Von quantitativen KI-Modellen über Identitäten für KI-Agenten bis zu biologischen Rechnern: Gartner nennt die Technologietrends für 2027.
Gartner: Die zehn Technologietrends für 2027

Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat auf der Gartner IT Symposium/Xpo in Orlando seine zehn strategischen Technologietrends für 2027 vorgestellt. Sie sollen laut Gartner innerhalb der kommenden fünf Jahre erhebliche Umbrüche und Chancen für CIOs und IT-Verantwortliche mit sich bringen.
„Die entscheidende Reibung besteht heute darin, dass KI-Systeme in einem architektonischen Vakuum arbeiten, Software schneller erzeugen, als Menschen sie prüfen können, unkontrollierte Zugriffswege für Zugangsdaten schaffen und Prozesse an Monopole einzelner Anbieter binden.”
Gene Alvarez, Distinguished VP Analyst bei Gartner
Unternehmen müssten die Grenzen zwischen Organisation, Mensch und Maschine aktiv gestalten.
Technologietrends: Spezialisierte KI-Modelle
Drei Trends betreffen neue Arten von KI-Modellen. Large Quantitative Models (LQMs) sind modulare, hybride neuronale Netze für die Verarbeitung und Analyse quantitativer Daten. Sie sollen allgemeine Sprachmodelle bei Rechenaufgaben ersetzen, bei denen diese wegen ihres probabilistischen Vorgehens Fehler und Compliance-Risiken verursachen. Gartner sieht Einsatzmöglichkeiten etwa für automatisierte Prognosen in regulierten Branchen wie Finanzwesen und Gesundheit.
Speech Reasoning Models sind Sprach-KI-Systeme, die direkt auf Audiodaten schlussfolgern und Kontext und Absicht über ein ganzes Gespräch hinweg verfolgen. Laut Gartner sollen sie komplexe Gespräche im Kundenservice automatisierbar machen. World Models sollen Maschinen ein Verständnis von Raum, Zeit und Ursache und Wirkung vermitteln. Autonome Agenten können damit künftige Zustände simulieren und die Folgen ihrer Handlungen vor der Ausführung abschätzen. Treiber sind laut Gartner Investitionen in Robotik, autonome Fahrzeuge und Spatial Computing.
Kontext und Kontrolle für KI-Agenten
AI Context Platforms stellen KI-Agenten das Wissen bereit, das sie benötigen, um Eingaben zu interpretieren und im Sinne der Geschäftsziele zu handeln. Gartner prognostiziert, dass Unternehmen, die bei KI-tauglichen Daten auf Semantik setzen, bis 2027 die Genauigkeit agentischer KI um bis zu 80 Prozent erhöhen und die Kosten um bis zu 60 Prozent senken können.
Ein Agent Coding Harness ist ein geschlossenes Steuerungssystem für das Verhalten autonomer Coding-Agenten über den gesamten Softwareentwicklungszyklus. Ohne ein solches System müssten Entwickler die Ergebnisse der Maschinen manuell prüfen, was die Produktivitätsgewinne zunichtemache.
Sicherheit für Agenten und Systeme
Unter AI Agent Identity versteht Gartner dynamische, richtliniengesteuerte Zugriffsrechte für KI-Agenten anstelle statischer Zugangsdaten. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 rund 25 Prozent der Sicherheitsvorfälle in Unternehmen auf den Missbrauch von KI-Agenten zurückgehen, wegen unkontrollierter Maschinenberechtigungen und veralteter Verfahren für Zugangsdaten. Autonomous Exposure Remediation (AER) verbindet KI und Automatisierung, um Schwachstellen in der gesamten IT-Landschaft zu finden, zu priorisieren und zu beheben. Patches oder virtuelle Patches werden dabei automatisch getestet und eingespielt.
Souveränität und kurzlebige Software
Sovereign Tech umfasst Hardware, Software, Datenbanken und KI-Modelle, die technisch und rechtlich so aufgebaut sind, dass sie realistische Ausstiegsmöglichkeiten von kritischen Anbietern bieten. Gartner erwartet, dass bis 2030 mehr als 75 Prozent der Organisationen außerhalb der USA Strategien zur digitalen Souveränität einführen und kritische Workloads verlagern.
Disposable Applications sind Anwendungen, die gezielt für einen bestimmten Zweck entwickelt und danach wieder stillgelegt werden. Laut Gartner verändert das, wie Software gekauft, entworfen und budgetiert wird.
Biologische Rechner aus der Cloud
Der zehnte Trend ist Wetware as a Service. Gemeint ist der Zugang über die Cloud zu lebenden oder synthetischen biologischen Systemen, die für Berechnungen genutzt werden. Diese organischen Prozessoren sollen die Anpassungsfähigkeit biochemischer Netzwerke nutzen, um komplexe Algorithmen besonders energieeffizient auszuführen. Gartner begründet den Trend damit, dass herkömmliche Hardware auf Siliziumbasis den Energiebedarf von KI nicht unbegrenzt decken könne. In Europa stellt Gartner die Trends auf der IT Symposium/Xpo vom 9. bis 12. November in Barcelona vor.
(red)




