Full-Stack Observability

IT-Umgebungen ganzheitlich überwachen

Full-Stack

Full-Stack Observability (FSO) verbessert die Sicht auf die gesamte IT erheblich. Besonders anschaulich zeigt sich das bei SAP-S/4HANA-Migrationen.

In europäischen Unternehmen zeigt sich zunehmend ein Konsolidierungstrend in Bezug auf Monitoring-Tools. Demnach sinkt die Zahl an eingesetzten Lösungen seit 2022 kontinuierlich. Bereits 10 Prozent setzen auf eine zentrale Observability-Plattform. Dies entspricht einem generellen Trend: 90 Prozent der IT-Professionals betrachten Software-Konsolidierung als Priorität, so eine Quickbase-Studie. In Deutschland kämpfen viele Unternehmen allerdings noch mit historisch gewachsenem Tool-Wildwuchs. Laut dem Observability Report von New Relic setzen 50 Prozent mehr als fünf Monitoring-Tools ein. 30 Prozent der Befragten sagen, dass Datensilos einer ganzheitlichen Sicht im Wege stehen. Ein Drittel (33 Prozent) planen aber eine Konsolidierung. Neben der besseren Transparenz spielt dabei auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle, denn ein Plattform-Ansatz spart im Vergleich zu vielen Einzellizenzen erhebliche Kosten.

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Was hinzukommt ist die wachsende Komplexität moderner IT-Architekturen, der zunehmende KI-Einsatz und DevOps. Denn wer heute entwickelt, ist auch für den Betrieb seiner Software zuständig. Moderne Applikationen sind nicht mehr monolithisch aufgebaut, sondern bestehen aus Microservice-Architekturen, in denen viele kleine Dienste miteinander verkettet sind. Tritt eine Störung auf, kann die Ursache in jedem dieser Dienste, in der darunterliegenden Infrastruktur oder bei einem externen Anbieter liegen. Ohne durchgängige Distributed Traces (also eine Ende-zu-EndeNachverfolgung einer Anfrage über alle beteiligten Systeme hinweg), die die einzelnen Schritte einer Transaktion verfolgen, lässt sich der eigentliche Engpass nicht identifizieren. Genau diese Korrelation über Services, Infrastruktur und Schnittstellen hinweg ist das, was FSO von klassischem Monitoring unterscheidet.

Observability-Lösungen in SAP-Umgebungen

Hohen Observability-Bedarf haben Unternehmen oft in ihrer SAP-Umgebung. Da im Dezember 2027 der Mainstream-Support für SAP ECC 6.0 ausläuft, entscheiden sich viele Kunden für die SAP-S/4HANA-Transformation mit RISE with SAP (auch bekannt als SAP Cloud ERP Private). In diesem Modell stellt SAP die Systeme aus der Cloud bereit und übernimmt den Betrieb, SAP Joule sorgt für den Level-1-Support. Dadurch reduzieren Unternehmen Hardware-Kosten und internen IT-Aufwand, verlieren aber auch Kontrolle. Umso wichtiger wird es, die Performance von Geschäftsprozessen zu monitoren – mit Observability, die über die traditionellen technischen Ebenen hinausgeht. Die Frage lautet nicht mehr „Sind die Systeme verfügbar?“, sondern „Laufen die Prozesse zuverlässig?“. 

Häufig werden Geschäftsprozesse über eine Vielzahl aus SAP- und Nicht-SAP-Lösungen abgebildet. Um sie zu überwachen, benötigen Unternehmen eine Observability-Plattform, die Ende-zu-Ende-Sichtbarkeit entlang der gesamten Prozesskette etabliert – auch über die SAP-Grenzen hinaus. Denn selbst, wenn die SAP-Systeme für sich alleine vollständig funktionsfähig sind, können Prozesslücken und Integrationsprobleme zu Störungen führen. 

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Damit keine Monitoring-Agenten in der geschäftskritischen SAP-Umgebung installiert werden müssen, empfiehlt sich ein nicht-invasiver, agentenloser Ansatz. Dafür benötigen Unternehmen eine für RISE with SAP zertifizierte Observability-Plattform. Diese greift über eine Schnittstelle direkt auf die SAP-eigenen Datenkollektoren zu und arbeitet mit SAP Cloud ALM zusammen. Die Daten aus den SAP-Systemen werden dann mit Traces aus Nicht-SAP-Systemen korreliert und liefern tiefe Ende-zu-Ende-Einblicke in die Prozessintegrität.

Performance-Monitoring vor der SAP S/4HANA-Migration reduziert Risiken

Viele Unternehmen berichten, dass ihre SAP-S/4HANA-Transformation erheblich teurer ausgefallen ist als prognostiziert. Um Risiken zu reduzieren, ist es wichtig, bereits vor der Migration vollständige Transparenz über die bestehenden Geschäftsprozesse zu etablieren. In einer Baseline-Analyse werden zunächst Performance-Benchmarks erfasst und die Ausgangsposition bestimmt. Während der Migration finden dann automatisierte A/B-Tests statt, um Legacy-Systeme in Echtzeit gegen die Cloud-Performance zu evaluieren. So können Unternehmen sicherstellen, dass sie keine Verluste, sondern Verbesserungen erzielen. Probleme können frühzeitig identifiziert und behoben werden. Nach dem erfolgreichen Go-Live geht es schließlich noch ans Fine-Tuning. Unternehmen können ihre Dashboards und Alerts jetzt anpassen, technische Daten mit Business-KPIs korrelieren und die Telemetrie-Daten von Drittanbieter-Systemen integrieren.

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Worauf sollten Unternehmen achten?

Viele Anbieter rechnen pro Host ab. Das hat einen entscheidenden Nachteil: Eine nicht-produktive Umgebung kostet in diesem Lizenzmodell genauso viel wie eine produktive. In Folge verzichten Unternehmen häufig darauf, Staging- oder Entwicklungs-Systeme zu instrumentieren. Genau dort entstehen aber häufig Fehler, die später in der Produktion teuer werden. Fairer und preiswerter ist dagegen die Abrechnung nach Daten-Ingest oder tatsächlich verbrauchter Rechenleistung. So lässt sich in Entwicklungsumgebungen, in denen nur wenig Daten anfallen, kostengünstig volle Transparenz etablieren. Für Unternehmen, in denen viele Mitarbeiter intensiv mit der Observability-Plattform arbeiten, kann wiederum eine Abrechnung nach lizenzierten Nutzern die beste Option sein. Ein guter Anbieter stellt verschiedene Preismodelle zur Wahl und berät zur individuell kostengünstigsten Lizenzierung.

Ganzheitliche Sicht statt Tool-Wildwuchs

Die wachsende Komplexität moderner IT-Landschaften verdeutlicht: Klassisches Monitoring reicht nicht mehr aus. Unternehmen, die Microservices, Cloud-Infrastrukturen und hybride SAP-Umgebungen betreiben, benötigen eine ganzheitliche Observability-Strategie, die isolierte Datenpunkte überwindet und einen lückenlosen Echtzeit-Blick auf die gesamte Prozesskette ermöglicht.

Besonders im Kontext der SAP-S/4HANA-Transformation zeigt sich, wie entscheidend durchgängige Transparenz über technische Systemgrenzen hinaus ist. Die relevante Frage verschiebt sich von der reinen Systemverfügbarkeit hin zur tatsächlichen Verlässlichkeit von Geschäftsprozessen. Wer bereits vor der Migration mit einer Baseline-Analyse ansetzt, automatisierte A/B-Tests nutzt und auch Staging- und Entwicklungsumgebungen vollständig überwacht, reduziert Risiken erheblich und vermeidet kostspielige Überraschungen nach dem Go-Live.

Der Markt bewegt sich klar in Richtung Konsolidierung: Plattformlösungen, die ohne invasive Agenten auskommen, nach tatsächlichem Verbrauch abrechnen und mit Standards wie RISE with SAP zertifiziert sind, setzen sich als wirtschaftlich und strategisch sinnvolle Wahl durch. Unternehmen, die jetzt in eine zukunftsfähige Observability-Plattform investieren, schaffen die Grundlage für stabile, transparente und kosteneffiziente IT-Betriebsmodelle – heute und in einer zunehmend Cloud-geprägten Zukunft.

Klaus

Kurz

Director Solutions Consulting

New Relic

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