Die privaten Schlüssel der Zwischenzertifikate ließen sich in Sekunden berechnen. Browser blockieren sie, Linux-Distributionen und Apps ziehen nach.
eMudhra: Acht CA-Zertifikate mit knackbaren Schlüsseln

Die indische Zertifizierungsstelle eMudhra hat acht ihrer Zwischenzertifikate widerrufen, nachdem bekannt wurde, dass sich deren private Schlüssel nahezu sofort berechnen lassen. Wer einen dieser Schlüssel besitzt, kann für jede beliebige Website ein Zertifikat ausstellen, das Browser und Betriebssysteme als vertrauenswürdig akzeptieren. Damit ließen sich Websites imitieren und verschlüsselte Verbindungen abfangen. Hinweise darauf, dass die Schlüssel missbräuchlich verwendet wurden, gibt es laut den bisherigen Berichten nicht. In den Certificate-Transparency-Protokollen, die alle vertrauenswürdigen Zertifikate erfassen, sind keine betrügerischen Zertifikate aufgetaucht.
Schlüssel bestehen aus kleinen Zahlen
Ursache ist ein Fehler bei der Schlüsselerzeugung. Laut Mozilla sind die privaten Schlüssel der acht Zwischenzertifikate, die auf dem Verfahren P-384 basieren, sehr kleine ganze Zahlen statt zufällig gewählter 384-Bit-Werte. Sie bestehen faktisch nur aus Nullen, abgesehen vom letzten Byte. Der Sicherheitsforscher Flüpke veröffentlichte zur Demonstration einen der Schlüssel auf GitHub: Der private Schlüssel des Zertifikats „EM OV TLS CA – G3C” hat den Wert 4. Die übrigen Schlüssel lauten laut Berichten unter anderem 56, 66 und 237. Erzeugt wurden die Zertifikate im April 2025. Seitdem hätten Angreifer die Schlüssel theoretisch berechnen können.
Gemeldet hatte die Lücke ein Sicherheitsforscher namens Wayne. Er signierte mit jedem der acht Schlüssel eine Nachricht als Nachweis und schickte sie an die Root-Programme von Mozilla, Microsoft, Apple und Google. Laut Cloudflare können Angreifer mit den Schlüsseln gefälschte Zertifikate für jede Domain erstellen, um Datenverkehr abzufangen oder zu verändern. Das Unternehmen bezeichnet den Vorfall als schwerwiegend mit Folgen für das gesamte Internet.
Browser reagierten binnen Stunden
Mozilla und Google blockierten die Zertifikate in Firefox und Chrome bereits am 17. Oktober, Apple folgte am 19. Oktober, Microsoft am 20. Oktober. eMudhra widerrief die Zertifikate am 18. Oktober und stellt unter seiner Root G3 keine neuen Zertifikate mehr aus. Laut eMudhra wurden die meisten der betroffenen Zwischenzertifikate nie produktiv eingesetzt. Mozilla hat die zugehörige Root „emSign ECC Root CA – G3″ am 20. Oktober aus seinem Zertifikatsspeicher NSS entfernt. Die Zwischenzertifikate sind zudem über Querzertifizierungen von Sectigo mit der Root „Comodo AAA Certificate Services” verbunden.
Nicht-Browser-Software muss aktualisiert werden
Das größere Risiko besteht laut den Berichten bei Software außerhalb der Browser. Viele Programme prüfen nicht, ob ein Zertifikat widerrufen wurde, und vertrauen den Zertifikaten so lange, bis ihr Zertifikatsspeicher aktualisiert wird. Das betrifft etwa Linux-Distributionen, Container-Images, Programmiersprachen sowie eingebettete Systeme und IoT-Geräte. Als besonders gefährdet gelten laut Ars Technica VPN-Verbindungen in Ländern, in denen Regierungen Datenverkehr abfangen.
Aktualisierungen gibt es unter anderem für Ubuntu, NSS, das Python-Paket certifi, das CA-Bundle von curl und die Rust-Bibliothek rustls-webpki. Die Programmiersprache Go lehnt in den Versionen 1.27.3 und 1.26.10 jede Zertifikatskette mit einem der acht Schlüssel ab (CVE-2026-111943). Anwendungen müssen dafür neu kompiliert werden. Laut Go-Entwickler Filippo Valsorda werden die Zertifikatsspeicher unter Linux zu unzuverlässig gepflegt, als dass Widerrufe zuverlässig bei den Anwendungen ankämen. Für Debian, Node.js, Bun und FreeBSD standen Aktualisierungen zuletzt noch aus. Administratoren sollten Zertifikatsspeicher in Betriebssystem-Images, Containern, Laufzeitumgebungen und fest eingebundenen Abhängigkeiten aktualisieren und betroffene Anwendungen neu bauen.
(red)




