Ineffiziente Prozesse kosten

KI-Agenten sicher einführen – warum Abwarten teurer ist als Governance

KI, Verwaltung

Während deutsche Unternehmen den Einsatz von KI-Agenten prüfen, lautet die eigentliche Frage nicht nur, ob sie sicher sind, sondern auch, welche Kosten ineffiziente Prozesse weiterhin verursachen.

Eine im Juni vom ifo Institut veröffentlichte Studie zeigt, dass 54,5 % der deutschen Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen einsetzen – gegenüber 40,9 % im Vorjahr. Weitere 16 % planen die Einführung, und 21,6 % befinden sich in der Diskussion darüber. Das zeigt ein klares Interesse deutscher Unternehmen an der Integration von KI. Viele zögern jedoch noch, weil sie unsicher sind, wo sie KI einsetzen sollen, ob der ROI eindeutig ist und ob autonomen Systemen vertraut werden kann.

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Dieses Zögern ist verständlich, insbesondere in regulierten Branchen. Doch auch Nichtstun hat seinen Preis. Ineffiziente Prozesse bleiben manuell, Mitarbeitende verlieren Zeit mit repetitiven Aufgaben, Kunden warten länger, Compliance-Teams bleiben überlastet, und Wettbewerber beginnen, ihre Workflows rund um KI-gestützte Abläufe neu zu gestalten.

Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob der Einsatz von KI-Agenten relevant ist – diese Frage ist weitgehend beantwortet. Die entscheidende Frage lautet heute vielmehr, wo KI messbaren geschäftlichen Mehrwert schaffen kann und ob sich KI-Agenten sicher in reale Enterprise-Prozesse integrieren lassen.

Die Kosten des Zögerns zeigen sich in Service-Teams, die dieselben Fragen immer wieder beantworten, in Schadenbearbeitern, die Dokumente manuell prüfen, in Compliance-Teams, die Informationen über voneinander getrennte Systeme hinweg zusammensuchen, in Retail-Teams, die zu langsam auf die Kundennachfrage reagieren, und in Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, die Zeit für routinemäßige Koordination statt für die Unterstützung von Patienten aufwenden.

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Diese Szenarien führen zu längeren Reaktionszeiten, höheren Betriebskosten, langsamerem Customer Onboarding, geringerer Mitarbeiterproduktivität und reduzierten Kapazitäten in Teams, die ohnehin bereits unter Druck stehen. Um diese Situationen mithilfe von KI-Agenten zu verbessern, stehen viele Unternehmensleiter – insbesondere in regulierten Branchen – vor den Fragen: Wo sollten Agenten eingeführt werden? Welchen Mehrwert werden sie schaffen? Und wie können sie sicher gesteuert werden?

Mit Vorsicht vorgehen

Das Risiko besteht darin, dass Unternehmensleiter durch weiteres Zögern und das Ausbleiben des Einsatzes der richtigen KI-Agenten in den richtigen Prozessen ineffiziente Workflows unverändert lassen, während mutigere Wettbewerber voranschreiten.

Deshalb sind klare Governance, Integration und operative Verantwortlichkeiten entscheidend für die erfolgreiche Einführung von KI-Agenten. Ohne sie besteht das Risiko, fragmentierte Ebenen von Intelligenz zu schaffen, die unabhängig voneinander arbeiten. Dies kann zu doppelter Logik, inkonsistenter Entscheidungsfindung, steigenden Betriebskosten führen und den Nachweis der Compliance mit neuen regulatorischen Anforderungen in Branchen erschweren, in denen Verantwortlichkeit und Transparenz geschäftskritisch sind.

Die McKinsey 2026 AI Trust Maturity Survey ergab, dass sich der Reifegrad im Bereich Responsible AI zwar insgesamt verbessert, Strategie, Governance und Kontrollen für Agentic AI jedoch weiterhin Schwachstellen darstellen. Nur rund 30 % der Organisationen erreichten in diesen Bereichen Reifegrad drei oder höher – obwohl KI-Systeme zunehmend autonom werden und in zentrale Workflows integriert werden.

Warum Deutschlands regulierte Branchen besonders betroffen sind

Regulierte Organisationen, die innerhalb strenger Branchen-Frameworks operieren, verlangen Verantwortlichkeit, Transparenz und Auditierbarkeit – gerade diese Branchen sind besonders exponiert.

Deshalb ist vertikale Spezialisierung entscheidend. Ein KI-Agent im Bankensektor muss Onboarding-, Betrugs-, Compliance- und Kundenkonto-Workflows verstehen. Ein KI-Agent im Versicherungswesen muss Schadenprozesse, Policenformulierungen, Prüfungen auf fehlende Dokumente und Eskalationsregeln verstehen. Ein KI-Agent im Retail muss Kundenanfragen mit hohem Volumen, Retouren, Fragen zur Warenverfügbarkeit und konsistente Serviceabläufe unterstützen. Ein KI-Agent im Gesundheitswesen muss innerhalb klar definierter Grenzen im Umgang mit Patientendaten, administrativen Workflows und klinischen Eskalationen operieren.

Der Mehrwert für Unternehmen in diesen Branchen entsteht nicht dadurch, einen generischen Assistenten in jeder Abteilung einzusetzen. Er entsteht durch Agenten, die an die Prozesse, die Terminologie, das Risikoprofil und die regulatorischen Anforderungen der jeweiligen Branche angepasst sind.

Der AI Act der Europäischen Union unterstreicht diesen Ansatz ausdrücklich. Er erläutert, dass Organisationen, die KI-Agenten in Hochrisikoumgebungen einsetzen, angemessene Governance-, Aufsichts- und Risikomanagementprozesse nachweisen müssen.

Mit der zunehmenden Einführung von KI-Agenten in diesen regulierten Branchen besteht das Risiko nicht darin, dass Systeme das Falsche sagen. Das eigentliche Risiko besteht darin, dass sie das Falsche tun, indem sie Aktionen auslösen, Tools missbräuchlich verwenden oder außerhalb definierter Leitplanken operieren.

Sicherheit wird häufig als Grund genannt, die Einführung von KI-Agenten aufzuschieben. Tatsächlich sollte sie der Grund sein, den Einsatz von KI-Agenten von Anfang an richtig zu gestalten. Enterprise-Unternehmen benötigen keine unkontrollierte Autonomie, sondern KI-Agenten mit klar definierten Berechtigungen, genehmigten Datenzugriffen, menschlicher Aufsicht und Audit-Trails. Je größer die Autonomie eines KI-Agenten und je umfassender sein Zugriff auf Enterprise-Systeme ist, desto stärker und klarer müssen die entsprechenden Kontrollen ausgestaltet sein.

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Governance und Orchestrierung sind entscheidend

Governance stellt sicher, dass KI-Systeme gemäß genehmigten Richtlinien, Berechtigungen und Geschäftsregeln arbeiten. Sie schafft Klarheit darüber, wer Entscheidungen verantwortet, welchen Datenquellen vertraut wird, wie Aktionen überwacht werden und ermöglicht Innovation auf sichere Weise und im großen Maßstab.

Das Ziel sollte eine verhältnismäßige Governance sein, wie Gartner empfiehlt, um ein kohärentes Betriebsmodell zu schaffen, in dem KI Geschäftsergebnisse innerhalb eines kontrollierten Ansatzes unterstützt, der KI-Agenten nach unterschiedlichen Autonomiegraden klassifiziert.

Orchestrierung wiederum stellt sicher, dass KI nicht zu einer weiteren isolierten Technologieschicht wird. Anstatt separate Inseln der Intelligenz zu schaffen, können Organisationen KI-Fähigkeiten über bestehende Systeme, Workflows und Teams hinweg koordinieren.

Die Herausforderung für deutsche Unternehmensleiter besteht nun darin zu entscheiden, wo KI-Agenten messbaren Mehrwert schaffen können, wie sie sicher implementiert werden können und welche Kosten ineffiziente Prozesse weiterhin verursachen werden, wenn Organisationen zu lange warten.

In regulierten, kundenorientierten und prozessintensiven Branchen wie Banking, Versicherungen, Retail und Gesundheitswesen werden nicht die Unternehmen gewinnen, die die meisten KI-Tools einsetzen. Gewinnen werden diejenigen Unternehmen, die spezialisierte Agenten in genau die Workflows integrieren, in denen Geschwindigkeit, Genauigkeit, Compliance und Customer Experience am wichtigsten sind.

Es gibt aktuell die Chance, die nächste Phase der Einführung von Enterprise AI aktiv zu gestalten. Stärken in den Bereichen Engineering, Governance und operative Exzellenz schaffen beste Voraussetzungen, KI-Systeme zu entwickeln, die nicht nur innovativ, sondern auch vertrauenswürdig und skalierbar sind.

KRaft

Martin

Kraft

Managing Director EMEA & APAC

DRUID AI

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