Weil Speicherchips in KI-Rechenzentren fließen, steigen Smartphone-Preise. Auslieferungen von Geräten unter 100 Dollar fielen um fast 60 Prozent.
KI verdrängt günstige Smartphones

Die weltweite Knappheit an Speicherchips verteuert Smartphones und lässt besonders günstige Modelle vom Markt verschwinden. Das berichtet das Magazin Rest of World unter Berufung auf mehrere Marktforschungsunternehmen. Laut Counterpoint Research sind die Preise bestehender Smartphone-Modelle in diesem Jahr weltweit um rund 15 Prozent gestiegen, neu vorgestellte Modelle kosten etwa 25 Prozent mehr als im Vorjahr.
Stärkster Anstieg in Indien
Die Preissteigerungen fallen regional unterschiedlich aus. In Indien betragen sie 21 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum 19 Prozent und im Nahen Osten und Afrika 18 Prozent. In den USA sind es 5 Prozent. Xiaomi hob in Indien den Preis des Redmi 15C mit 128 GB von 12.499 Rupien (rund 140 US-Dollar) zum Marktstart im Dezember auf 16.999 Rupien (rund 190 Dollar) im Juni an, ein Plus von 36 Prozent.
Laut IDC fielen die weltweiten Auslieferungen von Smartphones unter 100 Dollar im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um fast 60 Prozent. 2025 waren 173 Millionen solcher Geräte ausgeliefert worden. In Südostasien brachen die Auslieferungen von Oppo-Geräten unter 100 Dollar laut Omdia um 96 Prozent ein, Vivo hob sein wichtigstes Einstiegsmodell in den meisten Märkten über diese Grenze. In Afrika gingen die Auslieferungen von Smartphones unter 100 Dollar um 34 Prozent zurück.
Hersteller setzen auf teurere Modelle
Chinesische Hersteller, auf die rund 60 Prozent der weltweit ausgelieferten Smartphones entfallen, haben laut Counterpoint-Analyst Ivan Lam ihre Projekte im Einstiegssegment deutlich zurückgefahren und konzentrieren sich auf margenstärkere Geräte. Was bisher unter 150 Dollar gekostet habe, könne künftig bei unter 250 oder sogar 300 Dollar liegen. Eine Rückkehr zum Preisniveau vor 2025 erwartet er nicht.
Speicherhersteller beliefern KI-Rechenzentren
Samsung Electronics, SK hynix und Micron kontrollieren zusammen mehr als 90 Prozent des Marktes für Speicherchips. „Es gibt drei große Speicherhersteller, und Ende 2025 haben alle den Großteil ihrer Lieferungen auf KI-Rechenzentren statt auf Unterhaltungselektronik umgestellt“, sagte Ramon Llamas, Research Director bei IDC. Die Preissteigerungen für Speicher würden an die Verbraucher weitergegeben. S&P Global schätzt, dass die Investitionen der großen US-Cloud-Anbieter 2027 auf mehr als 1,3 Billionen Dollar steigen, nach 470 Milliarden Dollar im Jahr 2025.
Folgen für den Internetzugang
Der Mobilfunkverband GSMA hatte prognostiziert, dass bis 2030 fast 800 Millionen weitere Menschen mobiles Internet nutzen werden. Steigende Gerätepreise könnten diese Prognose laut Claire Sibthorpe, Leiterin für digitale Teilhabe bei der GSMA-Stiftung, gefährden. Ein Einstiegsgerät kostet die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung laut GSMA umgerechnet 44 Prozent ihres Monatseinkommens, in Afrika südlich der Sahara 76 Prozent.
(red)




