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Quell: Gil C / Shutterstock.com

Das Weltwirtschaftsforum in Davos erarbeitet jährlich Prognosen zu den größten Risiken der Welt. Das Risiko einer Pandemie hat man wohl als gering eingeschätzt – es stand nicht auf der Agenda der wahrscheinlichen Szenarien. Das zeigt vor allem, dass kaum jemand mit einem solchen wirtschaftlichen Ausmaß der Corona-Pandemie gerechnet hat.

Mit anderen Risiken, deren Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich höher liegt, dagegen schon. Und diese bleiben trotz Corona weiter bestehen. Das bedeutet: An der grundsätzlichen Einschätzung der weltweiten ökonomischen Risiken hat sich nichts geändert. Es ist lediglich eines hinzugekommen, das seit Wochen die Nachrichten bestimmt. Unternehmen tun allerdings gut daran, den Blick vor den anderen Risiken mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit nicht zu verschließen.

Seit 2014 gehört das Thema Cyber-Sicherheit dazu, im Jahr 2019 ergänzt durch Datendiebstahl. IT umfasste also im letzten Jahr bereits zwei von fünf Risiken. Die drei weiteren Hauptrisiken bildeten 2019 die Umweltthemen Wetterextreme, Scheitern des Klimaschutzes und Naturkatastrophen. Weder wirtschaftliche, noch geopolitische oder gesellschaftliche Themen wie Börsencrashs, Kriege, soziale Ungerechtigkeiten oder Krankheiten schafften es 2019 auf die Liste. Im Jahr 2020 dann eine erstaunliche Entwicklung: Die beiden IT-Themen wurden ersetzt durch weitere Umwelt-Themen: Verlust von Biodiversität und Zusammenbruch von Ökosystemen sowie menschengemachte Umweltschäden. Wohl gemerkt: Herausgeber des Global Risks Report ist nicht Fridays for Future, sondern das wichtigste Jahrestreffen der weltwirtschaftlichen Ökonomie.

Nur wer sein Unternehmen kennt, kann es sinnvoll verändern

Immer mehr Unternehmen haben bis zum Beginn der Corona-Pandemie den auch von der Politik mit dem Klimaabkommen von Paris und dem von der EU-Kommission ausgerufenen Green Deal aufgenommen, um sich bis 2030 oder spätestens 2050 komplett klimaneutral zu stellen. Der Allianz für Entwicklung und Klima, vom Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dr. Gerd Müller initiiert, haben sich bis heute bereits mehr als 600 Unternehmen angeschlossen. Vermeiden, vermindern oder kompensieren – das sind kurz und knapp die drei Optionen, mit denen sich diese Unternehmen auseinandersetzen. Wer sich im eigenen Unternehmen mit Fragen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz und CO2-Reduzierung beschäftigt, stellt schnell fest, dass ein zentraler Aspekt das Sammeln und Auswerten von Daten betrifft. Nur wer sein Unternehmen kennt, wer Abläufe analysiert und bisher unentdeckte Beziehungen zwischen verschiedenen Funktionen im Unternehmen aufdeckt, kann Strukturen in diesem Sinne verändern.

IT im Zugzwang

Für die IT entstehen damit große Anforderungen. Wer CO2 vermeiden, vermindern oder kompensieren will, muss erst einmal messen und bewerten. Dazu gehört das umfassende Digitalisieren möglichst vieler Prozesse im Unternehmen, das Vernetzen von Systemen, dann das Sammeln von Informationen, indem Daten aus diversen Systemen mit unterschiedlichsten Formaten in Systeme für die Datenauswertung integriert werden, schließlich das intelligente Kombinieren und Auswerten und schließlich das Zurückspielen der Ergebnisse in den Geschäfts- oder Produktionsprozess.

Es geht also - wie bisher fast immer in der IT - um die umfassende und möglichst schnelle Optimierung von Geschäftsprozessen – diesmal mit einem auf ökologische Fragestellungen fokussierten Anforderungskatalog. Die Komponenten dafür sind grundsätzlich vorhanden. Auf der Fertigungsebene helfen Sensoren an Maschinen und Produktionsmanagementsysteme, Abläufe zu optimieren. Von hier geht es über Beschaffung, Lagerhaltung, Finanz- und Rechnungswesen sowie Controlling bis zu Vertrieb, Marketing, Logistik und Human Resources. Im Außenverhältnis kommen die Anbindungen an Kunden, Lieferanten und Partnern hinzu, wobei die Daten mal auf eigenen Servern in einem Rechenzentrum oder in mehreren Ländern, mal verteilt in verschiedenen Clouds liegen.

Automatisieren bedeutet vermeiden

Je höher Automatisierungsgrad und Standardisierung der Datenintegration, desto größer ist das Potenzial in den Bereichen ‚Vermeiden‘ und ‚Vermindern‘. Damit leistet die IT dann wieder einen direkten Kostenbeitrag zum Unternehmensergebnis, denn wer vermeidet und vermindert, muss kein Geld für’s Kompensieren ausgeben.

Die vom Weltwirtschaftsforum in Davos herausgestellten Risiken für die globale Ökonomie wirken sich mit steigenden CO2-Abgaben, der Veränderung von Produktwelten (etwa in der Autoindustrie) und dem Risiko von Reputationsverlusten heute bereits auf einen wesentlichen Teil der fertigenden Industrie aus. Die systematische Nutzung der Möglichkeiten der IT in allen Unternehmensbereichen inklusive Datenintegration und Datenanalyse ist die konsequente Antwort darauf. Transparenz und in ihrer Folge die Optimierung von Produkt bis Prozess funktionieren am besten über die drei großen D: die möglichst umfassende Digitalisierung, Datenintegration und Datenauswertung. Neben einer erhöhten Handlungsfähigkeit während des Corona-Lockdowns profitieren eben auch die Themen Klimaschutz und menschengemachte Umweltschäden von einer gut aufgestellten IT und transparenten automatisierten Prozessen.

Steffen Brehme, Leiter Software-Entwicklung
Steffen Brehme
Leiter Software-Entwicklung, Lobster GmbH
Steffen Brehme studierte ab 1988 in Tralee (Irland) Informatik. Nach Abschluss war er Anfang der 90er Mitgründer von SimpleWork (Warenwirtschafts-System), das man 96 verkaufte. Anfang 97 wurde er Interims-IT-Leiter bei Maxdata, Ende 97 war er Mitgründer der Beans AG (Shop-System), 2002 Mitgründer der Lobster GmbH (gut 100 MA, 1000 Kunden). Steffen ist Leiter Software-Entwicklung und Geschäftsführer bei Lobster und der geistige Vater des Hauptprodukts Lobster_data, Standard-Software für hybride Datenintegration.

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