Ein böswilliger Gesprächspartner konnte über einen Fehler in der Bibliothek RingRTC verhindern, dass Anrufe vollständig beendet werden. Ein Update behebt das.
Signal: Sicherheitslücke ließ Anrufe nach dem Auflegen offen

In der Bibliothek RingRTC, die Sprach- und Videoanrufe im Messenger Signal abwickelt, steckte eine kritische Sicherheitslücke. Ein böswilliger Gesprächspartner konnte darüber verhindern, dass ein Anruf nach dem Auflegen vollständig beendet wird. Der Ton und möglicherweise auch das Video des anderen Teilnehmers wurden dann weiter übertragen, obwohl dieser glaubte, das Gespräch beendet zu haben. Die Lücke mit der Kennung CVE-2026-113380 betrifft RingRTC-Versionen vor 2.72.0 und ist mit einem CVSS-4.0-Wert von 9,3 als kritisch eingestuft. Die US-Organisation MITRE hat den Eintrag veröffentlicht.
„Ein Teilnehmer, der die FSM-Warteschlange eines Anrufs sättigt, kann verhindern, dass ein lokales Auflegen den Anruf (mit seiner Audio- und möglicherweise auch Videospur) beendet.”
MITRE
Überlastete Warteschlange blockiert das Auflegen
RingRTC baut auf der Technik WebRTC auf und steuert Anrufe über einen endlichen Automaten (Finite State Machine, FSM), der Ereignisse in einer Warteschlange abarbeitet. Flutet ein Teilnehmer diese Warteschlange mit Anfragen, bleibt der Befehl zum Auflegen dahinter hängen. Laut einem konzeptionellen Proof of Concept des Entdeckers Imahian startet der Angreifer dafür einen gewöhnlichen Signal-Anruf und überlastet anschließend die Warteschlange. Die Lücke betrifft nicht die Verschlüsselung von Signal, sondern nur das Beenden von Anrufen. Ausnutzen lässt sie sich nur von einem Teilnehmer des Gesprächs, nicht von Dritten, die den verschlüsselten Datenverkehr abfangen. Hinweise auf eine Ausnutzung in freier Wildbahn gibt es nicht.
Update schon im September
Ein Signal-Entwickler hatte die Korrektur bereits am 4. September eingereicht. In Version 2.72.0 erkennt der Automat Anfragen zum Beenden unabhängig von der Warteschlange. Zudem verhindert eine Zeitbegrenzung, dass eine blockierte Verarbeitung das Auflegen dauerhaft verhindert. Neue Tests prüfen, ob beim Auflegen die Verbindung geschlossen, der ausgehende Ton abgeschaltet und die Übertragung von Mediendaten beendet wird.
Betroffen sind laut der Analyse alle Signal-Apps für Android, iOS und Desktop, die eine ältere Version von RingRTC enthalten. Welche App-Versionen die Korrektur enthalten, hat Signal nicht im Detail mitgeteilt. Nutzer sollten ihre Signal-Apps auf allen Geräten auf den neuesten Stand bringen.
(red)




