Deutschlands Rechenzentrumsmarkt erreicht eine neue Größenordnung: Allein Frankfurt hat inzwischen mehr als ein Gigawatt operative Colocation-Kapazität.
Gleichzeitig zeigen steigende Projektzahlen und lange Netzanschlusszeiten, dass nicht nur Server, Stromversorgung und Kühlung über den Erfolg neuer Standorte entscheiden, sondern auch die Infrastruktur für die Menschen, die solche Projekte planen und betreiben.
Milliardenmarkt mit wachsendem Kapazitätsbedarf
Die Entwicklung in Frankfurt steht stellvertretend für den Reifegrad des deutschen Rechenzentrumsmarktes. Nach Angaben von CBRE hat die Stadt die Marke von einem Gigawatt verfügbarer Colocation-Kapazität überschritten.
Auch auf nationaler Ebene ist weiteres Wachstum absehbar. Eine Untersuchung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz bezifferte die Rechenzentrumskapazität in Deutschland für 2024 auf rund 2.730 Megawatt. Bis 2030 könnte dieser Wert auf etwa 4.800 Megawatt steigen.
Damit nimmt nicht nur die Zahl einzelner Rechenzentren zu. Gleichzeitig entstehen umfangreiche Programme, bei denen mehrere Standorte parallel geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. Das erhöht die Anforderungen an die zeitliche Koordination sämtlicher Projektphasen.
Der Stromanschluss wird zum kritischen Faktor
Eine der größten Herausforderungen liegt inzwischen außerhalb des eigentlichen Rechenzentrums. Verfügbarkeit und Ausbau der Stromnetze bestimmen zunehmend, wann neue Kapazitäten tatsächlich ans Netz gehen können.
Auch Frankfurt steht dabei vor entsprechenden Herausforderungen. Laut einer Analyse von Ember entfielen bereits 2023 schätzungsweise zwischen 33 und 42 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Stadt auf Rechenzentren.
Hinzu kommen lange Wartezeiten für neue Netzanschlüsse. Die Internationale Energieagentur weist darauf hin, dass der Ausbau neuer Übertragungsinfrastruktur in Industrieländern teilweise vier bis acht Jahre dauern kann. Auch die Europäische Kommission sieht Verzögerungen beim Netzausbau als zunehmendes Hindernis für neue Anschlüsse.
Für Betreiber und Entwickler entsteht dadurch ein schwieriges Spannungsfeld: Die technische Planung und der Bau müssen voranschreiten, obwohl zentrale Voraussetzungen für den späteren Betrieb möglicherweise noch nicht vollständig verfügbar sind.
Projektteams können nicht auf den Netzanschluss warten
Ein verzögerter Netzanschluss bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Arbeiten an einem Rechenzentrumsprojekt stillstehen. Bauplanung, Genehmigungen, Compliance, Sicherheitskonzepte und Vorbereitungen für die Inbetriebnahme müssen weiterhin organisiert werden.
Dafür benötigen die beteiligten Teams eine funktionierende Arbeitsumgebung in der Nähe des Standorts. Gerade bei großen Projekten sind zahlreiche Akteure beteiligt – von Projektleitung und Baukoordination über Facility Management und Kundenvertretungen bis hin zu Sicherheits- und Compliance-Teams.
Entsprechend wichtig sind Büros, Besprechungsräume und Bereiche für Briefings und Abstimmungen. Sie bilden zwar keinen Teil der eigentlichen IT-Infrastruktur, können aber entscheidend dafür sein, dass die einzelnen Projektphasen koordiniert ablaufen.
Modulare Gebäude als flexible Lösung
Genau hier setzt das Konzept modularer Büroflächen an. Der Anbieter Portakabin stellt beispielsweise vorgefertigte Bürogebäude außerhalb der Baustelle her und bringt sie anschließend zum jeweiligen Einsatzort.
Der Vorteil liegt vor allem in der Geschwindigkeit. Nach Angaben des Unternehmens können solche Gebäude unter kontrollierten Bedingungen in Deutschland produziert und bis zu 70 Prozent schneller bereitgestellt werden als konventionelle Bauweisen.
Die Arbeitsflächen lassen sich dabei an die jeweilige Projektphase anpassen. Während der Bauphase können beispielsweise größere Flächen für Projekt- und Bauteams benötigt werden. Mit Beginn der Inbetriebnahme verändern sich die Anforderungen und später kann sich der Bedarf erneut verschieben, wenn der Standort in den regulären Betrieb übergeht.
Zeitgewinn entsteht nicht nur bei der Technik
Meinolf Topphoff, Head of Commercial bei Portakabin, sieht gerade in der parallelen Vorbereitung einen wichtigen Hebel: „Rechenzentrumsprogramme sind zeitkritisch, und ein großer Teil des Fortschritts findet außerhalb der rein technischen Umsetzung statt. Teams benötigen sichere und funktionale Büroflächen in Standortnähe, um Koordination, Genehmigungsprozesse, Inbetriebnahmepläne und die Betriebsbereitschaft parallel zum Gesamtzeitplan konsequent voranzutreiben.“
Werden solche Flächen bereits außerhalb des eigentlichen Baustellenbetriebs vorbereitet, kann das laut Topphoff den Aufwand auf dem Gelände reduzieren. Gleichzeitig lassen sich Zugänge, Lieferungen und Arbeitsabläufe besser organisieren.
Infrastruktur für Menschen wird zum Teil der Projektplanung
Mit dem Wachstum der Rechenzentrumsbranche verändert sich damit auch die Definition dessen, was für einen erfolgreichen Standort erforderlich ist. Die technische Infrastruktur bleibt der zentrale Bestandteil, doch daneben entsteht ein immer komplexeres organisatorisches Umfeld.
Je größer und mehrphasiger Projekte werden, desto wichtiger wird es, dass Teams dauerhaft arbeitsfähig bleiben. Sichere Büros und Besprechungsräume ermöglichen regelmäßige Abstimmungen, Audits, Schulungen und Entscheidungen direkt am Standort.
Gerade bei Projekten, deren Zeitplan durch externe Faktoren wie Netzanschlüsse beeinflusst wird, können solche Maßnahmen helfen, zumindest diejenigen Abläufe zu beschleunigen, die unmittelbar kontrollierbar sind.
Deutschlands Rechenzentrumsboom braucht mehr als zusätzliche Megawatt
Die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten dürfte in Deutschland weiter steigen. Die Prognose von 2.730 auf 4.800 Megawatt bis 2030 verdeutlicht die Dimension des erwarteten Ausbaus.
Ob neue Kapazitäten tatsächlich schnell genug verfügbar werden, hängt allerdings nicht allein von Investitionen in Server, Gebäude und Energieversorgung ab. Netzanschlüsse, Genehmigungen, Bauabläufe und die Organisation der beteiligten Teams werden zunehmend zu entscheidenden Faktoren.
Für Betreiber und Entwickler bedeutet das, den gesamten Bereitstellungsprozess im Blick zu behalten. Neben der Frage, wann Strom verfügbar ist und wann die technische Infrastruktur fertiggestellt werden kann, gehört dazu auch die Frage, wie die Menschen vor Ort während der gesamten Projektlaufzeit effizient arbeiten können.
(red/Portakabin)