Softwarequalität im KI-Zeitalter

Agentic Quality Engineering: Im KI-Zeitalter wird Qualität zur Chefsache

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Neuer Tricentis AI Workspace (Quelle: Tricentis)

Jahrelang war Qualitätssicherung das Stiefkind der Softwareentwicklung. Mit dem KI-Boom ändert sich das grundlegend. Wer jetzt nicht investiert, läuft Gefahr, ähnlich gravierende Folgen zu erleben wie Unternehmen, die Cybersecurity zu spät ernst genommen haben.

Der KI-Boom hat in der Softwareentwicklung eine Dynamik erzeugt, die sich kaum noch bremsen lässt. Budgets fließen in Copiloten und Code-Generatoren, Release-Zyklen verkürzen sich, Entwicklerproduktivität steigt messbar. Doch mehr Code bedeutet zwangsläufig mehr potenzielle Fehlerquellen. In modernen Enterprise-Umgebungen, in denen Dutzende von Anwendungen miteinander vernetzt sind, kann ein einzelner fehlerhafter Baustein kaskadenhafte Ausfälle auslösen. „Fast richtig” ist kein akzeptabler Zustand. Es ist ein handfestes Betriebsrisiko, das früher oder später auf dem Tisch der Geschäftsführung landet.

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Das nächste große Boardroom-Thema

Vor zehn bis fünfzehn Jahren war Cybersicherheit in vielen Unternehmen noch eine rein technische Angelegenheit, angesiedelt in der IT-Abteilung und wenig sichtbar für die Führungsebene. Dann kamen die ersten großen Datenpannen, die regulatorischen Konsequenzen, die Reputationsschäden. Plötzlich war Security ein Vorstandsthema. Chief Information Security Officers rückten vom Maschinenraum ins Rampenlicht.

Softwarequalität steht heute an einem sehr ähnlichen Punkt. Mit dem Einsatz generativer KI in der Entwicklung wächst das Risikopotenzial in einem Tempo, das klassische Qualitätssicherungs-Strukturen schlicht überfordert. Das Problem ist nicht fehlendes Bewusstsein für Qualität, sondern dass die vorhandenen Werkzeuge und Metriken für eine andere Zeit gebaut wurden. Denn am Ende geht es um mehr als interne Stabilität: Unternehmen können im Wettbewerb nur bestehen, wenn sie Software schnell genug liefern, um Kunden zu begeistern, und zuverlässig genug arbeiten, um sie zu halten. Beides gleichzeitig funktioniert nur mit Qualität als Fundament.

Warum klassische Metriken versagen

Code-Abdeckung galt jahrzehntelang als Goldstandard im Testing. Heute ist sie bestenfalls eine grobe Orientierungsgröße. Die schiere Menge an KI-generiertem Code macht vollständige Abdeckung praktisch unerreichbar. Entscheidender aber:

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Sie sagt nichts darüber aus, was geschäftlich wirklich auf dem Spiel steht. Eine hohe Abdeckungsquote kann trügerische Sicherheit erzeugen, während kritische Risiken unentdeckt bleiben.

Die relevanten Fragen lauten heute anders. Was passiert, wenn dieser Teil der Software ausfällt? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt? Wo muss gezielt eingegriffen werden, um das zu verhindern? Diese Fragen lassen sich mit klassischen Testmetriken nicht beantworten. Gefragt ist eine Herangehensweise, die Risiko und Geschäftsrelevanz in den Mittelpunkt stellt, nicht Vollständigkeit um ihrer selbst willen.

Das Gegengewicht zur generativen KI

Eine tragfähige KI-Strategie in der Softwareentwicklung braucht zwei Seiten: generative KI, die Code erstellt, und eine analytische KI-Schicht, die Qualität, Risiko und Compliance kontinuierlich überwacht. Nicht sequenziell, sondern parallel und vollständig in den Delivery-Prozess integriert. Erst dieses Gleichgewicht macht Geschwindigkeit nachhaltig.

Genau dieses Prinzip liegt dem Tricentis AI Workspace zugrunde, den das Unternehmen am 10. März 2026 als erste durchgängige Plattform für Agentic Quality Engineering vorgestellt hat. Die Plattform orchestriert ein Team spezialisierter KI-Agenten mit klar definierten Verantwortlichkeiten entlang des gesamten Software Development Lifecycle, bei gemeinsamem Kontext und nativer Zusammenarbeit zwischen den Agenten. Zum Start bringt Tricentis vier eigene Agenten für die Softwarequalitätssicherung mit – die Plattform ist jedoch von Anfang an offen konzipiert und lässt sich um beliebig viele externe Agenten erweitern.

Vier Agenten, ein gemeinsamer Kontext

Anders als isolierte Einzellösungen, die jeweils nur einen Ausschnitt des Entwicklungsprozesses abdecken, teilen alle Agenten im AI Workspace denselben Kontext und arbeiten nativ zusammen. Qualitätssicherung wird so kein nachgelagerter Schritt mehr, sondern ein integrierter Bestandteil des gesamten Delivery-Prozesses. Im Einzelnen übernehmen die vier spezialisierte Agenten klar definierte Aufgaben:

Agentic Performance Testing beschleunigt Performance-Erkenntnisse um bis zu 90 bis 95 Prozent gegenüber manuellen Prozessen, von der API-Ebene bis zu End-to-End-Systemen.

Agentic Quality Intelligence interpretiert kontinuierlich Änderungs-, Risiko- und Qualitätssignale und bewertet die Release-Bereitschaft vollautomatisch, mit menschlichen Eskalationspunkten dort, wo fachliches Urteilsvermögen erforderlich ist.

Agentic Test Automation generiert und führt End-to-End-Tests durch, unterstützt SAP GUI und Webanwendungen und nutzt bestehende Testmodule intelligent wieder, was Wartungsaufwand und Redundanzen deutlich reduziert.

Agentic Test Creation arbeitet direkt in Tricentis qTest, ermöglicht Testerstellung in natürlicher Sprache und reduziert die Abhängigkeit von Spezialkenntnissen.

Autonomie mit Aufsicht

Ein zentrales Designprinzip des AI Workspace ist, dass Automatisierung nicht mit Kontrollverlust einhergeht. KI-Agenten übernehmen Routineaufgaben, verdichten Signale und bereiten Entscheidungen vor. An definierten Punkten eskalieren sie an Menschen, aber nur dort, wo echtes Urteilsvermögen gefragt ist. Qualitätsverantwortliche rücken so von reaktiver Fehlersuche ab und übernehmen eine strategischere Rolle: Go/No-Go-Entscheidungen auf Basis verlässlicher, verdichteter Risikodaten.

Von der Experimentierphase zur Skalierung

Viele Unternehmen haben erste KI-Piloten im Testing hinter sich: einzelne Use Cases, isolierte Teams, begrenzte Automatisierungen. Der entscheidende nächste Schritt ist die unternehmensweite Skalierung. Der AI Workspace adressiert genau diesen Übergang, mit zentralisierter Policy-Durchsetzung, vollständigen Audit-Trails und der Möglichkeit, KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse zu integrieren, zu verwalten und zu steuern. Das senkt die Einstiegshürde erheblich und macht die Technologie auch für Teams zugänglich, die bisher ohne KI-Expertise gearbeitet haben.

So wie Cybersicherheit irgendwann aufgehört hat, ein Nischenthema für Spezialisten zu sein, wird Qualitätssicherung zur Querschnittsaufgabe, verankert in Prozessen, Tools und Verantwortlichkeiten quer durch das Unternehmen. Agile Wettbewerber, die diesen Wandel früher vollziehen, verschaffen sich Vorteile, die sich nicht so leicht aufholen lassen. Qualitätssicherung war lange das letzte Glied in der Kette. Im KI-Zeitalter wird sie zur Chefsache.

Roman

Zednik

Field CTO

Tricentis

In seiner Rolle als Field CTO arbeitet er eng mit Kunden und Partnern zusammen, um technische Produktinnovationen voranzutreiben. Zudem fungiert er als Sprecher und Evangelist auf Events und Branchenveranstaltungen und unterstützt den strategischen Vertrieb. Zuvor leitete Zednik über neun Jahre lang die internationale Presales Solution Architects Organisation bei Tricentis.
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