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Microsoft

Bildquelle: Volodymyr Kyrylyuk / Shutterstock.com

2021 ist das Jahr, in dem Microsoft für Überraschungen sorgt. Entgegen seines Mantras, die Cloud sei die erstrebenswerteste Form der Software-Lizenzierung, bringt der Konzern gleich drei käufliche Lizenzen heraus: den Windows Server 2022, Office 2021 und Windows 11 – alle drei Schwergewichte in der microsoft‘schen Produktpalette.

Bekanntermaßen betreibt der Hersteller gern den Abgesang auf on-premises und propagiert seine Cloud. Was also hat es mit den Kauflizenzen auf sich? Warum die neuen Versionen? Wie innovativ sind sie wirklich, was ist für Unternehmen anders, gut... oder auch nicht?

Microsoft Windows Server 2022

Wie ein Zugeständnis mutet der Windows Server 2022 an. Denn dass er als on-premises-Variante kommt, muss wohl daran liegen, dass nach wie vor viele Unternehmen ihr Betriebssystem lokal installieren und möglichst wenige Anwendungen mit der Microsoft-Cloud verbinden wollen. Den Windows Server 2022 wird es nur als LTSC-Version geben. Halbjährliche Channel-Releases sind nicht mehr vorgesehen. Dafür wird er fünf Jahre lang im Mainstream-Support und weitere fünf Jahre im Extended Support unterstützt. Bereitgestellt wird der Server als Standard, Datacenter und Datacenter Azure Edition. Die OEM-Version ist bereits gelauncht. Volumenlizenzen sollen ab Oktober handelbar sein. Alle zwei bis drei Jahre plant Microsoft nach eigener Aussage neue Versionen. Das Programm basiert auf Windows 10 und bleibt auch optisch daran angelehnt, nicht etwa am neuen Betriebssystem Windows 11. Statt Microsoft Edge kommt in Zukunft Chromium-Edge zum Einsatz.

Die neuen Funktionen bieten vor allem einen verbesserten, mehrschichtigen Schutz gegen Cyber-Bedrohungen, zusätzliche Sicherheitsebenen für die sichere Konnektivität zu geschäftskritischen Ressourcen und die standardmäßig aktivierte Unterstützung für HTTPS und TLS 1.3. Mit Azure Arc kann der Windows Server 2022 vor Ort verwaltet und gesteuert werden. Virtuelle Maschinen können dank neuem Windows Admin Center besser betreut werden. Hier lassen sich auch .NET-Anwen-
dungen mit dem neuen Containerisierungs-Tool aktualisieren. Soll von on-premises nach Azure migriert werden, unterstützt dies der Storage Migration Service. Last but not least sorgen reduzierte Image-Größen der Container-Anwendungen für einen schnelleren Download und eine vereinfachte Implementierung von Netzwerkrichtlinien. Nicht ganz klar ist bisher, ob das Hosting von Hyper-V-Plattformen in virtuellen Maschinen weiterhin in der Standardedition enthalten sein wird oder nur in der Enterprise-Variante. Wer es nutzt, für den wäre das durchaus ein Problem. Denn Hyper-V müsste mit dem Windows Server 2022 über Azure laufen, was zu explodierenden Kosten führen kann.

Microsoft Office 2021

Kommen wir zu Office. Auch hier erstaunte zunächst die Ankündigung, dass auf Office 2019 noch weitere on-premises-Versionen folgen. Dass es sie gibt, ist wie beim Windows Server sicher ein Hinweis auf die anhaltend große Nachfrage nach lokal installierten Computerprogrammen. Microsoft Office 2021 für Unternehmen kommt ab 5. Oktober 2021 in den Editio-
nen Standard und Professional Plus auf den Markt. Beide beinhalten OneNote und Teams, wobei noch nicht klar ist, ob deren Nutzung kostenfrei sein wird. So weit, so gut. Unschön hingegen, dass Microsoft die Preise der Kauflizenz gegenüber Office 2019 anhebt – im Raum stehen 10 Prozent – und gleichzeitig die Supportlaufzeit von sieben auf fünf Jahre verkürzt. Auch Office 2021 wird es nur als LTSC-Edition geben.

Das entspricht im Prinzip einer heutigen Office-Lizenz ohne Software Assurance. Es scheint, als statte Microsoft das neue on-prem-Office stiefmütterlicher aus als seine Cloud-Pläne. Fragt sich, warum dann upgraden? Tatsächlich bestünde der nennenswerteste Vorteil im integrierten Teams. Doch für Unternehmen, die dies mit bestehenden Office-Paketen nutzen wollen, gibt es bereits eine kostengünstige Lösung: Die Kombination von Office 2019 ProPlus mit M365 Business Basic, wie es der Microsoft Gold Partner VENDOSOFT vorschlägt. Wer dennoch über ein Upgrade nachdenkt, ist mit Blick auf die Funktionalitäten und Support-Laufzeiten ebenso gut mit Office 2019 und 2016 beraten. Preislich sowieso – denn beide gibt es weit unter dem Neupreis für Office 2021 gebraucht zu kaufen!

Microsoft Windows 11

Lange Zeit hieß es aus der Firmenzentrale in Redmond, eine Nachfolge für Windows 10 sei nicht geplant. Schon deshalb kam die Ankündigung zu Windows 11 überraschend. Nach Startschwierigkeiten im Juni soll das neue Betriebssystem ab Oktober 2021 ausgerollt werden. In Bezug auf seine Funktionalität ist Windows 11 kein Quantensprung gegenüber dem Vorgänger – eher eine Iteration. Verbessert wurden die Benutzeroberfläche und das Startmenü. Sie muten nun ein wenig Apple-like an, orientieren sich jedenfalls eindeutig am Marktbegleiter. Optisch und/oder funktional neu sind abgerundete Ecken, modernere Icons und ein neuer Widgets-Bereich. Snap-Gruppen und Snap-Layouts bieten mehr Flexibilität und
Wahlmöglichkeiten bei der Einrichtung eines Displays mit mehreren Fenstern. Über den neu gestalteten Microsoft Store können neuerdings auch Android-Apps installiert werden. Sie stammen aus dem

App Store von Amazon. Das bedeutet zwar mehr Reichweite als bisher. Aber weniger als sie beispielsweise Google Play bietet. Auch ist die Anmeldung auf einem Amazon-Konto notwendig, um die Apps herunterzuladen. Hardwareseitig benötigt Windows 11 Prozessoren, die ungefähr ab 2016/2017 hergestellt wurden (für Intel-PCs ab 8. Pentium- und Atom-Chips). Microsoft begründet dies mit den Sicherheits-Features, die Prozessoren erst seit diesem Zeitpunkt bieten. Auch eine Unterstützung für TPM (Trusted Platform Module) ist obligatorisch.

Damit sind wir bei den Nachteilen angekommen. Für ältere Geräte ist eine Installation mit Windows 11 uninteressant oder extrem kostspielig. Wie gewohnt wird es regelmäßig Sicherheits-Updates geben. Feature Updates sind jedoch nur noch einmal im Jahr vorgesehen, anstatt wie bisher zweimal jährlich. Positiv wäre zu bewerten, wenn in das neue Betriebssystem tatsächlich Microsoft Teams eingebacken wurde. Hierzu gibt es jedoch noch keine offiziellen Angaben. Denkbar – und wahrscheinlicher – ist, dass Teams vorkonfiguriert ist, aber nicht
im Preis enthalten. Fragt sich, ob Windows 11 Unternehmen einen echten Mehrwert bietet? Das eher nicht. Microsoft hat keine grundlegenden Änderungen vorgenommen und hätte
ebenso gut seine Updates für Windows 10 fortsetzen können. Es geht gar das Gerücht, der Konzern sei von den Microsoft Partnern zu einer neuen Version gedrängt worden. Dahinter steht wohl die Hoffnung, mehr Hardware verkaufen zu können, auf der das neue Betriebssystem installiert wird.

Fragwürdige Intention

Mit den Kauflizenzen Windows Server 2022, Office 2021 und Windows 11 scheint sich Microsoft am Bedarf derjenigen Unternehmen und Organisationen zu orientieren, die es nicht in die Cloud zieht. Doch meint man zu spüren, dass die neuen On-Prem-Produkte weniger ‚kommod‘ daherkommen sollen als ihre Pendants aus der Cloud. Kaum oder nur unwesentliche Funktionsverbesserungen zeugen davon. Aber auch eingeschränkte Flexibilitäten und das Entfernen von Bausteinen, die in früheren Versionen enthalten waren. Wer diese weiterhin nutzen will (und darauf meist angewiesen ist), den erwarten kostspielige Workarounds. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Leitung Kommunikation,Vendosoft GmbH

Markus Seirer, Microsoft Licensing Professional, Vendosoft GmbH

 


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