Microsofts Preiserhöhungen: Zeit, unabhängiger zu agieren

Microsoft HQ
Bildquelle: Volodymyr Kyrylyuk / Shutterstock.com

Die jüngste Preiserhöhung von Microsoft zum 1. April ist keine einmalige Geschichte. Vielmehr reiht sie sich in eine kontinuierliche Strategie ein, die Unternehmen vor neuerliche Herausforderungen stellt. Angesichts der wiederkehrenden Preiserhöhungen sollten sie ihre IT-Strategie überdenken und sich so weit wie möglich aus der Abhängigkeit befreien.

Microsofts Preispolitik zeigt eines deutlich: Dessen Macht im Softwaremarkt ist durch Abo-Produkte wie M365 so stark angewachsen, dass von echtem Wettbewerb kaum noch die Rede sein kann. Dies stellt der Analyst Axel Oppermann von Avispador in einem aktuellen Handelsblatt-Artikel fest: Bereits 30-40 Prozent der Cloud-Kunden sind auf Office-Abonnements umgestiegen – eine kritischer Schwellenwert. Microsofts Verhalten wurde schon in einem früheren Handelsblatt-Bericht als rücksichtslos bezeichnet und beanstandet, dass der Konzern seine Konditionen teilweise „brutal“ durchsetze.

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Unzufriedenheit bei Unternehmen und Führungskräften

Die April-Preiserhöhung demonstriert die strikte Preisanhebungspolitik Microsofts ganz aktuell. Immerhin waren die Preise für M365 bereits im vergangenen Jahr um bis zu 25 Prozent gestiegen. Als Begründung führt die Konzernführung regelmäßig angebliche Wechselkursschwankungen zum US-Dollar an, die momentan jedoch gar nicht zutreffen. Wie das Handelsblatt berichtet, haben die Preiserhöhungen für Abonnements einen Grad erreicht, der sogar Vorstandsvorsitzende verärgert. Kunden, deren Abo-Verträge zu verschiedenen Zeiten auslaufen, müssen sich mit Steigerungen von 30 bis 40 Prozent auseinandersetzen – so der Verhandlungsexperte René Schumann. Ein solcher Anstieg führt vielerorts zu blankem Entsetzen. Bei einem mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro wäre mit einer Kostensteigerung von sechs Millionen Euro zu rechnen, wenn man von jährlichen Kosten von 20 Millionen Euro für Microsoft-Produkte ausgeht.

Neben dem Preisanstieg bei Abonnements bietet Microsoft auch Premium-Produkte an, die zusätzliche Ausgaben bewirken. Berichten zufolge verschiebt das Unternehmen Funktionen aus Standard-Produktpaketen in jeweils teurere Angebote, ein Beispiel dafür ist Teams. Außerdem wird erwartet, dass Microsoft weitere Anreize für Premium-Leistungen schafft – insbesondere im Hype-Bereich KI-Assistenten.

Gartners Warnung vor Kompetenzverlust 

Neu ist das alles nicht. Bereits 2021 mahnte das renommierte Marktanalyse- und Forschungsunternehmen Gartner in einer weltweiten Studie: Ein Grund für die aktuelle Situation auf Kundenseite ist, dass heute jeder als Technologieeinkäufer agieren kann, obwohl oft die erforderlichen Fähigkeiten fehlen. Dies sei Teil eines seit vielen Jahren andauernden und bedenklichen Trends, demzufolge sich in Unternehmen und Institutionen Kompetenz abbaut. Dieser ginge mit einem unkontrollierten Wachstum von Abhängigkeiten einher, insbesondere von US-Softwaregiganten. Ein möglicher Lösungsansatz bestünde darin, dass sich das Verhandlungsteam sich von der IT-Abteilung distanziert. Schließlich fühlt sich diese zu Microsoft oft geradezu emotional hingezogen.

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Ein gangbarer Weg gegen die Software-Dominanz

Interessant ist, dass klassische Softwarelizenzen sowie Hardware und Angebote für Privatkunden bisher nicht von Preiserhöhungen betroffen sind. Das verweist darauf, dass europäische Werte und Freiheiten durchaus Gewicht haben und sich behaupten können. Allerdings ist diese Einflussnahme keineswegs selbstverständlich: Sie erfordert ein angemessenes Bewusstsein und Engagement. Die Ergebnisse der rechtlichen Auseinandersetzungen bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) und BGH, welche den heutigen Gebrauchtmarkt für klassische Softwarelizenzen ermöglicht haben, sind noch immer spürbar. Microsofts Dominanz wurde hier ein entscheidendes Gegengewicht entgegengesetzt, dessen Wirkung bis heute anhält.

Ausgewogener Mix schützt Investitionen 

Der Gebrauchtsoftwaremarkt stellt jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Das europäische Juwel durchbricht die Machtstrukturen großer Softwareanbieter und bewahrt Kunden Eigentumsrechte und Grundfreiheiten. Diese Grundprinzipien unbedacht für Abonnement-Modelle aufzugeben, obwohl aktuelle On-Premises-Versionen weiterhin verfügbar sind, rächt sich nun vielerorts. Wie Gartner kürzlich bestätigt hat, sind On-Premise-Versionen vorzuziehen – vor allem, um den Kosteneffekten von Cloud-Abonnements zu entkommen.

„Ein ausgewogener Mix aus aktuellen klassischen On-Premise-Softwarelizenzen und bedarfsorientierten integrativen Cloud-Services schützt die Investitionen von Unternehmen und bietet gleichzeitig die geforderte Dynamik“, weiß Andreas E. Thyen, Verwaltungsratspräsident der LizenzDirekt AG, und betont: „Für On-Premise-Lizenzen („Perpetual“) spricht das vom Kunden erworbene ‚Eigentum‘, das in eigenen IT-Strukturen bis hin zu wechselnder Cloud-Infrastruktur oft flexibel eingesetzt werden kann.“ 

Fazit

Mit einer Preispolitik wie dieser umzugehen, verlangt Unternehmen einiges ab. Jene, die bereits Abonnements einsetzen, sollten gründlich nachrechnen. Als elementare betriebswirtschaftliche Fähigkeiten dürfen Führungskräfte weder das Risikomanagement noch die Steuerung von Kernprozessen vernachlässigen. Schuldzuweisungen allein führen jedoch nicht aus der Misere. Stattdessen gilt es, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Es müssen alle rechtlich abgesicherten Optionen ausgeschöpft werden, um für Planungssicherheit im Unternehmen zu sorgen.

Andreas E. Thyen

LizenzDirekt AG -

Präsident des Verwaltungsrats

Andreas E. Thyen ist Präsident des Verwaltungsrats der LizenzDirekt AG und bereits seit über 20 Jahren in führenden Positionen auf dem Gebrauchtsoftware-Markt tätig. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war insbesondere die Klärung rechtlicher Fragestellungen. Er ist zudem ausgewiesener Experte für den Einsatz von gebrauchten Software-Lizenzen im Behördenmarkt. (Bildquelle: Lizenzdirekt)
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