Enterprise Search in 2022 — Sieben Trends und Vorhersagen

Angesichts einer beschleunigten digitalen Transformation des Arbeitsplatzes schält sich die Bedeutung unternehmensweiter Suche immer klarer heraus. Enterprise Search ist quasi zur Schlüsseltechnologie moderner Arbeitsweisen geworden. Der Enterprise-Search-Spezialist Sinequa diagnostiziert in diesem Bereich gegenwärtig sieben Haupttrends.

Unternehmensweite Suche wird demnach die Strategien zur digitalen Transformation im Jahr 2022 und darüber hinaus stark beeinflussen.

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1. Verständnis natürlicher Sprache (Natural Language Understanding = NLU) wird wichtiger

Bisherige Suchtechnologien konzentrierten sich in erster Linie auf das Zählen von Wörtern und die statistische Analyse von Wortformen, ergänzt durch Natural Language Processing. Mit dem Aufkommen großer Sprachmodelle (z. B. BERT von Google) ändert sich dies;  Websuche ist ohne das Verständnis natürlicher Sprache heute nicht mehr state-of-the-art. Die Komplexität von NLU und die hierfür erforderliche Rechenleistung haben seine Integration in Enterprise Search bislang allerdings ausgebremst. Inzwischen sorgen Fortschritte bei der neuronalen Suche und die effiziente Anwendung solcher Technologien dafür, dass sie sich auch in der Unternehmenswelt durchsetzen werden. Nutzerinnen und Nutzer werden von einem bislang nicht dagewesenen Maß an Genauigkeit und kontextbezogener Relevanz durch das Verstehen von Bedeutungen profitieren. 

Vorhersage: Wie bei jeder „neuen“ Technologie ist Anfang 2022 mit einer schrittweisen Einführung zu rechnen, wobei sich Neural Search-Funktionen im Laufe des Jahres von einem „Nice-to-have“ zu einem „Must“ entwickeln werden. Hier wird viel Marktgetöse zu erwarten sein, da sich die Anbieter mit den Vorzügen ihrer jeweiligen Technologien zu überbieten versuchen und Kunden sich gleichzeitig intensiv mit der Anwendung von Anwendung von NLU auseinandersetzen werden.

2. Wiedergeburt des Wissensmanagements

Die Idee existiert schon seit einem halben Jahrhundert und ihre Popularität und Priorität hat immer wieder geschwankt. Mit dem raschen Vormarsch der Telearbeit nun gewinnt Knowledge Management erneuten Schwung und wird im Jahr 2022 auf der Agenda der CEOs weiter nach oben rücken. Diese wollen bzw. müssen sicherstellen, dass ihre Beschäftigten auch am digitalen Arbeitsplatz im Home-Office alle Informationen zur Verfügung gestellt bekommen, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen. KM ist in gleich dreierlei Hinsicht ein strategischer Imperativ für 2022 und darüber hinaus: 1. Seinen Beschäftigten die Arbeit zu erleichtern, erhöht ihre Bindung an das Unternehmen. 2. Der Zugang zu Wissen unabhängig vom Arbeitsort fördert hybride Arbeitsmodelle. 3. KM schützt vor dem Verlust institutionellen Wissens, wenn Beschäftigte das Unternehmen verlassen. 

Vorhersage: Große Unternehmen werden KM-Führungspositionen wie Chief Knowledge Officers (CKO) und Chief Learning Officers (CLO) aufwerten und ausbauen, während der Chief Digital Officer zum Standard wird. Nach der Pandemie sind die meisten Unternehmen digitale Unternehmen.

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3. KM erweitert sich zu organisatorischer Intelligenz

Knowledge Management heißt nicht mehr nur Informationsmanagement und -kontrolle, sondern es erweitert sich zu einer Form menschlicher Intelligenz. Menschen, Informationen und Skills sind die wertvollsten Ressourcen eines Unternehmens. Dessen Zukunft hängt davon ab, wie das kollektive Wissen innerhalb einer Organisation erworben, organisiert, geteilt, bewahrt, angewendet und weiterentwickelt wird. Für die Informationsdrehscheibe KM ist dies von zentraler Bedeutung. Vor allem deren Anwendung (hier wird der Wert des Wissens realisiert) und ihre Weiterentwicklung (dadurch erhalten Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit) sind kritische Komponenten. Unternehmen brauchen bessere Möglichkeiten, dieses Wissen dynamisch und organisch nutzbar zu machen. 

Vorhersage: 2022 wird das Jahr, in dem das Wort „Intelligenz“ alle digitalen Initiativen prägt. Insbesondere die Förderung der Zusammenarbeit durch organisatorische Intelligenz und die Ergänzung der menschlichen Entscheidungsfindung durch neue Tools der Entscheidungsintelligenz – angetrieben durch maschinelles Lernen, KI und Deep Learning – werden das Geschehen bestimmen.

4. Anwendungen zersplittern mehr und mehr

Im Durchschnitt nutzt ein Angestellter täglich 35 Anwendungen für seine Arbeit. Diese Zersplitterung führt zu einer hohen kognitiven Belastung, um den Arbeitsfluss über so viele unzusammenhängende Systeme aufrechtzuerhalten. Große Unternehmen versuchen bereits, das digitale Chaos mit Ökosystemen wie Microsoft Teams zu konsolidieren. Ein einheitlicher Arbeitsbereich ist aber nicht möglich ohne eine konsistente Methode für den Zugriff auf Inhalte und die Nutzung von Wissen aus dem gesamten Unternehmen. Eine umfassende Suche – auf Ebene des Unternehmens, nicht des Ökosystems – ist der einzige Weg, um Klarheit in das Chaos zu bringen, Aufgabenwechsel zu reduzieren und die kognitive Belastung auf die Gewinnung von Erkenntnissen umzulenken. 

Vorhersage: Der Produktivitätsgewinn durch spezialisierte Anwendungen ist unbestritten. Deshalb ist damit zu rechnen, dass diese sich weiter aufsplittern und Unternehmen mit einer Vielzahl möglicher Lösungen experimentieren werden. Suche wird in diesem Zusammenhang die einzige bewährte Möglichkeit, nahtlos mit Wissen zu interagieren.

5: Push statt Pull: Informationen finden den Menschen und nicht umgekehrt 

Angesichts der heutigen Fülle an Informationen und deren oft kurzer Halbwertszeit sind digitale Arbeitskräfte auf ihre Fähigkeit angewiesen, schnell die richtigen Informationen zu finden. Führungskräfte müssen darauf hinwirken, neue Technologien einzuführen, die dynamisch und proaktiv Informationen in den Arbeitsablauf einsteuern. Benutzerdefinierte Insight-Anwendungen stellen die Suche auf den Kopf und zeigen relevante Suchergebnisse an, während der Beschäftigte seine Arbeit erledigt – ohne diese für jede Suche neu unterbrechen zu müssen. 

Vorhersage: Wissensorientierte Unternehmen beginnen, das Paradigma von „Pull“ (Suche) zu „Push“ (proaktive Bereitstellung von Erkenntnissen) zu ändern, und zwar genau dann, wenn man sie benötigt. 2022 wird ein Jahr, in dem KI und neuronale Suche eingesetzt werden, damit das Wissen die Beschäftigten von selbst findet.

6.  Spezialisierte Low/No-Code Search-Based-Insight-Apps statt Einheitssuche  

Jede Suche ist anders. Wie man Informationen finden will oder muss, ist keine Einheitsgröße, die für alle gilt. Mit spezialisierten Insight Apps lassen sich individuelle Suchanforderungen für spezielle Anwendungsfälle besser erfüllen. Diese waren bisher weder schnell zu entwickeln und zu implementieren noch einfach zu warten, was ihre Verfügbarkeit einschränkte. Mittels Low/No-Code-Frameworks können Unternehmen solche Apps heute selbstständig ohne großes technisches Wissen erstellen. So können mehr Suchfunktionen von mehr Beschäftigten in mehr Kontexten genutzt werden.

Vorhersage: Durch Einsatz von Low-/No-Code-Frameworks wird die durchschnittliche Anzahl der Anwendungsfälle – und der entsprechenden benutzerdefinierten Insight-Apps – zunehmen. Statt Punktlösungen, die auf einer engen Anwendung der Suche basieren, gehört die Zukunft Plattformen, die die Relevanz der Suche für mehrere Anwendungsfälle in einem einzigen Produkt nutzbar machen.

7: In die Cloud wechseln – und sie dann auch nutzen!

Aus der Cloud lassen sich Funktionalitäten beziehen, die on-premises nicht unbedingt so einfach zu nutzen sind. Rechenkapazitäten zum Beispiel, wie sie für neuronale Suche, Sprache-zu-Text-Anwendungen und Übersetzungen erforderlich sind – KI-Techniken, die im Bereich von Enterprise Search mehr und mehr zum Einsatz kommen. Die hohen Anforderungen dieser anspruchsvollen Techniken erfordern aber eine Optimierung, um Rechenkosten und den CO2-Abdruck zu minimieren.

Vorhersage: Unternehmen haben begonnen, Cloud-Rechenleistungen für KI, NLU und neuronale Suche zu nutzen. Technologieplattformen müssen für die verschiedenen Cloud-Anbieter optimiert werden, damit Cloud-basierte Kunden diese Fähigkeiten voll ausschöpfen können.

Fazit

Da das Tempo des digitalen Wandels in der Wirtschaft bis 2022 keine Anzeichen einer Verlangsamung zeigt, ist die Zukunft der Unternehmenssuche weiterhin vielversprechend. Zwei große Kräfte werden die Art und Weise, wie wir in diesem Jahr mit Wissen arbeiten, verändern. Das Aufkommen von NLU mit neuronaler Suche wird neue Möglichkeiten eröffnen, ebenso wie der Druck für ein besseres Wissensmanagement in der „neuen Normalität“: verteilten, hybriden und asynchronen Arbeitsplätzen. Intelligente Suchplattformen sind dieser Aufgabe gewachsen. Sie versetzen Unternehmen in die Lage, bessere Erkenntnisse zu gewinnen und proaktiv relevantes Wissen in den Arbeitsablauf einzusteuern.

Jeff Evernham

Sinequa -

Vice President Product Strategy

Jeff Evernham blickt auf 30 Jahre Erfahrung in den Bereichen Data Analytics Consulting, Professional Services, Vertrieb und Engineering bei mehreren Software- und Unternehmensberatungsfirmen zurück und hat einen Abschluss als Master of Engineering vom MIT. 

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