Leben wir bald alle im Metaverse?

Metaverse

Auf Basis einer neuen Online-Umfrage zum Metaverse untersucht der Joint Innovation Hub am Fraunhofer ISI in einem jetzt veröffentlichten Whitepaper internationale Nutzerpräferenzen, Geschäftsmodelle und Innovationsprozesse im Metaverse. Die Umfrage zeigt: Das Metaverse hat das Potential, große Auswirkungen auf Arbeit, Mobilität und Wohnen zu haben. Außerdem untersucht die Studie mögliche Geschäftsmodelle im Internet der Zukunft und zeigt Wege auf, wie Unternehmen einen Zugang zum Metaverse finden können.

Das Metaverse ist seit Kurzem in aller Munde. Doch was ist das Metaverse überhaupt? Eine klare Definition ist schwer zu fassen. Das Metaverse besteht aus virtuellen Welten, in denen Menschen miteinander interagieren können. Besonders die Verbindung mit modernsten Technologien wie der virtuellen Realität (virtual reality, VR), erweiterter Realität (augmented reality, AR) sowie eine wachsende digitale Anbindung vieler Lebensbereiche bilden die Grundlage, die das Metaverse aktuell auch für Unternehmen so interessant machen.

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Repräsentative Online-Umfrage zum Metaverse

In der zwischen April und Juli 2022 durchgeführten Online-Umfrage wurden fast 2000 Personen aus drei verschiedenen Ländern befragt. In der Analyse konnten insgesamt 1620 Antworten berücksichtigt werden, 540 Menschen aus Deutschland, 580 aus den USA sowie 500 aus China. Die Stichproben sind repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Wohnort und Erwerbstätigkeit gestaltet. 15 Prozent aller Befragten hatten vor der Umfrage noch nie vom Metaverse gehört, wurden nach einer inhaltlichen visuellen und textlichen Aufklärung über das Metaverse in den folgenden Fragen weiter berücksichtigt. Fast jeder Zweite gab an, eine Art des Metaverse bereits genutzt zu haben.

Jeder Fünfte kann sich ein vollständig digitales Leben vorstellen

Die absolute Mehrheit der Menschen aus allen betrachteten Ländern kann sich zumindest eine teilweise Verlagerung von Aktivitäten ins Metaverse vorstellen. Im internationalen Vergleich zeigten sich aber einige Diskrepanzen. Nur jeder zehnte Deutsche kann sich ein vollständig digitales Leben vorstellen, in China ist die Bereitschaft mehr als dreimal so hoch (34 Prozent). Die Ablehnung unter den betrachteten Ländern ist mit 27 Prozent in Deutschland am höchsten, in China mit acht Prozent am geringsten.

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Reisen, Shopping, Eventbesuche – bald alles auch virtuell?

Auch wenn technisch ausgereifte Metaverse-Anwendungen aktuell noch auf sich warten lassen und auch der jüngste Metaverse-Einblick von Meta-Chef Mark Zuckerberg in der Öffentlichkeit hinter den Erwartungen eher zurückblieb, werden in Zukunft wohl viele Aktivitäten auch virtuell möglich sein. Auf den oberen drei Plätzen von gewünschten Aktivitäten im Metaverse gaben die Befragten Reisen, Shopping und den Besuch von Events an. Arbeiten im Metaverse interessierte weniger als ein Drittel der Befragten. Bei der Frage nach einer Einschätzung der Zeitverteilung gehen jedoch alle Befragten davon aus, dass der Posten Arbeit in Zukunft die zeitintensivste Aktivität im Metaverse darstellen wird.

Marktpotential des Metaverse in China besonders hoch

Bei der Frage nach den akzeptierten Kosten für nötiges technisches Equipment sowie monatliche Kosten für den Zugang zum Metaverse zeigte die Befragung vor allem bei Menschen aus China eine hohe Zahlungsbereitschaft. Beim Zugang zum Metaverse belief sie sich bei Befragten aus China auf monatlich umgerechnet 304 Euro. Befragte aus Deutschland waren nur bereit, durchschnittlich 42 Euro im Monat hierfür auszugeben, Befragte aus den USA umgerechnet 124 Euro. Die Studie errechnete so ein potenzielles jährliches Marktpotential insgesamt 5,3 Billionen Euro: 33 Milliarden Euro für Deutschland, 394 Milliarden Euro für die USA und 4,9 Billionen Euro für China. Demzufolge könnte China der kommerzielle Leitmarkt für die Entwicklung des Metaverse werden.

Auswirkungen auf Geschäftsmodelle verschiedener Branchen

Die möglichen Veränderungen durch das Metaverse in zukünftigen Arbeits- und Lebenswelten können je nach Perspektive als Chance oder Herausforderung betrachtet werden. Während der Übergang in digitalen Branchen wie der Videospiel-Industrie vergleichsweise geringe Veränderungen im Geschäftsmodell mit sich bringen dürfte, werden andere Bereiche wie Shopping, Essenslieferung und Dating größeres Potential für neue Vertriebswege und Absatzkanäle mit sich bringen. Produkte wie beispielsweise Autos können virtuell getestet werden, selbst wenn Menschen noch nicht das Mindestalter zum Führen eines Pkws erreicht haben. Im Bildungssektor und bei gemeinschaftlicher Arbeit können zukünftig noch mehr Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsort eingebunden werden. Die Corona-Pandemie leistete hier bereits einen ersten Digitalisierungsschub.

Wird durch das Metaverse zukünftig weniger Wohnraum benötigt?

Abschließend wurde den Befragten die Frage gestellt, ob sie dazu bereit sind, zugunsten des Metaverses auf (über die Grundbedürfnisse hinausgehenden) Wohnraum, Arbeitszeit und Reisen in der Realität zu verzichten. Insgesamt sind bis zu etwa drei Viertel der Menschen dazu bereit, die geringste Veränderungsbereitschaft liegt hier bei Deutschen vor, die höchste bei chinesischen Befragten. Im Vergleich zum Reisen und zur Reduktion von Arbeitszeit in der realen Welt sind die Hemmungen beim Verzicht auf Wohnraum zugunsten des Metaverse jedoch am stärksten ausgeprägt.

Studienautor Dr.-Ing. Daniel Duwe vom Joint Innovation Hub am Fraunhofer ISI stellt abschließend fest: »Die Ergebnisse unserer Umfrage legen nahe, dass das Metaverse durch die Reduktion von Reisen in der realen Welt zum Klimaschutz und zu mehr Nachhaltigkeit beitragen kann. Dies gilt besonders dann, wenn regenerativer Strom für die Server genutzt wird. Eine größere Verlagerung von Lebensbereichen in die digitale Welt kann außerdem dazu beitragen, die Wohnraumnachfrage in der Realität und folglich die Wohnraumknappheit und Wohnkosten zu reduzieren. Bemerkenswert war für uns zudem die im Vergleich zu China recht große Skepsis und Zurückhaltung der deutschen Befragten gegenüber dem Metaversum sowie beim Thema Zahlungsbereitschaft für diese neuen Geschäftsmodelle. Woran dies genau liegt und wie wir dies ändern können, werden wir in zukünftigen Forschungsprojekten untersuchen.«

www.isi.fraunhofer.de

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