Kommentar

Gaia-X kann das unabhängige Cloud-Netzwerk sein, das Europa braucht

Seit seiner Vorstellung im Oktober musste das von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier angekündigte Projekt Gaia-X viel Kritik einstecken: Zu viele Details der Umsetzung waren einfach zu unklar. Einzig bei der Zielestellung waren sich die meisten europäischen Marktbeobachter jedoch einig: Eine europäische Cloud als Gegengewicht zu den US-Amerikanischen Platzhirschen würde tatsächlich viel Sinn ergeben.

Bei Leaseweb, einem europäischen Cloud- und Hostinganbieter, klang das Projekt positiv an. Ein Kommentar von Marcus Busch, dem Geschäftsführer der Leaseweb aus Frankfurt, der das Projekt Gaia-X aus der Sicht eines lokalen Hosters sieht. Der straffe Zeitplan, nachdem Gaia-X noch in diesem Jahr stehen soll, lässt ihn dabei kalt. Sein Kommentar dazu: “Gaia-X gibt es im Kern bereits!”

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“Die Cloud hat sich längst zu einer wichtigen Kraft bei der Bereitstellung von IT-Infrastruktur etabliert. Doch die Dominanz der US-amerikanischen Hyperscaler hat viele europäische Unternehmen aber auch Regierungen in eine zunehmend schwierige Lage gebracht. Es geht um die Unabhängigkeit der in Europa ansässigen Organisationen von den Marktführern in den USA sowie den Vorschriften und Praktiken, unter denen diese Unternehmen auch europäische Daten verarbeiten. Deutschland und Frankreich haben sich nun durch einen neuen Vorstoß vorgenommen, europäische Daten besser zu schützen. Auch die Niederlande stehen als wichtiger Cloud-Standort bereit und in den kommenden Monaten sollen noch weitere Länder mit an Bord kommen, um ein neues souveränes Ökosystem zu schaffen: Gaia-X. Das Projekt Gaia-X ist eine Initiative, die sichere und souveräne europäische Dateninfrastruktur bereitstellen soll. Gaia-X soll durch lokale Gesetze reguliert werden und komplett unabhängig von der Rechtsprechung fremder Regionen sein. Und viel wichtiger: Sie soll von europäischen Dienstleistern umgesetzt werden.

Die Datenhoheit steht im Mittelpunkt

Die neue Plattform soll so einen Großteil der Risiken der Datenüberwachung beseitigen, die mit den Cloud-Angeboten der derzeitigen Marktführer aus den USA verbunden sind. Diese können dann keine Daten mehr an die US-Institutionen übermitteln, egal wo sich diese Daten befinden. Es überrascht nicht, dass Unternehmen wie Amazon und Microsoft Gaia-X kritisch gegenüberstehen. Das Wall Street Journal berichtete über Stimmen, die befürchten, dass die neue Plattform Datendienste nicht mehr über Ländergrenzen hinweg leisten könnte. Es ist unwahrscheinlich, dass die US-Anbieter Gaia-X mit offenen Armen empfangen werden.

Gaia-X gibt es im Kern bereits

Der Zeitplan dafür ist straff: Von der Dateninfrastruktur, den Data-Warehouses, dem Datenpooling bis hin zur Entwicklung der Dateninteroperabilität soll Gaia-X noch in diesem Jahr realisiert werden. Dies klingt zwar ambitioniert, ist aber durchaus realisierbar. Denn tatsächlich gibt es längst lokale, europäische Anbieter, die bereits umsetzen, was Gaia-X verspricht. Es geht also unter anderem darum, die unterschiedlichen Angebote dieser Anbieter technologisch und vermarktungstechnisch unter einem Dach zu vereinen.

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Gaia-X bietet Chance für Europa

Egal, wie die Umsetzung letzten Endes gestaltet werden wird, Leaseweb Deutschland unterstützt die Gaia-X-Initiative tatkräftig, um die Schaffung eines europaweiten Cloud-Netzes sicherzustellen. Auch zahlreiche lokale Unternehmen, für die das Risiko der Datenüberwachung schon lange ein ernstes Problem war, wollen die neue Plattform aktiv unterstützen. Generell erwarten wir, dass das Projekt erfolgreich sein und sich das Ergebnis der Initiative positiv auf die Digitalisierung des europäischen Marktes auswirken kann.”

Marcus Busch

Leaseweb -

Geschäftsführer

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