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Kennzeichnungspflicht entfällt

Torvalds reicht ersten KI-gestützten Kernel-Patch ein

Mit Claude Code hat der Linux-Erfinder eine Patch-Serie gegen Cache-Engpässe erstellt. Ein KI-Verbot im Kernel nennt er „völlig dumm”.

Torvalds reicht ersten KI-gestützten Kernel-Patch ein
Bildquelle: Palmer / Shutterstock.com

Linus Torvalds hat erstmals eine mithilfe eines KI-Werkzeugs erstellte Patch-Serie für den Linux-Kernel eingereicht. Laut The New Stack nutzte er dafür Claude Code von Anthropic. Das Werkzeug schrieb nach Angaben von Torvalds die Implementierung, Tests und eine erste Dokumentation und prüfte den Code unter seiner Anleitung. Die Benchmarks führte Torvalds selbst durch. Am 13. Oktober reichte er die Serie aus zehn Patches auf der Linux-Kernel-Mailingliste ein.

23-fache Leistung im Benchmark

Die Patches sollen ein seit Langem bekanntes Problem beheben: starke Konkurrenz um Caches, wenn viele CPU-Kerne gleichzeitig dieselbe Datei lesen. Das kann etwa bei gemeinsam genutzten Bibliotheken, Datenbanken und Webservern auftreten. Mehrere Entwickler hatten über die Jahre Lösungen versucht, keine davon deckte das Problem vollständig ab. Torvalds berichtet in einem dafür entwickelten synthetischen Benchmark von einer 23-fachen Leistungssteigerung. Im realen Betrieb werde der Effekt deutlich geringer ausfallen, keine echte Last erreiche diese Werte.

Prüfer haben inzwischen eine Race Condition gefunden und Bedenken zur Speicherfreigabe geäußert. Torvalds hat die weitere Entwicklung an den Kernel-Entwickler Kiryl Shutsemau übergeben, der zuvor bereits an demselben Engpass gearbeitet hatte. Zuvor hatte Torvalds nach eigenen Angaben KI auch genutzt, um schwer nachvollziehbare Patches zu verstehen.

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Kennzeichnungspflicht entfällt

Parallel haben die Kernel-Maintainer auf ihrem Treffen in Prag beschlossen, dass Beiträge nicht mehr mit dem Tag „Assisted-by” gekennzeichnet werden müssen. Ein entsprechender Patch wurde auf der Mailingliste veröffentlicht. Die Pflicht hatte das Projekt erst im April eingeführt. Unverändert bleibt, dass ein Mensch die Verantwortung für jeden Beitrag trägt und ihn selbst abzeichnen muss.

Auf Bedenken gegen die Änderung antwortete Torvalds auf der Mailingliste mit einem Vergleich: Ein Verbot von KI-Werkzeugen sei so, als würde man Texteditoren abschaffen, um nachzuweisen, dass jemand eine fehlerfreie Commit-Nachricht schreiben kann. Solche Regeln bezeichnete er als „völlig dumm”. Von Kernel-Entwicklern erwarte er, dass sie verstehen, was sie tun.

„Ganz ehrlich, nach meiner Erfahrung sind die Menschen, die ich respektiere und als intelligent bezeichne, nicht diejenigen, die sich vor neuen und interessanten Werkzeugen scheuen.”
Linus Torvalds, Linux-Erfinder

Torvalds hatte zuvor Entwickler kritisiert, die angeben, KI schreibe 99 Prozent ihres Codes. Auf dem Open Source Summit Europe Anfang Oktober hatte er erklärt, KI selbst vor allem für Aufgaben zu nutzen, die nicht zu seinen Stärken gehören.

(red)

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