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KIKünstliche Intelligenz ist in deutschen Unternehmen angekommen. Die Erwartungen sind hoch: Sie soll zukunftssicher und wettbewerbsfähig machen. Doch wer erfolgreich sein will, sollte vordergründigen Aktionismus vermeiden und stattdessen mit Sorgfalt seine eigene Roadmap entwickeln.

In fast jedem zweiten deutschen Unternehmen treibt die Geschäftsführung den Einsatz künstlicher Intelligenz voran. Sopra Steria Consulting hat im Februar 2017 über 200 Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Demnach erwarten 70 Prozent der Entscheider, dass künstliche Intelligenz ab 2025 einen großen bis sehr großen Einfluss auf die Unternehmensstrategie haben wird.

Geschäftsführung treibt Einsatz von KI voran

Doch bei aller Euphorie dürfen Entscheider nicht davon ausgehen, dass der Einsatz von KI ihr Unternehmen automatisch zukunftssicher und wettbewerbsfähig machen wird. KI hat das Potenzial, in den kommenden zehn Jahren ein echter Game Changer zu werden. Das funktioniert aber nicht, wenn künstliche Intelligenz irgendwie und -wo mitläuft. Es geht vielmehr darum, das Potenzial von KI gezielt zu nutzen, um Unternehmensprozesse von Grund auf zu verändern und neue Geschäftsmodelle auf der Basis von Machine Learning, Predictive Analytics und dem Internet der Dinge zu entwickeln. Investitionen in KI sind eine strategische Weichenstellung in die Zukunft – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Für diese strategischen Investitionen müssen sich Entscheider fragen, ob ihr Unternehmen für den Einsatz von KI überhaupt schon reif ist, also ausreichend vernetzt und automatisiert. Zudem ist auch die Auswahl der richtigen Partner für die Entwicklung und Integration von KI eine strategische Entscheidung. Es besteht also kein Grund, sich vorschnell an einen bestimmten Technologie-Anbieter zu binden. Es gilt vielmehr, Aktionismus zu vermeiden und eine eigene Roadmap zu entwickeln. Gleichzeitig dürfen Entscheider die wichtigsten Hemmnisse – etwa Ängste in der Belegschaft über die Zukunft bestimmter Arbeitsplätze – nicht ignorieren.

Einführung von KI ist Chefsache

Es ist gut und richtig, dass vor allem die Geschäftsleitungen den Einsatz von KI vorantreiben. Künstliche Intelligenz hat hohe strategische Relevanz und sollte damit Chefsache sein. Zur oben angemahnten Prüfung vor der Einführung gehört es, mögliche Anwendungsbereiche gründlich zu sondieren – auch wenn brancheninterner Wettbewerb und öffentlicher Diskurs Unternehmensleitungen unter den Druck setzen, sich jetzt mit dem Thema zu beschäftigen, um besser noch heute als morgen endlich agiler zu werden. Typische Bereiche für den Einsatz von KI sind zum Beispiel Kundenservice, Marketing, Vertrieb, Produktionssteuerung, Risikomanagement und Personalwesen – derzeit vor allem in der Automobilindustrie sowie bei Versicherungen und Banken. Gerade im Dienstleistungsbereich gibt es etliche Einsatzmöglichkeiten für intelligente Systeme, etwa in Form von Chatbots bei der Beantwortung von Kundenanfragen oder für die Automatisierung wiederkehrender Abläufe, die einzeln dokumentiert werden müssen, um den eigenen Bestimmungen und gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen.

Hauptgründe für Einsatz von KI in Unternehmen

Im Bankensektor können mit Hilfe von KI beispielsweise Risiken bei der Kreditvergabe wesentlich genauer und individueller betrachtet werden. Mit Big Data angereicherte Analysen und Prognosen können das voraussichtliche Zahlungsverhalten ermitteln, zahlreiche Variablen (etwa bei Bauprojekten) berücksichtigen und so auf breiter Informationsbasis schnelle Entscheidungsgrundlagen schaffen. Bei Ermittlungen zu Geldwäsche oder Versicherungsbetrug durchkämmen intelligente Algorithmen Tausende von Transaktionen und erkennen dabei Muster und Zusammenhänge. Energiekonzerne setzen KI zur flexiblen Steuerung ihrer Netze und Versorgungsleistungen ein. In der Logistik steigert KI-gestütztes Lieferketten- und Flottenmanagement die Effizienz und sorgt gleichzeitig für einen niedrigeren CO2-Ausstoß. Unternehmen können also auf vielfältige Weise von der Interaktion mit Maschinen über natürliche Sprache, von Technologien zur Sprach- und Bilderkennung, intelligenter Informationsanreicherung oder der Nutzung externer KI profitieren.

Reife-Überlegungen

Zur sorgfältigen Evaluierung gehört auch die selbstkritische Betrachtung der digitalen Reife (Digital Readiness) des Gesamtunternehmens sowie der einzelnen Fachbereiche. Verschaffen Sie sich einen umfassenden Überblick über die vorhandene IT und mögliche Digitalisierungslücken. Nur so können Sie klären, welche Voraussetzungen Ihr Unternehmen für KI mitbringt, wo sich Einsatzmöglichkeiten bieten und wo Investitions- und Umstrukturierungsbedarf besteht. Unternehmen, in denen die Vernetzung, die Automatisierung von Vertriebs-, Marketing- und Serviceprozessen sowie die Einbindung von Online-Kanälen bisher nur wenig ausgeprägt sind, können in der Regel kurzfristig kaum Nutzen aus den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz ziehen.

Road(map) to Intelligence

Nach Sondierung und Evaluation geht es an die Umsetzung. Unternehmen sollten sich dafür eine Roadmap geben, in der die angestrebten Geschäftsziele und -modelle ebenso definiert sind wie die Strategie, die Organisation und ihre Steuerung, die Führungskultur und der kontinuierliche Aufbau von Wissen und Fähigkeiten. Angesichts des hohen Entwicklungs- und Innovationstempos von KI sollte die Roadmap flexibel genug sein, um Neuerungen aufnehmen zu können, die sich erst auf der Reise auftun.

Die breite Verfügbarkeit von IT-Infrastruktur, Anwendungen und Diensten aus sicheren Clouds macht kapitalbindende Investitionen in neue Ausstattung weitgehend überflüssig. Auch besteht kein Grund dafür, sich auf Gedeih und Verderb an einen bestimmten Technologieanbieter zu binden. Es kann jedoch sinnvoll sein, sich die Ökosysteme anzuschauen, die rund um die Plattformen bekannter Technologieanbieter (beispielsweise Microsoft Azure oder IBM Watson) bereits entstanden sind und stetig wachsen. Hier finden sich vielfältige Anregungen für konkrete Anwendungsfelder und Best Practices, aber auch potenzielle Partner für gemeinsame (Entwicklungs- und KI-Nutzungs-)Projekte.

Kommunikation ist alles, aber nicht zu jeder Zeit

Wägen Sie genau ab, wie und wann Sie den geplanten Einsatz intelligenter Systeme kommunizieren. Denn Transparenz zum falschen Zeitpunkt kann große Unruhe in das Unternehmen bringen. Sie sollten sich möglicher Ängste und Vorurteile bewusst sein und Ihren Mitarbeitern und dem Betriebsrat ausreichend Gelegenheit (und Anleitung) geben, sich auf Algorithmen und Roboter einzustellen. Führungsebene und Personalabteilung sollten ausreichend Zeit für ein umfassendes Change Management bekommen, denn in der Debatte wird künstliche Intelligenz nicht nur positiv und als Chance für Wachstum und Innovation wahrgenommen. Gerade im betrieblichen Umfeld gibt es auch das Angstszenario von totaler Kontrolle, Maschinenherrschaft und Massenarbeitslosigkeit. Pläne zur intelligenten Automatisierung dürften daher sowohl auf Widerstand in der Belegschaft treffen als auch auf Bewahrer und Besitzstandsverteidiger im mittleren und oberen Management. Vorbehalte und mögliche Widerstände müssen konstruktiv auf-, Ängste und Sorgen ernst genommen werden; nur so haben KI-Projekte Aussicht auf den ansonsten wohlverdienten und erhofften Erfolg.

Die Zahl der Abteilungen, Einsatzszenarien und Branchen, die sich mit KI auseinandersetzen, wird wachsen, so viel scheint sicher. Mittelfristig wird künstliche Intelligenz Wirtschaft und Gesellschaft ganz selbstverständlich durchdringen, denn die Weiterentwicklung selbstlernender, interaktionsfähiger Systeme ist nicht aufzuhalten. Wer heute gründlich sondiert und evaluiert, schafft die Grundlagen für den Boom durch Cognitive Computing und Machine Learning. Die Umsätze mit Hardware, Software und Services in diesen Bereichen könnten bis 2020 ca. 21,2 Milliarden Euro erreichen, schätzt der Digitalverband Bitkom. Es werden die Unternehmen davon profitieren, die rechtzeitig, aber besonnen und überlegt die Weichen in die Zukunft stellen und die Reise mit dem ersten Schritt beginnen.

Urs M. KrämerUrs M. Krämer, CEO, Sopra Steria Consulting

www.soprasteria.de
 

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