Die zehnte „State of Hybrid Work“-Studie von Owl Labs zeigt, dass sich die Debatte über hybrides Arbeiten zunehmend vom Arbeitsort auf die Arbeitszeit verlagert.
Beschäftigte wünschen sich mehr Einfluss darauf, wann und wie sie arbeiten, während Unternehmen gleichzeitig mit Fragen zu Produktivität, Kontrolle und Arbeitsplatzsicherheit umgehen müssen.
Deutschland bei hybrider Arbeit weit vorne
Hybrides Arbeiten ist in Deutschland bereits stärker verbreitet als in mehreren anderen untersuchten Ländern. 52,7 Prozent der Beschäftigten arbeiten hierzulande hybrid. In Großbritannien liegt der Anteil bei 45 Prozent, in Frankreich bei 32 Prozent und in den USA bei 25 Prozent.
Damit verändert sich auch die Diskussion über Flexibilität. Während zunächst vor allem die Frage im Mittelpunkt stand, ob Beschäftigte von zu Hause oder im Büro arbeiten, rückt inzwischen die zeitliche Gestaltung des Arbeitstags stärker in den Vordergrund.
Das zeigt sich besonders bei der Bereitschaft, Einkommen gegen mehr zeitliche Freiheit einzutauschen. 58,1 Prozent der Befragten würden für eine Vier-Tage-Woche einen Teil ihres Gehalts aufgeben. Für mehr oder unbegrenzten Urlaub würden 60,4 Prozent eine Gehaltseinbuße akzeptieren.
Jüngere Beschäftigte bewerten Freizeit besonders hoch
Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei der Generation Z. 74,2 Prozent der jüngeren Befragten wären bereit, für mehr Freizeit weniger zu verdienen. Bei den Babyboomern liegt dieser Anteil bei 30,7 Prozent.
Ein Teil der Generation Z würde sogar deutliche finanzielle Einbußen akzeptieren. 9,4 Prozent wären für eine Vier-Tage-Woche und 10,1 Prozent für flexiblere Arbeitszeiten bereit, mehr als 20 Prozent ihres Bruttojahresgehalts aufzugeben.
Dabei geht es nicht ausschließlich um zusätzliche freie Tage. 53,1 Prozent interessieren sich für sogenanntes Micro-Shifting. Dabei wird die Arbeitszeit in mehrere kürzere Zeitblöcke über den Tag verteilt. Beschäftigte können ihre Arbeit dadurch beispielsweise stärker an Betreuungspflichten, persönliche Leistungsphasen oder andere Anforderungen des Alltags anpassen.
Die größere zeitliche Freiheit kann allerdings auch dazu führen, dass Arbeit stärker in klassische Freizeitphasen hineinreicht. 40,9 Prozent der Befragten arbeiten regelmäßig sonntags. Bei Führungskräften sind es 54,3 Prozent. 19,7 Prozent praktizieren zudem sogenanntes Ghost Working und verlagern Arbeit bewusst in die späten Abendstunden.
Mehr Flexibilität trifft auf wachsende Unsicherheit
Der Wunsch nach mehr Zeitsouveränität fällt zugleich in eine Phase zunehmender beruflicher Unsicherheit. 39,5 Prozent der Befragten geben an, seit 2024 Entlassungen im eigenen Unternehmen erlebt zu haben. Weitere 36,9 Prozent wurden über einen möglichen Stellenabbau informiert.
Diese Entwicklung wirkt sich auf den Arbeitsalltag aus. 33,8 Prozent berichten von mehr Stress als im Vorjahr, während 29 Prozent um die Stabilität ihres Arbeitsplatzes besorgt sind.
Zusätzliche Arbeitszeit wird teilweise auch genutzt, um finanzielle Sicherheit zu schaffen. 19,9 Prozent der Befragten haben einen Nebenjob. Unter den Beschäftigten der Generation Z liegt der Anteil bei 28,2 Prozent. Für 33,8 Prozent derjenigen mit Nebenjob ist das zusätzliche Einkommen notwendig, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Bei Frauen liegt dieser Anteil bei 41,5 Prozent.
Damit zeigt die Studie ein Spannungsfeld: Mehr zeitliche Freiheit kann den Arbeitsalltag verbessern, gleichzeitig können wirtschaftliche Unsicherheit und zusätzliche Erwerbsarbeit den persönlichen Zeitgewinn wieder einschränken.
Meetings werden zum Faktor für Zeitverlust
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung ist der Umgang mit Besprechungen. 32,1 Prozent der Befragten berichten von Meeting-Fatigue. Als häufigsten Grund nennen 47,2 Prozent zu lange Meetings.
Auch die Beteiligung in hybriden und virtuellen Besprechungen ist nicht immer gewährleistet. 53,1 Prozent haben sich bereits unbeteiligt oder innerlich abgekoppelt gefühlt. 47,6 Prozent berichten, in Meetings ausgeschlossen oder übersehen worden zu sein.
Nach Angaben von Owl Labs gehen durchschnittlich weiterhin rund fünf Minuten pro Meeting durch technische Probleme und ineffiziente Abläufe verloren. Frank Weishaupt, CEO von Owl Labs, bezeichnet diese verlorene Zeit als „Meeting Tax“.
Eine mögliche Reaktion darauf ist die sogenannte Phantom Meeting Attendance. Dabei nehmen Beschäftigte nicht live an einer Besprechung teil, sondern informieren sich später anhand von Notizen, Aufzeichnungen oder KI-generierten Zusammenfassungen. 18,6 Prozent der Befragten haben dies bereits praktiziert. Bei Führungskräften sind es 25,8 Prozent.
Kontrolle und Vertrauen stehen auf dem Prüfstand
Mit zunehmender zeitlicher Flexibilität stellt sich für Unternehmen auch die Frage nach der Kontrolle über Arbeitsabläufe. 57,2 Prozent der Befragten vermuten, dass Regelungen zur Rückkehr ins Büro vor allem dazu dienen, Führungskräften mehr Sichtbarkeit über die Belegschaft zu ermöglichen.
Gleichzeitig werden digitale Monitoring-Werkzeuge zunehmend relevant. Ihre Akzeptanz hängt laut der Studie jedoch stark von Transparenz ab. 82,7 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden sollten, den Einsatz solcher Überwachungstechnologien am Arbeitsplatz offenzulegen.
Damit verschiebt sich eine zentrale Frage der hybriden Arbeitswelt: Nicht nur der Arbeitsort muss organisiert werden, sondern auch das Verhältnis zwischen zeitlicher Selbstbestimmung und unternehmerischer Kontrolle.
„Seit zehn Jahren begleitet unsere Studie die Entwicklung hybrider Arbeit. Heute geht es nicht mehr allein um die Frage, wo gearbeitet wird, sondern auch um den wachsenden Wunsch nach zeitlicher Autonomie im Arbeitsalltag“, sagt Frank Weishaupt, CEO von Owl Labs.
Für Unternehmen bedeutet das, dass klassische Kriterien wie Anwesenheit und Sichtbarkeit zunehmend mit anderen Formen der Zusammenarbeit verbunden werden müssen. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Zeitsouveränität, transparente Regeln und funktionierende digitale Arbeitsprozesse künftig stärker zusammen gedacht werden müssen.
(red/Owl Labs)