige: 81 Prozent sehen Chancen, 17 Prozent Gefahren.
- Über 65-Jährige: 58 Prozent sehen Chancen, 37 Prozent Gefahren.
KI als Coach und Sparringspartner
Die Motive für den Einsatz von KI sind vielfältig und lassen sich in drei funktionale Profile unterteilen:
| Profil | Anteil | Kernvorteile |
| KI als Turbo | 58 % | Zeitersparnis, Fehlervermeidung (32 %), Kostenersparnis (20 %) |
| KI als Coach | 50 % | Verständnis komplexer Themen, Lernen von Neuem (42 %) |
| KI als Sparringspartner | 48 % | Ideenfindung, Qualitätssteigerung (46 %), Entscheidungshilfe (40 %) |
Konkret nutzen 54 Prozent der Anwender Künstliche Intelligenz für Alltagsfragen wie Kochen oder Reparaturen. 50 Prozent verfassen oder verbessern Texte, 44 Prozent suchen Rat bei persönlichen Fragen und 34 Prozent nutzen Künstliche Intelligenz für gesundheitliche Themen. Auch Finanzen (21 %) und Programmierung (10 %) gehören zu den Anwendungsfeldern.
50 Prozent sorgen sich vor der Verbreitung von Falschinformationen
Trotz der hohen Nutzungsraten bestehen spezifische Befürchtungen. 50 Prozent der Befragten sorgen sich vor der Verbreitung von Falschinformationen und ebenso viele kritisieren mangelnde Regeln und Kontrollen. Weitere Sorgenpunkte sind:
- Machtzuwachs der KI: 49 % (+5 Prozentpunkte zum Vorjahr)
- Datensicherheit: 43 %
- Fehlerhafte Ergebnisse: 41 %
- Manipulation: 27 %
- Verlust kognitiver Fähigkeiten („Verdummung“): 24 %
Unter den Nicht-Nutzern geben 54 Prozent an, klassische Suchmaschinen zu bevorzugen. 44 Prozent fehlt das Vertrauen in die Technologie und 36 Prozent sehen keinen Bedarf für den Einsatz.

Markt für KI-Dienste in Deutschland von US-Unternehmen dominiert
Der Markt für KI-Dienste wird in Deutschland fast vollständig von US-amerikanischen Unternehmen dominiert. 71 Prozent der Nutzer verwenden ChatGPT (OpenAI), 50 Prozent Google Gemini und 43 Prozent den Microsoft Copilot. Meta AI (WhatsApp) wird von 35 Prozent genutzt. Europäische Alternativen wie LeChat von Mistral kommen lediglich auf 4 Prozent.
Diese Abhängigkeit stößt auf Kritik: 72 Prozent der Befragten sehen Deutschland als zu abhängig von den USA an. 67 Prozent geben an, sie würden lieber eine KI aus Deutschland nutzen, und 65 Prozent befürworten eine eigenständige Lösung aus der Europäischen Union.
48 Prozent lehnen KI im Job ab
Im Berufsleben ist die Situation gespalten: 48 Prozent der Erwerbstätigen nutzen KI im Job, während 48 Prozent dies komplett ablehnen. 12 Prozent der Arbeitnehmer setzen KI heimlich ein, ohne dass der Arbeitgeber davon erfährt.
Ein Defizit zeigt sich bei der Qualifizierung: 37 Prozent der Erwerbstätigen geben an, dass ihr Arbeitgeber keinerlei KI-Fortbildungen anbietet. Nur 21 Prozent haben bereits an entsprechenden Maßnahmen teilgenommen.

Als größte Vorteile im Job werden die Erleichterung von Routineaufgaben und Zeitersparnis (je 47 %) genannt. Dem stehen Nachteile gegenüber: 62 Prozent sehen Unklarheiten bei der Verantwortung für Fehler und 55 Prozent bemängeln den Rückgang menschlicher Kontakte am Arbeitsplatz. 22 Prozent der Befragten haben konkret Sorge um ihren eigenen Arbeitsplatz durch den Einsatz von KI.